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Der Kanadier Ken Magowan (l.) spielt seit 2008 in Wolfsburg © getty

Der souveräne Einzug Wolfsburgs ins Halbfinale der Playoffs scheint vielen zu missfallen. Besonders die geschlagenen Haie mosern.

München - Deutscher Eishockey-Meister EHC Wolfsburg - für Moritz Müller eine grauenhafte Vorstellung.

"Da gehört die Schale auf keinen Fall hin. Das sehe ich so", sagte der Verteidiger der Kölner Haie und sprach damit einigen Fans aus der Seele.

Durch den Halbfinaleinzug des EHC nach drei souveränen Siegen im Playoff-Duell gegen die Haie wird dieses Szenario jedoch immer wahrscheinlicher.

Zwei Jahre nach der sensationellen Triumph durch die Fußballer des VfL darf die Autostadt auf einen weiteren Meistertitel hoffen - allen Unkenrufen zum Trotz.

Fliegauf: Da "spricht der Neid"

"Wenn Moritz Müller uns keinen Erfolg gönnt, hätte er gegen uns besser spielen müssen. Aus solchen Sätzen spricht der Neid, aber den muss man sich bekanntlich hart erarbeiten", sagte EHC-Manager Charly Fliegauf.

Während die Wolfsburger schon das Ticket für die Runde der besten vier Teams in der Tasche haben, benötigen Titelverteidiger Hannover Scorpions (gegen Krefeld Pinguine), die Eisbären Berlin (beim ERC Ingolstadt) und die Düsseldorfer EG (bei Adler Mannheim) am Dienstag beim Stand von je 2:1 noch einen Sieg (STENOGRAMME: Playoffs).

Besucherzahl "etwas peinlich"

Doch nicht nur den Respekt des Gegners, auch die Gunst der Wolfsburger Sportfans muss sich der EHC weiter hart erarbeiten.

Zu den beiden Viertelfinal-Heimspielen gegen Köln kamen im Schnitt gerade einmal knapp 3000 Besucher. "Die Zuschauerzahl ist etwas peinlich. Aber wir wissen, dass wir eine junge Organisation sind und keine Tradition wie die Kölner Haie haben. Die müssen wir uns erst erkämpfen", sagte Fliegauf.

Kommt nun der Titel?

Erfolgreich waren die Grizzly Adams auch schon in den vergangenen Jahren, doch in dieser Saison trauen viele Experten den Niedersachsen den großen Coup zu. "Wolfsburg spielt modern und hat gute Chancen, Meister zu werden", sagte der Kölner Coach Niklas Sundblad nach dem 2:4 im dritten und letzten Viertelfinalspiel am Sonntag.

Die größte Stärke des Hauptrundengewinners ist seine mannschaftliche Geschlossenheit.

Die Mannschaft ist der Star

Ein alles überragender Matchwinner, wie es der Kanadier Ken Megowan am Sonntag mit vier Treffern war, ist die absolute Ausnahme. In der Regel besticht das Team von Trainer Pavel Gross durch ein laufintensives Defensivsystem, in dem sich jeder Einzelne unterordnet.

"Die Mannschaft wurde in den vergangenen zwei Jahren so zusammengestellt, dass jeder seine Rolle im Team akzeptiert und zu einhundert Prozent ausfüllt. Bei uns stimmt die Mischung aus Häuptlingen und Indianern", erklärte Fliegauf: "So wurde auch Hannover im vergangenen Jahr Meister."

Kritik wird nicht verstummen

Doch selbst beim Gewinn des Titels würden die Kritiker bemängeln, dass erst der VW-Konzern als finanzkräftiger Sponsor im Rücken den Erfolg möglich machen würde.

"Dabei liegen wir mit unserem Etat nur im Mittelfeld der Tabelle", betonte EHC-Manager Fliegauf. Von dem Budget mit geschätzten vier Millionen Euro übernimmt der Hauptsponsor etwa die Hälfte, was auch bei anderen Klubs nicht ungewöhnlich ist.

Kölner Aufwärtstrend trotz dem Aus

Die Kölner mussten am Ende die Überlegenheit des "kleineren" Klubs anerkennen. Dies fiel dem achtmaligen Champion umso leichter, da der Aufwärtstrend nach dem Verpassen der K.o.-Spiele 2009 und dem Pre-Playoff-Aus im letzten Jahr eindeutig zu erkennen ist.

"Wir haben eine gute Saison hingelegt. Darauf können wir aufbauen", meinte Haie-Coach Sundblad.

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