NHL-Stars legen los: "Besser als auf der Playstation"
Berlin - Die Eismaschine kümmerte sich schon um die ramponierte Spielfläche, als Claude Giroux und Daniel Briere noch immer Sprints anzogen und sich die Pucks zuspielten.
Bei ihrem ersten Training machten die beiden Weltklassestürmer sofort deutlich, dass sie bei den Eisbären Berlin nicht nur die Zeit bis zum Ende des NHL-Lockouts abwarten wollen. (DIASHOW: Die Wechsel der NHL-Stars nach Europa)
Die rund 250 Fans im Wellblechpalast staunten über den Ehrgeiz und die zahlreichen Kabinettstückchen der Superstars, und auch die Mitspieler waren hellauf begeistert.
Felski wartet auf Diagnose
"Die sind in echt noch besser als auf der Playstation", sagte Daniel Weiß in Anspielung auf ein beliebtes Eishockey-Videospiel mit Giroux auf dem Cover. "Sie sind auf dem Eis herausragende Spieler, aber in der Kabine völlig normal", verriet Weiß.
Nationalstürmer Andre Rankel, der gemeinsam mit Giroux und Briere eine Sturmreihe bilden wird, meinte ehrfürchtig: "Ich hoffe, dass ich nicht die Bremse in dieser Reihe bin."
Die Ankunft der kanadischen Ausnahmestürmer von den Philadelphia Flyers am Dienstag entfachte beim Meister eine enorme Euphorie. ( EISBÄREN: Vorfreude auf Giroux und Briere)
Die könnte aber möglicherweise schon sehr bald einen Dämpfer erleiden. Ur-Eisbär Sven Felski erwartet in den kommenden Tagen das ärztliche Gutachten wegen seiner Kniebeschwerden. Bestätigen sich die Befürchtungen, muss der 38-Jährige seine beeindruckende Karriere wohl beenden.
"Will nicht zum Einkaufen geschoben werden"
"Ein bisschen Hoffnung habe ich aber noch", sagte "Felle" der B.Z., seine durch zahlreiche Verletzungen ohnehin schon angeschlagene Gesundheit wolle er aber dem Profisport nicht vollends opfern: "Es gibt auch eine Zeit nach dem Eishockey. Ich will in 20 Jahren nicht zum Einkaufen geschoben werden."
Einiges deutet darauf hin, dass der "Bürgermeister", wie Felski wegen seiner 20-jährigen Treue zum Berliner Klub genannt wird, die Schlittschuhe an den Nagel hängen wird.
Durch die Zwangspause fehlen dem Stürmer die Grundlagen aus dem Sommertraining, zudem ist der Konkurrenzdruck auch durch die NHL-Zugänge größer geworden.
Jagr adelt torgefährlichen Giroud
Der Zeitpunkt für einen Abschied wäre ideal: Beim bislang letzten Auftritt am 24. April machte Felski in seinem 1000. Spiel für die Eisbären den sechsten Meistertitel perfekt.
Felski als Liebling der Fans abzulösen, dürfte selbst den NHL-Cracks Giroux und Briere schwerfallen. Beide Kanadier werden erstmals am Freitag gegen den Tabellenzweiten Kölner Haie für Berlin auflaufen. ( DATENCENTER: Die Saison 2012/13).
Vor allem an Giroux sind hohe Erwartungen geknüpft. Der 24-Jährige war in der vergangenen NHL-Hauptrunde drittbester Scorer (28 Toren und 65 Assists) und hat in Mitspieler Jaromir Jagr einen prominenten Fan. "Er ist besser aus ich in diesem Alter", sagte das tschechische Eishockey-Idol.
Giroux mit Youtube-Infos
Giroux selbst zeigte sich beeindruckt von den Eisbären. "Ich habe mich über Youtube über den Klub, die Fans und die Stimmung informiert. Die Entscheidung fiel mir leicht", sagte der Top-Angreifer.
Berlin hat gute Erfahrungen mit NHL-Gastspielern während eines Lockouts: In der Saison 2004/05 hatten Olaf Kölzig, Erik Cole und Nathan Dempsey großen Anteil am ersten DEL-Meistertitel der Eisbären gehabt.
Erfolgsteam muss umgebaut werden
Allerdings sind die Verpflichtungen nicht ganz risikofrei, weil keiner weiß, wie lange das Gastspiel dauert.
Kurzfristig muss die Mannschaft für die zwei Stars umgestellt werden. Dabei hatten die Eisbären mit acht Punkten in drei Spielen zuletzt stark aufgespielt. ( STENOGRAMME: Der 9. Spieltag)
Verteidiger Frank Hördler sieht den Konkurrenzkampf aber positiv: "So etwas belebt die Mannschaft, davon können wir alle profitieren."