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Er soll's nun als Chef richten in Ingolstadt: Greg Thomson, zuletzt Assistent beim ERC © getty

Vom Assistenten zum Cheftrainer: Im Sport1.de-Interview verrät Greg Thomson, wie er Ingolstadt wieder flott machen will.

Von Christian Paschwitz

München - Nach dem 1:5 gegen Köln hat der ERC Ingolstadt die Reißleine gezogen.

Für den geschassten Benoit Laporte übernimmt Assistent Greg Thomson den Trainerposten beim Tabellen-Kellerkind.

Im Interview mit Sport1.de erklärt der Deutsch-Kanadier, wie er sein Team wieder in die Erfolgsspur bringen will. Und warum er sich keineswegs als Interimslösung sieht.

Sport1.de: Wie fühlt es sich an, vom Assistenten zum Cheftrainer aufzusteigen?

Thomson: Es ist kein gutes Gefühl, einen Job so zu bekommen. Es ist nicht schön, wie das Ganze um Benoit Laporte verlaufen ist. Auf der anderen Seite freue ich mich natürlich aber auch, dass der Verein Vertrauen in mich hat und dass ich diese Chance bekomme.

Sport1.de: Waren Sie überrascht, dass Laporte gehen musste?

Thomson: Nicht wirklich überrascht. Es ist wie überall im Sport: Wenn's nicht läuft, dann müssen Dinge geändert werden. (Ingolstadt feuert Laporte) Ich bin aber auch überzeugt, dass Benoit der richtige Mann hier war. Es tut mir sehr leid für ihn. Ich habe weiter eine gute Beziehung zu ihm.

Sport1.de: Lag's wirklich nur am sportlichen Misserfolg, oder hat er die Mannschaft einfach nicht mehr erreicht?

Thomson: Die Konstanz war nie da, die Saison lief von Beginn an schlecht. Ich verstehe von dieser Seite aus auch den Verein: Irgendwann muss etwas passieren.

Sport1.de: Was zeichnet denn Greg Thomson als Trainer aus?

Thomson: Ich bin ein ehrlicher Mensch und kein Typ, der rumschreit. Ich denke, dass die Spieler Respekt brauchen, genau wie ich als Trainer. Natürlich kritisiere ich, aber ich mache daraus kein Affentheater. Ich kläre solche Dinge unter vier Augen. Leute zu beleidigen, ist nicht mein Stil. Ich bin lange im Eishockey und als Spieler wie als Trainer habe ich in dieser Hinsicht viel Erfahrung.

Sport1.de: Ist es ein Vor- oder Nachteil, wenn die Mannschaft Sie kennt und Sie jetzt härter durchgreifen wollen?

Thomson: Das Selbstvertrauen der Mannschaft leidet im Moment stark - wir müssen schauen, dass wir die Moral schnell wieder herstellen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass viel in der Mannschaft steckt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) Leider haben wir weiterhin viele Verletzte. Das war auch unter Benoit ein Problem.

Sport1.de: Bisher haben Sie nur unterklassige Teams trainiert...

Thomson: Ob das Vor- oder Nachteil ist, interessiert mich nicht. Ich weiß, dass ich genug Erfahrung habe. Es liegt nur an mir, wie ich die Sache umsetze. Es ist für mich eine große Chance, und ich hoffe, dass es klappt.

Sport1.de: Aber eigentlich sind Sie ein Greenhorn.

Thomson: Ich sehe mich nicht als Greenhorn. Vielleicht bin ich neu als DEL-Trainer, aber ich habe schließlich lang genug unter Mike Krushelnyski und Laporte gearbeitet (frühere Trainer in Ingolstadt, Anm. d.Red.) und weiß, wie es in der DEL läuft. Auch als Spieler war ich ein Führungsspieler. Deshalb scheue ich die Aufgabe auch nicht. Eishockey ist Eishockey.

Sport1.de: Dann sehen Sie sich also auch nicht als Interimslösung?

Thomson: Absolut nicht. Ich bin eine Lösung, die ganz einfach da ist. Wenn meine Mannschaft die Zeichen setzt, mache ich mir auch keine Sorgen um meinen Job (Alle Eishockey-News).

Sport1.de: Welche Defizite sehen Sie denn?

Thomson: In der Defensive sicherlich die vielen Verletzten. Aber das lässt sich nicht ändern lässt. Meine Aufgabe ist, dass die Spieler die Leidenschaft und ihr Selbstvertrauen zurückgewinnen.

Sport1.de: Um beim Begriff Leidenschaft zu bleiben: Warum fehlt in punkto Körpersprache die Präsenz auf dem Eis?

Thomson: Das ist meiner Meinung nach menschlich in so einer Situation. Wenn du dann keine Fehler machen willst, versuchst du dich zu verstecken. So kann man dann aber auch kein Spiel gewinnen.

Sport1.de: Zuletzt gab es ein 1:5 gegen Köln. Was ist gegen Hamburg drin? (Die DEL-Teamseiten)

Thomson: Gegen die haben wir bisher immer gut gespielt und auch gepunktet. Für mich ist wichtig, dass wir einfach etwas defensiver spielen und hinten sicher stehen. Wir dürfen auf keinen Fall ins offene Messer laufen. Als Tabellen-15. ist es eh egal, welcher Gegner kommt.

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