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Pavel Gross beerbte zu Beginn der Saison Toni Krinner als Wolfsburger Chefcoach © imago

Vor dem Start der Finalserie gegen Berlin spricht Wolfsburg-Coach Pavel Gross über die Titelchancen und Vorhaltungen von außen.

Von Martin Hoffmann

München - Das beste Team der DEL-Saison hat die Krönung vor Augen.

Die Grizzly Adams Wolfsburg greifen ab Freitag, wenn das erste Spiel der Finalserie ansteht (ab 19.35 Uhr LIVESCORES), nach der Meisterschaft (DATENCENTER: Der Playoff-Spielplan).

Die Niedersachsen müssen hierzu in der Best-Of-Five-Serie ihren Angstgegner überwinden: Die Eisbären Berlin, gegen die es in den vergangenen acht Ligaspielen keinen Sieg gab (STENOGRAMME: Die Playoffs).

Wolfsburgs Trainer Pavel Gross, der im ersten Jahr als Chefcoach gleich den Titel gewinnen kann, beunruhigt das nicht.

Im SPORT1-Interview erklärt der 42-Jährige, warum ihn die Serie ebenso wenig stört wie die Vorhaltungen, die seinem Klub immer wieder gemacht werden.

SPORT1: Herr Gross, Kölns Moritz Müller hat erklärt, die Schale gehöre auf keinen Fall nach Wolfsburg. Mal abgesehen davon, dass es keine Schale, sondern ein Pokal ist: Warum gehört er es aus Ihrer Sicht doch?

Gross: Diese Frage jetzt zu beantworten, ist nicht meine Philosophie. Mich interessiert nur, was am Freitag passiert.

SPORT1: Ärgern Sie solche Nörgeleien von außen nicht? Stichworte: Retortenklub, fehlende Tradition und Atmosphäre, ein finanzstarker Sponsor...

Gross: Mich ärgert so etwas überhaupt nicht, das motiviert nur noch zusätzlich. Tradition alleine ist kein Grund, etwas gewinnen zu müssen - überhaupt nicht. Wir sind da, wir sind jung und arbeiten zielstrebig. Warum sollten wir nichts gewinnen? Wenn jemand glaubt, dass nur sein Team das Recht hat etwas zu gewinnen, weil es seit 50 Jahren in der Liga ist, dann sage ich Nein. Umso schöner ist es, wenn ein Underdog gewinnt. Mit Hannover hat in der vergangenen Saison auch keiner gerechnet.

SPORT1: Die Eisbären sind Wolfsburgs Gegner im Finale. Mit Blick auf die jüngsten Resultate gegen Berlin: Wären Ihnen die Düsseldorfer lieber gewesen?

Gross: Das ist egal. Wenn man was gewinnen will, dann muss man auch jeden schlagen. Unsere jüngste Bilanz gegen Berlin könnte auch eine Zusatzmotivation für uns sein - außerdem sind Playoffs immer etwas anderes.

SPORT1: Was wird der Schlüssel zum Erfolg?

Gross: Die Spiele zwischen Düsseldorf und Berlin haben gezeigt, dass beide Teams läuferisch sehr stark sind, über sehr gute Einzelspieler verfügen und am Ende haben kleine Fehler den Ausgang entschieden. Die Eisbären hatten zwar nicht so viele klare Chancen, aber die haben ausgereicht. Jede Kleinigkeit kann entscheiden.

SPORT1: Berlin hat durch die fünf Halbfinalpartien mehr Spiele in den Knochen. Vorteil oder Nachteil?

Gross: Sie sind jedenfalls im Rhythmus, ein Nachteil für die Eisbären ist es auf keinen Fall. Mit ihren 14 Stürmern sehe ich keinen Grund für ein Konditionsproblem.

SPORT1: Ist das Erreichen der Finalserie für Sie zufriedenstellend oder würde die Enttäuschung überwiegen, sollte die Meisterschaft verpasst werden?

Gross: Das können wir erst nach der Saison bilanzieren. Wenn wir jetzt schon zufrieden wären, wäre das einen Schritt nach hinten. Wenn man zufrieden ist, hört man auf zu arbeiten, das wollen wir nicht. Das Erreichte ist zwar schön, aber immer noch nicht genug.

SPORT1: Der Erfolg Wolfsburgs ist natürlich auch auf Sie zurückzuführen. Nicht umsonst sind Sie zum Trainer des Jahres gewählt worden. Was haben Sie dem Team aus Ihrer Sicht in erster Linie mitgegeben?

Gross: Ich bin mittlerweile seit drei Jahren im Verein, seit dieser Saison als Trainer - man sieht natürlich eine Entwicklung, das ist schön. Der Kern der Mannschaft ist gleich geblieben, tragende Säulen sind geblieben und es ist uns gelungen, Spieler zu verpflichten, die uns helfen können. Es macht Spaß, mit den guten Jungs in Wolfsburg zu arbeiten.

SPORT1: Besteht die Hoffnung, dass der Gewinn der Meisterschaft ein stärkeres Zuschauerinteresse und Euphorie weckt?

Gross: Natürlich, aber das gehört zur Entwicklung der gesamten Stadt. Man muss sich nur die Fußballer des VfL anschauen. Am Anfang war der Zuschauerschnitt auch nicht sehr hoch. Dann hatten sie Erfolg - und auf einmal war die Bude voll. Das muss sich entwickeln. Unsere beiden Spiele werden ausverkauft sein, man sieht, dass sich etwas tut.

SPORT1: Glauben Sie an einen langfristigen Erfolg von Grizzly Adams in der DEL?

Gross: Das kann keiner garantieren. Die Konkurrenz wird jedes Jahr immer stärker, immer ausgeglichener und deshalb ist es schwer oben mitzuspielen.

SPORT1: Felix Magath hat die Fußball-Kollegen nach dem Titelgewinn für eine neue Herausforderung verlassen. Für Sie nicht denkbar?

Gross: Ich werde nächstes Jahr hundertprozentig da sein, habe meinen Vertrag entsprechend verlängert. Ich werde da bleiben, weil ich noch sehr jung in der Branche bin. Ich bin immer noch hungrig und werde versuchen, die Mannschaft nach vorne zu peitschen.

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