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Dennis Seidenberg (r.) spielte schon von 1999 bis 2002 in Mannheim © getty

Vor dem Duell mit Krefeld spricht Mannheims NHL-Champ Dennis Seidenberg bei SPORT1 über seine Rückkehr und Folgen des Lockouts.

Von Annette Bachert

München - Der Lockout in der NHL bescherte der Deutschen Eishockey Liga ein ganz besonderes Highlight. (DATENCENTER: Die Saison 2012/13)

Bei der Partie der Adler Mannheim gegen die Krefeld Pinguine am zehnten Spieltag trafen Dennis Seidenberg und Christian Ehrhoff aufeinander.

Beide standen sich vor knapp eineinhalb Jahren im Stanley-Cup-Finale zwischen den Boston Bruins und den Vancouver Canucks gegenüber, das die Bruins mit Seidenberg gewannen.

Der deutsche Nationalverteidiger Seidenberg spricht im SPORT1-Interview über die Folgen des NHL-Lockouts, seine Beweggründe für eine Rückkehr nach Mannheim und die in Amerika wartenden Profis.

SPORT1: Herr Seidenberg, Sie sind nun seit rund einer Woche wieder in Mannheim, Ihrer alten Heimat. Was ist es für ein Gefühl, wieder hier zu sein?

Dennis Seidenberg: Ein richtig schönes. Am Anfang war es doch etwas hektisch mit vielen Terminen, ich wurde überall herumgereicht. Aber mittlerweile habe ich mich ganz gut eingelebt.

SPORT1: Sie haben die ersten Spiele mit Mannheim absolviert. Wie ist es, wieder in Deutschland zu spielen?

Seidenberg: Es ist toll, vor deutschem Publikum aufzulaufen, weil die Zuschauer hier doch viel lauter sind als in den USA. Ohne ein Trainingscamp oder eine Vorbereitung zu spielen, war anfangs etwas nervenaufreibend. Aber ich habe versucht, mein Spiel zu spielen und keine Fehler zu machen, und ich denke, das hat ganz gut geklappt. Auch mit meinem Bruder Yannic mal wieder auflaufen zu können, war einfach schön.

SPORT1: Was ist der größte Unterschied zwischen der NHL und der DEL?

Seidenberg: Die große Eisfläche. Auf dem Eis ist einfach viel mehr Platz, und darum ist das Spiel hier auch nicht so aggressiv wie in der NHL. Da gibt es viel mehr Zweikämpfe auf dem Eis und an der Bande. Auf europäischen Eisflächen ist viel mehr das Läuferische gefragt.

SPORT1: Macht die größere Fläche das Spiel langsamer?

Seidenberg: Schwer zu sagen. Ich glaube, dass die Geschwindigkeit die gleiche ist. Man hat nur einfach mehr Zeit, sich mit dem Puck am Schläger zu bewegen. Dadurch sieht es vielleicht langsamer aus.

SPORT1: Bisher lief es noch nicht ganz so rund. Wann werden Sie auch hier Ihr volles Potential aufs Eis bringen können?

Seidenberg: Je mehr Spiele ich hier mache, desto besser werde ich dann auch. Aber ich habe jede Menge Spaß - und das ist das, was am Anfang zählt.

SPORT1: Viele NHL-Profis sind in den USA geblieben, um dort zu trainieren. Warum haben Sie sich für Mannheim entschieden?

Seidenberg: Ich war seit sieben, acht Jahren nicht mehr in Deutschland, und mein Bruder lebt hier. Das waren die beiden ausschlaggebenden Gründe für mich, wieder nach Hause zu kommen. Aber generell ist so: Die Jungs, die noch drüben in den USA sind, bemühen sich sehr, hier Jobs zu finden. Doch das ist schwer. Denn alle Kader sind voll, und die Vereine wollen niemanden verpflichten, der nur ein, zwei Monate bleibt. Von den Jungs würde jeder hier herkommen, wenn genug Platz da wäre.

SPORT1: Sie sprechen es an: Sie sind vielleicht nur ein, zwei Monate hier. Welche Ziele haben Sie sich dennoch gesetzt?

Seidenberg: Ich will der Mannschaft helfen, erfolgreich zu sein, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen und den Tabellenplatz zu halten. Momentan stehen wir ja auf Platz 2.

SPORT1: Können Sie sich voll und ganz auf die Adler konzentrieren oder warten Sie täglich auf positive Nachrichten aus der NHL?

Seidenberg: Ich kann mich sehr gut auf Mannheim konzentrieren. Im Moment gehen die Verhandlungen in der NHL sehr langsam voran. Daher erwarte ich nicht in den nächsten Tagen, sondern eher in den nächsten Wochen, wenn nicht sogar Monaten, positive Nachrichten. Aber ich bin schon immer auf dem Laufenden.

SPORT1: Wie sehr schadet sich die NHL gerade selbst?

Seidenberg: Sie fügt sich einen großen Schaden zu. Sie hat in den letzten sieben Jahren große Gewinne gemacht und Zuschauer sowie Fans gewonnen. Je länger der Lockout nun dauert, umso mehr Fans werden wieder ihr Interesse am Eishockey verlieren.

SPORT1: Hat sich die NHL denn von dem letzten Lockout schon komplett erholt?

Seidenberg: Wir haben uns schon sehr gut erholt und vieles verbessert. Darum hoffe ich, dass es diesmal nicht mehr so lange dauert, sonst müssen wir wieder bei Null anfangen.

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