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Sascha Goc gewann 2010 mit den Scorpions die Meisterschaft im Finale gegen Augsburg © getty

Innerhalb von zwei Jahren stürzt Hannover drastisch ab. Mit der Augsburg-Pleite stellt der Meister von 2010 einen Rekord ein.

München/Hannover - Als die Pleitenserie der Hannover Scorpions Rekordausmaße angenommen hatte, wähnte sich der Trainer am falschen Ort.

"Wie im Gruselkabinett" fühlte sich Toni Krinner nach dem 2:3 gegen die Augsburger Panther (Bericht).

Mit der zwölften Heimniederlage in Folge hatten die Niedersachsen nicht nur den Negativrekord der DEL eingestellt, sie sind auch knapp zwei Jahren nach der Meisterschaft ganz unten angekommen.

"Nach dem Titel gab es aus finanziellen Gründen einen Umbruch. Wir haben die Qualität, die wir verloren haben, nicht kompensieren können", erklärte Geschäftsführer Marco Stichnoth, "wir haben ein richtiges Seuchenjahr."

Negativstart am Freitag, den 13.

Das äußert sich nicht nur in der längsten Heimniederlagenserie in der DEL seit 16 Jahren, als die Füchse Weißwasser ebenfalls zwölfmal am Stück verloren.

Es schlägt sich auch in der Tabelle nieder, in der die Scorpions seit Freitag, dem 13. Januar, den Langzeit-Letzten Nürnberg Ice Tigers abgelöst haben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und es schlägt auf die Stimmung. "Es gibt eine Menge Frust", sagte Stichnoth, "das Selbstvertrauen ist weg, selbst im Training geht der Puck nicht ins Tor."

Goc als Symbol für Absturz

Der personelle Schnitt nach dem Titelgewinn 2010, den nur sechs Spieler aus dem Meisterteam überlebten, ist ein Grund für den sportlichen Absturz.

Enttäuschende Leistungen der Führungsspieler sind ein zweiter. "Unsere Säulen sind nicht in der Lage, das aufs Eis zu bringen, was sie sonst aufs Eis bringen", sagte Stichnoth.

Das prägnanteste Beispiel ist Ex-Nationalspieler Sascha Goc. Der 32 Jahre alte Verteidiger, der in den vergangenen drei Jahren insgesamt 72 Tore erzielte, davon genau die Hälfte im Powerplay, hat es in dieser Saison bislang auf mickrige vier Treffer gebracht (SERVICE: Stenogramme 41. Spieltag).

Die Folge: Die Erfolgsquote in Überzahl ist von 21 Prozent in den vergangenen beiden Spielzeiten auf zwölf Prozent gesunken. "Das ist in engen Spielen entscheidend", meinte Stichnoth.

Keine schwerwiegenden Fehler

Für viele Beobachter ist auch Trainer Krinner einer der Gründe für den Niedergang.

Dem Nachfolger des Meistermachers Hans Zach fehle, so Insider, in der Mannschaft die 100-prozentige Unterstützung. "Er hat keine schwerwiegenden Fehler gemacht", sagte Stichnoth.

Ob der Bad Tölzer seinen Vertrag auch in der nächsten Saison erfüllen darf, ist noch offen. In Kürze lädt Scorpions-Boss Günter Papenburg Stichnoth und Krinner zum Rapport.

Dann geht es nicht nur um die triste Gegenwart, sondern auch um die Zukunft.

Budget für obere Hälfte

Der Bauunternehmer, der in den vergangenen Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag zugeschossen hat, will DEL-Eishockey in Hannover trotz der aktuellen Krise erhalten.

"Wir planen für die DEL", sagte Papenburg, der mit der sportliche Situation äußerst unzufrieden ist: "Etat und Leistung passen nicht zusammen."

Mit einem Budget von 5,5 Millionen Euro, davon drei Millionen für Spielergehälter, liege man "immer noch in der oberen Hälfte der Liga".

Weitere Kürzungen erwartet

Trainer Krinner, den der Mäzen in der Vergangenheit gegen aufkommende Kritik immer verteidigte, sieht er jetzt als einen der Verantwortlichen für den Absturz: "Er hat alle Spieler bekommen, die er haben wollte. Das Ergebnis ist enttäuschend."

Nachdem der Etat schon vor der Saison um rund eine Million gekürzt worden war, ist im Sommer noch einmal mit dem Rotstift zu rechnen. "Wir müssen langfristig junge Leute aufbauen, wie es uns andere Klubs vormachen", sagte Papenburg.

Schaulaufen für neue Verträge

Doch zunächst geht es darum, die völlig verkorkste Saison ordentlich zu Ende zu bringen. Platz zehn, der zur Teilnahme an den Pre-Playoffs berechtigt, ist elf Spiele vor Schluss 21 Punkte entfernt - unerreichbar.

"Die Spieler sind gefordert", sagte Stichnoth: "Wenn sie so weitermachen, nimmt sie nächste Saison ja keiner mehr."

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