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Die Krefeld Pinguine wurden 1951, 1952 und 2003 Deutscher Meister © getty

Der Vorrundenprimus EHC wehrt sich vor den Halbfinals gegen die Favoritenrolle. Außenseiter Krefeld macht eine Kampfansage.

Köln - Der entthronte Meister Hannover Scorpions fällt im Streit auseinander.

Bei der Suche nach dem Nachfolger will der Vorrundensieger EHC Wolfsburg partout nicht der Topkandidat sein.

"Wir sehen uns nicht als Favorit", sagt Sportdirektor Charly Fliegauf vor dem Playoff-Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL): "Wir sind nur eine von vier Mannschaften."

Trotz Platz eins in der Punkterunde und dem Durchmarsch im Viertelfinale mit 3:0 Siegen gegen die Kölner Haie stapeln die Niedersachsen vor dem ersten Duell mit Hannover-Bezwinger Krefeld Pinguine am Sonntag (14.35 Uhr LIVESCORES) tief.

"Wir haben noch nichts erreicht", sagt Nationalspieler Christopher Fischer.

Und Chefcoach Pavel Gross behauptet vor der "Best-of-five"-Serie gegen den Vorrundenvierten: "Die Chancen stehen 50:50."

Vikingstad: "Das ist nicht schön"

Das sehen die Konkurrenten anders: Für die DEL-Trainer war Wolfsburg schon vor dem Playoff-Start Titelanwärter Nummer eins.

Den Meisterpokal auf jeden Fall abgeben muss der Nachbar Hannover. Nach dem 1:5 im fünften Viertelfinale in Krefeld kämpften bei den Scorpions die einen mit den Tränen, die anderen ballten die Faust in der Tasche.

"Sich nach zehn Jahren in der DEL so zu verabschieden, ist nicht schön", sagte Stürmer Tore Vikingstad mit feuchten Augen.

"Es überwiegt die Trauer"

Nicht nur der Norweger geht. Auch die Ex-Nationalspieler Patrick Köppchen, Thomas Dolak und Klaus Kathan verabschieden sich, ebenso die Stürmer David Wolf und Adam Mitchell.

Zudem brodelte es zuletzt im Team. Trainer Toni Krinner, der die schwere Nachfolge des Meistermachers Hans Zach angetreten hatte, wurden hinter vorgehaltener Hand Mängel in der Menschenführung und der Taktik vorgeworfen.

Der Bad Tölzer lobte dennoch sein durch Verletzungen arg dezimiertes Team: "Der Stolz, mit dieser Mannschaft über fünf Spiele gegangen zu sein, überwiegt die Trauer über das Ausscheiden."

Tomlinson verbindet viel mit Berlin

Im zweiten Halbfinale kommt es ab Sonntag zum Duell zwischen Lehrling und Lehrmeister.

Trainerneuling Jeff Tomlinson fordert mit der Düsseldorfer EG seinen ehemaligen Chefcoach Don Jackson mit den Eisbären Berlin heraus.

"Mit Berlin verbinden mich viele Erinnerungen", sagt der Kanadier, der als Spieler, Jugendtrainer und Jackson-Assistent insgesamt zehn Jahre ein Eisbär war: "In das Berliner System habe ich auch meine Ideen einfließen lassen."

Doppelte Aufgabe: "Sportlich und im Herzen"

Jetzt kann er beweisen, was er vom zweimaligen Meistertrainer Jackson gelernt hat. Offensiv-Eishockey mit hohem Tempo hat Tomlinson der DEG verordnet - ein System, das dem gleicht, das die Berliner 2008 und 2009 zum Titel führte.

"Meister zu werden gegen die Eisbären, ist doppelt schwer - sportlich und im Herzen", sagt der DEG-Coach.

Dafür müsste der achtmalige Champion endlich einmal eine Playoff-Serie gegen Berlin gewinnen.

Deutsche Reihe überzeugt

Viermal unterlagen die Düsseldorfer in den vergangenen acht Jahren den Eisbären, 2006 und 2009 sogar im Finale. Die Berliner wollen nach verkorksten Playoffs 2010 mit dem Aus im Viertelfinale wieder an alte Stärken anknüpfen.

"Wir sind wieder so dominant wie früher", meinte Verteidiger Frank Hördler nach dem souveränen Weiterkommen gegen den ERC Ingolstadt.

Vor allem die deutsche Reihe brillierte: Die Nationalspieler T.J. Mulock und Andre Rankel sowie der Ex-Internationale Stefan Ustorf erzielten neun der 15 Tore im Viertelfinale.

Die logische Folge: Berlin steht zum siebten Mal seit 2003 in der Runde der letzten Vier.

Steiler Weg der Pinguine

Krasser Außenseiter ist Krefeld. Nach dem entscheidenden Sieg gegen Hannover feierten die Fans zwar so überschwänglich wie zuletzt beim sensationellen Titelgewinn 2003.

Und Trainer Rick Adduono versprach inmitten des kollektiven Jubels auf dem Eis über Mikro: "Das war erst der Anfang."

Doch eigentlich haben die Pinguine schon viel mehr erreicht, als ihnen irgendjemand zugetraut hatte. Im August drohte noch das wirtschaftliche Aus, nachdem der Hauptsponsor abgesprungen war.

Erst als die Gesellschafter 300.000 Euro nachschossen, ging es weiter - bis ins Halbfinale (Auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1) .

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