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Toni Krinner wurde 2009 mit den Grizzly Adams Wolfsburg Pokalsieger © imago

Team und Fans positionieren sich gegen Trainer Krinner. Der Klubbesitzer hält noch die schützenden Hände über die Reizfigur.

Hannover/München - Rein äußerlich ließ sich Toni Krinner nichts anmerken, doch der Spießrutenlauf in der eigenen Arena dürfte den selbstbewussten Trainer getroffen haben.

Auf der Tribüne machten die Eishockey-Fans der Hannover Scorpions mit massiven Protesten Stimmung gegen den Coach, der auch in der Mannschaft keine Rückendeckung hat.

Abgeschlagener Letzter, 15 Heimniederlagen in Folge - Krinner hat zwar kaum Argumente, dafür aber den Klubeigner auf seiner Seite (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auch nach dem denkwürdigen 2:4 gegen die Düsseldorfer EG (Bericht) geriet Günter Papenburg nicht ins Wanken (BERICHT: Eher geht das Team, als der Trainer).

Krinner muss entscheiden

"Ich werde mich von außen nicht unter Druck setzen lassen, jetzt vertragsbrüchig zu werden. Der Trainer steht bei uns unter Vertrag, und ich bin ein Mann der alten Schule, bei dem Verträge noch etwas zählen", sagte der 73-Jährige.

Allerdings ließ der Bauunternehmer durchblicken, dass er bei einem Rücktrittsgesuch den Trainer wohl nicht aufhalten würde: "Das muss er entscheiden. Er hat ja gesehen, was am Sonntag abgelaufen ist."

Fanblock bleibt leer

Auf dem Eis und der Tribüne hatten sich bemerkenswerte Szenen abgespielt. Der Fanblock, wo sonst die treuesten Scorpions-Anhänger stehen, blieb komplett leer. Nur ein Plakat hing dort: "Wir haben Ehre. Wir haben Anstand. Wir haben Stolz. Und sind dann mal weg."

Weg soll vor allem Krinner, das war die klare Botschaft hinter dem Fan-Boykott, der das Nicht-Anfeuern im ersten Drittel einschloss.

Den Trainer bedachten die Fans bei jedem Gang an die Bande mit einem heftigen Pfeifkonzert und zum Teil grenzwertigen Sprüchen. "Krinner raus!"-Rufe waren noch die harmlosesten.

Jubel bei Ehrenrunde

Die Spieler wurden dagegen bei ihrer Ehrenrunde nach der Schlusssirene mit Standing Ovations gefeiert.

In der Pressekonferenz wurde Krinner gefragt, ob er schon an Rücktritt gedacht habe. "Ja, sicher", antwortete er: "Aber es gab ein Gespräch mit meinem Chef, und so einfach geht das nicht."

Außerdem wolle er in der schwierigen Situation "nicht einfach weglaufen".

Spieler sehen sich um

Allerdings bleibt die Frage, wie die explosive Stimmung beim Ex-Meister ohne einen Trainerwechsel wieder kippen könnte.

Die Mannschaft soll sich in einem Brief an Klubchef Papenburg bereits geschlossen gegen den Coach ausgesprochen haben, viele Profis - auch die mit einem Vertrag für die kommende Saison - schauen sich verstärkt nach einem neuen Arbeitgeber um.

Treffen mit Fanvertretern

Die Befindlichkeiten der Spieler und Fans waren Papenburg bislang egal. "Ich rede doch nicht mit meinem Baggerfahrer, wenn ich einen Geschäftsführer habe", hatte er kürzlich gesagt.

In der ersten Drittelpause gegen Düsseldorf suchte Papenburg dann doch das Gespräch mit zwei Fanvertretern, auch ein Treffen mit dem Team ist für die kommenden Tage geplant (BERICHT: Vom Meister zum Rekordverlierer).

Etat für Playoffs

In der Frage nach der Besetzung des Sportdirektor-Postens hat Papenburg bereits zurückgerudert. Von seiner angeblichen Aussage, ausgerechnet dem umstrittenen Trainer zusätzlich das Amt des Sportdirektors anzuvertrauen, wollte Papenburg nichts mehr wissen.

Aus dem ganzen Chaos hält sich Geschäftsführer Marco Stichnoth heraus. Sein Abschied bei den Scorpions zum Saisonende wird immer wahrscheinlicher. Stichnoth war gemeinsam mit Ex-Trainer Hans Zach maßgeblich am DEL-Titelgewinn vor zwei Jahren beteiligt gewesen.

Doch Boss Papenburg wirft ihm Fehler in der Finanzplanung vor: "Unser Etat sieht das Erreichen der Playoffs vor, aber wir sind Letzter. Das hat Stichnoth zu verantworten!"

(STENOGRAMME: Der 48. Spieltag)

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