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Klaus Kathan wechselte 2008 von den DEG Metro Stars nach Hannover © imago

Meister Hannover bricht nach der Saison auseinander. Klaus Kathan gehört zu den prominenten Abgängern - der Klub plant ohne ihn.

Von Jakob Gajdzik und Martin Hoffmann

München/Hannover - Klaus Kathan klingt nicht verbittert, wütend oder aus der Fassung geraten.

Das DEL-Geschäft ist noch schnelllebig, ein Spieler muss da mit Nachrichten rechnen, wie der die Kathan an diesem Mittwoch erreicht hat.

"Ich hatte heute das Gespräch, der Verein plant nicht mehr mit mir", teilt der Ex-Nationalstürmer gegenüber SPORT1 mit und erklärt: "Es war nicht mehr so überraschend."

Für sich genommen ist die Personalie auch nicht so bemerkenswert. Aber das große Ganze, das dahinter steht, ist es sehr wohl: Bei Meister Hannover Scorpions bleibt nach dieser Saison kaum ein Stein auf dem anderen.

Auch Dolak geht

Stürmer Adam Mitchell wird nächste Saison für die Adler Mannheim auflaufen, der Norweger Tore Vikingstad in seine Heimat zurückkehren.

Und auch der dienstälteste Skorpion steht beim Noch-Meister vor dem Absprung. Thomas Dolak, als Schütze der wichtigen Tore maßgeblich am Titelgewinn 2010 beteiligt, wird dem Verein nach acht Jahren wohl ebenfalls den Rücken kehren.

Den Deutsch-Tschechen zieht es zurück zu den Hamburg Freezers, demjenigen Verein bei dem Dolak bereits vor seinem Engagement in Hannover gespielt hat.

Ein Verlust der schmerzt, ist der 31-Jährige doch mit 102 Treffern und 191 Assists in 437 Spielen der zweiterfolgreichste Scorer der Hannoveraner DEL-Geschichte.

"Vielleicht war es das Alter"

Die Abwanderungs-Liste wird bis zum Saisonende am 30. April mit Sicherheit noch länger (STENOGRAMME: Der 45. Spieltag).

So stehen laut "Bild"-Informationen auch Spieler wie Patrick Köppchen, oder David Wolf vor dem Absprung.

Bei Kathan war "Geld nicht das Thema" erklärt der 33-Jährige: "Um das Gehalt ging es nicht, sondern um den sportlichen Umbruch. Vielleicht war es das Alter."

Aber das Geld ist Hauptantrieb hinter dem Riesenumbau: Nach dem Besitzer Günther Papenburg zu Saisonbeginn verkündete, kein Geld mehr in den Verein zu stecken, hatten die Scorpions die Lizenz für diese Saison nur unter Auflagen erhalten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ein "ganz normaler Umbruch"

Die massiven Geld-Probleme führen dazu, dass nun das Tafelsilber, die Spieler, verkauft werden müssen.

"Der Verein hat sich anscheinend finanziell übernommen", meint Kathan: "Auch durch die Meisterschaft wurden die Spieler vielleicht zu teuer und es war nicht mehr möglich, eine Mannschaft auf dem Niveau zu halten. Jetzt wird es wohl mit einem niedrigeren Etat versucht."

Einen "ganz normalen Umbruch" nennt Trainer Toni Krinner die Geschehnisse und Geschäftsführer Marco Stichnoth versichert, nicht alle sportlichen Ambitionen aufgeben zu wollen: "Wir werden auch künftig eine Mannschaft haben, die den Anspruch hat, unter die ersten Sechs zu kommen."

Niederklassiger Ersatz?

Wie der Klub das anstellen will, ist nur im Moment noch nicht abzusehen.

"Bis jetzt stehen ja nur Abgänge fest - da kann ich über die Perspektive ja nichts sagen", erklärt Kathan schulterzuckend. Hochkarätige Ersatzleute für die Abgänger sind nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Scorpions in den unteren Ligen bedienen werden.

Als Namen kursieren Spieler wie Stürmer Sami Kaartinen von Zweitligist Dresden Eislöwen oder Kevin Schmidt vom ebenfalls zweitklassigen Lokalrivalen Hannover Indians.

Äußere Umstände beeinflussen das Team

Jedoch gibt es auch positive Signale von Spielern. Sascha Goc, in dieser Spielzeit mit 16 Treffern bester Schütze der Niedersachsen, bekundet in der "Bild"-Zeitung die Absicht, auch in der nächsten Spielzeit die Schuhe für Hannover zu schnüren.

Trotzdem: Die riesigen Umwälzungen werden nicht spurlos an einem Team vorbeigehen, das sich im Meisterjahr vor allem durch seinen Teamgeist hervorgetan hat. Und schon in dieser Saison haben Finanzquerelen und der Sparkurs beim Personal Spuren hinterlassen.

Den Horror-Dezember mit sieben Niederlagen aus acht Spielen führt Kathan vor allem auf die "wohl zu dünne Personaldecke" zurück.

Kathan mit "gutem Gefühl"

An die von Stichnoth geäußerte Theorie, das Team habe ein "mentales Problem als Meister" glaubt er nicht: "Das hätte sich eher zu Beginn der Saison gezeigt ? hätten wir uns nach dem Titel zurückgelehnt, hätte man das in den ersten Spielen gesehen. Doch gerade lief ja alles gut."

Zuletzt ging es wieder etwas aufwärts: Das 3:1 (1:1; 1:0; 1:0) gegen die Straubing Tigers weckte wieder zarte Hoffnungen auf die direkte Playoff-Qualifikation.

Mit 55 Punkten liegen sie nur noch sechs Punkte hinter Aufsteiger EHC München. "Nach diesem wichtigen Sieg habe ich wieder ein gutes Gefühl", meint Kathan.

Ein erfolgreicher Saisonabschluss wäre das letzte Hurra für Kathan in Hannover - und für die Scorpions, wie man sie jetzt noch kennt (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

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