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Jan Benda nahm für Deutschland an neun Weltmeisterschaften teil © getty

Jan Benda ist zurück in München. Hinter ihm liegt eine Odyssee voller Vereinswechsel und unterschiedlichster Erfahrungen.

München - Ein fester Händedruck, ein gewinnbringendes Lächeln, locker und entspannt sitzt Jan Benda in den Katakomben des Olympia-Eisstadions in München.

Der 39-Jährige lässt seinen Blick durch die stickige Kabine wandern, seine Augen bleiben an den blau-weißen Wänden hängen.

17 Jahre und 19 Vereine in sechs Ländern ist es her, dass der ehemalige Nationalspieler mit Hedos München 1994 in der damaligen Bundesliga Meister wurde.

Seit ein paar Tagen ist Benda wieder zurück, und (fast) alles ist beim Alten geblieben.

"Das Eisstadion hat sich auf alle Fälle nicht verändert", sagte der Weltenbummler schmunzelnd: "Vielleicht wurde es mal neu gestrichen, aber ansonsten hat sich nicht viel verändert."

Der "19., 20. Verein" für Benda

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde Benda kürzlich von den Nürnberg Ice Tigers für zunächst sechs Wochen an den EHC München ausgeliehen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Pack deine Sachen, morgen bist du da", habe EHC-Manager Christian Winkler zu ihm gesagt.

Zurück in München - in der Stadt, in der einst Bendas Weltreise ihren Anfang nahm.

Benda ist so etwas wie der Rudi Gutendorf des Eishockeys. Wenn er seine Profi-Stationen aufzählt, dauert das knapp zwei Minuten.

Sein Halt beim EHC München sei "vielleicht der 19., 20. Verein", sagt Benda: "So ungefähr."

Erster deutscher Profi in Russland

In Kanada spielte er einst als Jung-Profi mit dem späteren Superstar Eric Lindros zusammen.

Am meisten geprägt hat den Sohn eines aus der damaligen Tschechoslowakei geflohenen Eishockey-Profis aber seine Zeit in Russland. Als erster deutscher Profi wagte er sich vor zehn Jahren ins Riesenreich.

In Woskressensk stürmte einmal der Provinzgouverneur mit seinen bewaffneten Leibwächtern nach einer Niederlage die Kabine.

Flugzeug mit Isolierband repariert

Auf einem sibirischen Flughafen - einem "Fußballplatz mit Holzhäuschen und schiefer Antenne" - erlebte er dann, was Flugsicherheit in Russland bedeuten kann.

Weil ein betrunkener LKW-Fahrer das Flugzeug gerammt hatte, wurden Benda und seine Mannschaftskollegen Augenzeugen, wie "der Pilot den Flügel mit Isolierband abwickelte", schildert Benda:

"Der Pilot sagte uns: Kein Problem, die 1000 Kilometer, die komme ich schon hin."

Tragödie um Robert Dietrich

Seit Anfang September der ehemalige deutsche Nationalspieler Robert Dietrich und das gesamte KHL-Team von Lokomotive Jaroslawl bei einem Flugzeugunglück umkamen, kann man über solche Anekdoten nicht mehr lachen.

Für Benda war es in Russland Alltag. Und er sah noch Schlimmeres.

"Menschen auf der Straße sterben sehen"

"Wenn man in einer Top-Mannschaft ist, wird man verwöhnt. Du lebst in deiner Umgebung, in den reichen Vierteln. Wenn du aber um die Ecke gehst, sieht es wie nach dem Zweiten Weltkrieg aus", sagt er.

"Ich habe Menschen auf der Straße sterben sehen. Am Abend habe ich Obdachlosen noch Geld oder etwas zu essen gegeben. Am nächsten Tag lag dort nur noch ein gefrorenes Bündel. Das hat niemanden interessiert, nach ein paar Tagen war der weg. Keine Ahnung, was mit dem passiert ist."

Anfangs, sagt Benda, sei das für ihn "sehr extrem" gewesen, doch mit der Zeit habe er sich seiner Umgebung angepasst: "Am Anfang willst du jedem helfen, nach einer Zeit sagst du auch mal nein. So ist das halt."

Kurz vor den Winterspielen aussortiert

Früher sei er oft zu ungeduldig gewesen, seine Auslandserfahrungen machten ihn gelassener.

Deshalb könne er auch ohne Zorn auf einen seiner persönlichen Tiefpunkte zurückblicken, sagt Benda.

2006 sortierte der damalige Bundestrainer Uwe Krupp seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen kurz vor dem Auftaktmatch bei den Winterspielen in Turin aus dem DEB-Team aus.

Nach drei Olympia-Teilnahmen, neun Weltmeisterschaften und 175 Länderspielen - und angeblich ohne Begründung.

"Als ich nach einer Erklärung gefragt habe, hat er gesagt: 'Weiß ich nicht. Ich habe keine. Aber du musst fahren", sagt Benda: "Plötzlich bekommst du ein Ticket in die Hand gedrückt, und niemand kann dir ins Gesicht schauen, weil sie alle ein schlechtes Gewissen haben."

Benda und Krupp keine "besten Freunde"

Ein klärendes Gespräch mit Krupp fand bis heute nicht statt, die Gelegenheit habe sich einfach noch nicht ergeben.

Er habe "kein Problem" mit dem jetztigen Trainer der Kölner Haie, sagt Benda: "Aber ich glaube nicht, dass wir beste Freunde werden."

Benda strebt Trainerkarriere an

Auch vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) sei er damals enttäuscht gewesen.

Ein Abschiedsbrief sei alles gewesen, was er als Dank für seine Nationalmannschaftskarriere erhalten habe.

Groß nachtreten will Benda, der eine Trainerkarriere anstrebt und schon den Trainerschein gemacht hat, aber nicht. Der Globetrotter weiß, dass seine Zeit auf dem Eis abläuft. Und der DEB könnte für ihn (s)eine nächste Station werden.

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