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Die Haie um Kamil Piros (li.) zeigten David Cespiva und seinen "Tigern" die Grenzen auf © getty

Sind die Ice Tigers wegen ausstehender Gehälter so zahm? Sportdirektor Sykora räumt ein, dass "Geld das Thema Nummer eins" sei.

Von Liane Killmann

Bei den Ice Tigers ist nichts in Ordnung. Derzeit nur auf Platz zehn der Tabelle, kursierte nach der 1:5-Klatsche bei den Kölner Haien sogar der Slogan "No money, no goals" - kein Geld, keine Tore.

Demzufolge hätten die Spieler absichtlich einige Gänge zurück geschaltet, um gegen ausstehende Gehaltszahlungen zu protestieren.

Sportdirektor Otto Sykora räumt Sport1.de gegenüber seine große Verunsicherung ein: "Ich bin jetzt seit 19 Jahren in diesem Verein, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Auch die Spieler seien nur mit dem "Finanzloch" beschäftigt.

"Das fehlende Geld ist natürlich Thema Nummer eins in der Kabine. Und wenn sie nach Hause kommen geht es um nichts anderes. Viele von den Jungs haben schließlich Familie", sagt Sykora.

Neue Qualität der Krise

Die Nürnberger stehen nicht zum ersten Mal einem erheblichen Finanzloch gegenüber. Zu Beginn des Jahres konnte Alleingesellschafter Günter Hertel mit Einsatz seines Privatvermögens zwei Mal die Insolvenz abwenden. Doch die aktuelle Krise hat eine andere Qualität.

Die Franken haben "ein paar Hundertausend Euro Außenstände", sagte Hertel der "Nürnberger Abendzeitung". So sollen die Ice Tigers unter anderem dem Betreiber ihrer Spielstätte mit einen sechsstelligen Betrag schulden.

Hertel schaltet auf stumm

Hertel lehnte Sport1.de gegenüber eine Stellungnahme zur neuerlichen Finanz-Schieflage ab. Stattdessen ließ er übermitteln, dass er zum Thema Eishockey dieser Tage keine Aussage mehr tätigen werde.

Vereinssprecher Ralf Kissau versichert Sport1.de auf Nachfrage, dass er von Alleingesellschafter Hertel bisher keinerlei Signale für dessen Rückzug habe.

Kissau verweist stattdessen auf Verhandlungen mit potentiellen Geldgebern: "Mit zwei überregionalen Sponsoren sind wir in guten Gesprächen über ein langfristiges Engagement."

Auswirkungen auf Konzentration

Dass seine Spieler sich aus Protest gegen das Ausbleiben der Oktobergehälter auf dem Eis zurückgenommen hätten, kann sich Sykora nicht vorstellen. Er ist sich aber sicher, dass die Unsicherheit im Verein sich auf die Konzentration seiner Spieler auswirkt. Vor allem bei den jüngeren Profis sei das spürbar.

Daher seien die Kölner, die "noch nicht mal besonders gut gespielt haben" zu dem lockeren Sieg (Spielbericht) gekommen, während er Nürnberg in dieser Saison noch nicht so schlecht erlebt habe.

Die bisherige Saison der Ice Tigers war geprägt von durchschnittlichen Leistungen (DATENCENTER: Ergebnisse) und einigen Langzeitverletzten. Deshalb galt es als sicher, dass Sykora spätestens im Winter einen neuen Stürmer verpflichtet.

Keine Neuverpflichtung möglich

Das Thema ist jetzt vom Tisch. Geld für eine Nachsteuerung des Kaders ist nicht mehr da. "Jetzt ist es erstmal wichtiger, dass unsere Spieler ihr Geld bekommen. So schlecht ist unser Kader auch nicht."

Zudem rechnet Sykora in den nächsten drei Wochen mit der Rückkehr von Aleksander Polaczek (Sprunggelenksverletzung) und Greg Leeb (Zehenbruch).

Der Sportdirektor hofft, dass es weitergeht mit dem Eishockey in Nürnberg. "Aber Ich denke im Moment nur von Woche zu Woche", lässt Sykora seine Zweifel durchblicken.

Inzwischen hat der Verein 50 Prozent der Gehälter des abgelaufenen Monats überwiesen. "Am Montag haben die Spieler die Hälfte ihres Geldes bekommen", bestätigt Sykora. Wann die ausstehenden Zahlungen erfolgen und wie es im November weitergeht, dazu schwiegen die Verantwortlichen.

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