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Die Kölner Haie gewannen bisher acht Mal die Deutsche Meisterschaft © imago

Köln besiegt Titelfavorit Berlin und darf wieder auf die Playoffs hoffen. Die Presse attestiert Uwe Krupp eine "Star-Krise".

Köln - Aus den Boxen dröhnte Karnevalsmusik, und Uwe Krupp atmete kräftig durch.

"Endlich sind wir für unsere Arbeit belohnt worden", sagte der ehemalige Eishockey-Bundestrainer nach dem 2:1 seiner Kölner Haie gegen Titelverteidiger und Spitzenreiter Eisbären Berlin.

Die Serie von zuletzt sechs Niederlagen in der DEL endete ausgerechnet gegen den Topfavoriten, die vagen Play-off-Hoffnungen bekamen neue Nahrung.

Playoffs in Reichweite

Noch immer beträgt der Rückstand des achtmaligen Meisters auf den zehnten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an den Vor-Play-offs berechtigt, vier Punkte.

Doch mit einem weiteren Sieg am Donnerstag gegen die Straubing Tigers (ab 19.30 Uhr LIVESCORES) könnten die Haie bis auf einen Zähler an ihr Minimalziel herankommen.

"Ich gucke erst am Ende der Saison auf die Tabelle", behauptete Krupp, "nicht zwischendurch."

Kasernierung hilft

Nach der Negativserie hatte der ehemalige NHL-Star alles versucht, um sein Team wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Die Mannschaft hatte er in einem Kölner Hotel kaserniert, um alle Kräfte zu bündeln und Ablenkungen zu minimieren.

Die Maßnahme fruchtete: Ausgerechnet der Ex-Berliner Alexander Weiß (45.) und der zuletzt in die Kritik geratene Charlie Stephens (52.) sicherten den überraschenden Sieg, die 10.127 Zuschauer, die schon 14 Heimniederlagen in dieser Saison erleben mussten, feierten mit Standing Ovations.

Felski ist bedient

Eisbären-Urgestein Sven Felski schimpfte:

"Es ist unglaublich, dass wir verloren haben. Wir haben gefühlte 28.000 Chancen vergeben."

Die Berliner können es verschmerzen, für die Play-offs ist der Meister längst qualifiziert, Platz eins bei noch drei Heimspielen in den ausstehenden vier Partien sehr wahrscheinlich.

Für die Kölner wird es dagegen wohl schwer, das Minimalziel Vor-Play-offs zu erreichen. Sie müssen bis zum Hauptrundenende am 11. März noch beim Tabellendritten Adler Mannheim, beim rheinischen Rivalen Düsseldorfer EG und in Berlin antreten.

Erste Kratzer am Denkmal

Die Negativserie der Haie hatte zuletzt auch am Denkmal des Kölner Helden Krupp gekratzt.

Der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger war im Sommer nach seinem Abschied von der Nationalmannschaft als Messias empfangen worden.

Sein Konzept, vorwiegend mit jungen deutschen Spielern zu arbeiten, wurde allseits begrüßt.

Der Bonus des heimkehrenden kölschen Eishockey-Stars half über die ersten Niederlagen hinweg. Doch in den vergangenen Wochen bröckelte er.

"Schönredner" mit "Star-Krise"

Der "Express" schrieb vom "Schönredner" Krupp und attestierte dem Ex-Bundestrainer eine "Star-Krise", weil er zwar seine jungen deutschen Spieler zu Höchstleistungen anstacheln, die ausländischen Stars aber nicht motivieren könne.

Die Mannschaft sei im Laufe der Saison nicht, wie versprochen, besser, sondern schlechter geworden, bilanzierte der "Kölner Stadt-Anzeiger" und hielt ihm vor, kein gutes Händchen bei den Ausländern gehabt zu haben.

In der Tat enttäuschten die Kanadier Matt Pettinger, Charlie Stephens und Jonathan D'Aversa bislang, vom Österreicher Andre Lakos trennten sich die Kölner nach schwachen Leistungen schon im Januar wieder.

Leistungsträger sind die Deutschen um die Nationalstürmer Philip Gogulla und John Tripp, die Krupp aus der DEB-Auswahl kennen.

Vorstand steht hinter Krupp

Probleme hat der 46-Jährige auch auf der Torhüter-Position.

Weder Youri Ziffzer, der zwischenzeitlich als Nummer eins galt, noch Danny Aus den Birken, der derzeit die besseren Karten hat, waren über einen längeren Zeitraum ein echter Rückhalt.

Infrage gestellt wird der Trainer allerdings nicht, das Konzept sei langfristig angelegt, hieß es aus der Haie-Führung.

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