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Jere Karalahti (r., mit Ingolstadts Brandl) spielte von 1999 bis 2002 bei den Los Angeles Kings © getty

Ein Hamburger Finne steht wegen Kokain-Konsum vor Gericht. Freezers-Chef Capla schießt gegen Trainer und Mannschaft.

Von Liane Killmann

Ein überzeugender Sieg gegen den Tabellen-Zweiten bringt Ruhe und Selbstvertrauen. Normalerweise. Nicht so bei den Hamburg Freezers.

Dort sorgen nach dem 3:1-Erfolg über die Pinguine aus Krefeld gleich zwei Akteure für Unruhe: Geschäftsführer Boris Capla schießt gegen das Team und Jere Karalahti steht wegen Drogenkonsums unter Anklage.

Unmittelbar nach Abpfiff flog der Finne am Montag nach Helsinki.

Mit Erlaubnis der Freezers, denn Karalahti muss sich wegen Kokain-Missbrauch verantworten. Der Vorwurf: Karalahti soll am 7. März 2007 Drogen mindestens 30 Gramm Kokain konsumiert und weiteren Stoff verbreitet haben.

Sauna-Abend und Drogen-Party?

Zu diesem Zeitpunkt war der Verteidiger beim finnischen Klub HIFK angestellt. Mit einer Sauna-Party beging die Mannschaft das Ende der Vorrunde. Hinterher feierte Karalahti bei einem Kumpel weiter.

Die Anklage stützt sich auf drei Fotos, die die Polizei letzten Monat nach der Verhaftung des Kumpels auf dessen Computer fand.

Finne mit weißer Nase

Karalahti ist darauf mit einer weißen Substanz an der Nase zu sehen. Zudem wurden im Haus seines Freundes Spuren von Kokain entdeckt.

Karalahti weist jede Schuld von sich. Er wäre in dieser Nacht so betrunken gewesen, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Sein Anwalt Paul Perovuo hält eine Manipulation der Fotos für möglich.

Auch Capla nach Helsinki Freezers-Geschäftsführer Boris Capla war selbst in Finnland, um mit Karalahtis Anwalt zu reden. "Uns war von Anfang an klar, dass Jere noch öfter von seiner Vergangenheit eingeholt werden wird und Sachen hochkommen?, sagte Capla der "BILD".

Sportliche Konsequenzen muss der Finne durch den Prozess also erst mal nicht fürchten.

Drogen-Kontakt bekannt

Capla weiter: ?Wir wussten auch, dass er in der Vergangenheit mit Drogen in Kontakt war. Also ergibt sich keine neue Situation für uns.?

Bei der Vertragsunterschrift im Sommer wurde zudem vereinbart, dass die Freezers ihren Spieler auf Drogen testen dürfen. Bisher sei Karalahti zwei Mal ohne Befund getestet worden. Capla bescheinigt dem Finnen, dass er sich in Hamburg bisher sehr professionell verhalte.

Inzwischen ist Karalahti aus der Heimat zurück. Das Urteil wird für Anfang Dezember erwartet.

Die Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr auf Bewährung bzw. eine Geldstrafe, sollte Karalahti nur des Drogenkonsums schuldig gesprochen werden.

Fehlende Konstanz angeprangert

Während Capla seinen Skandal-Finnen in Schutz nimmt, schießt der Geschäftsführer trotz des Sieges über die Pinguine (DATENCENTER: Ergebnisse) gegen seine Mannschaft.

"So stelle ich mir die Mannschaft vor, es reicht aber nicht, wenn wir diese Leistung nur alle zwei, drei Wochen zeigen", sagte Capla der "Hamburger Morgenpost" und nimmt vor allem Coach Bill Stewart in die Pflicht: "Es liegt am Trainer, nun für Konstanz im Spiel zu sorgen. Die Mannschaft behauptet unter die ersten Sechs zu gehören, dann soll sie das auch zeigen."

Der Trainer kann die Unruhe aus den eigenen Reihen nicht nachvollziehen und fordert mehr Kredit für sein Team: "Unsere Spieler sind keine Maschinen", meint er.

Keine Panik beim Coach

Angst um seinen Job hat Stewart bisher nicht: "Ich kümmere mich nicht um Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Ich habe keinen Knopf, mit dem ich verhindern kann, dass der Panik-Knopf gedrückt wird."

Während Capla Distanz zu Trainer und Mannschaft demonstriert, stellt sich Stewart deutlich vor seine Spieler.

Doch auch im Team brodelt es. Ohne Namen zu nennen kritisierte Retzer in der "Morgenpost" einige seiner Kollegen: "Es gibt bei uns Spieler, die zu oft versuchen, den leichten Weg zu gehen".

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