Brioux zaubert und staunt über verrückte Deutsche
Wolfsburg/München - In Badeschlappen, T-Shirt und Shorts ließ sich Daniel Briere 20 Minuten nach der Schlusssirene von den mitgereisten Eisbären-Fans feiern.
"Echt verrückt, diese Deutschen", sagte der kanadische NHL-Star staunend und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Vor allem sind die deutschen Eishockey-Fans verrückt nach Briere und seinem kongenialen Partner Claude Giroux.
Selbst die Gegner erkennen neidlos an, dass das Auftreten von "Brioux", wie die beiden Kufencracks von den Berliner Anhängern genannt werden, auf und neben dem Eis nur das Prädikat "Weltklasse" verdient.
Sahnestücke aus der NHL
"Das ist typisch für die Eisbären Berlin. Sie holen nicht irgendwelche NHL-Spieler, sondern nur die Sahnestücke", sagte Pavel Gross, Trainer des EHC Wolfsburg, nachdem sein Team am Sonntag vom Meister mit 2:6 ( Bericht) vom eigenen Eis gefegt worden war ( DATENCENTER: Die Saison 2012/13).
Oder besser gesagt: von zwei Leuten. Briere glänzte als Dreifachtorschütze, Giroux als Passgeber (drei Assists). Ihr Zusammenspiel verzauberte alle ( SERVICE: Stenogramme des 11. Spieltags).
Besser als auf der Playstation
Selbst langjährige Kenner der deutschen Eishockey-Szene können sich nicht erinnern, hierzulande schon einmal so eine geballte Qualität gesehen zu haben.
"Die sind in echt noch besser als auf der Playstation", sagte Eisbären-Profi Daniel Weiß in Anspielung auf Giroux, der das neue Cover eines beliebten Eishockey-Videospiels ziert.
Bescheidenheit bei den Superstars
Trotz aller Lobeshymnen bleiben die Ausnahmekönner der Philadelphia Flyers bescheiden. "Die Tore waren alle super herausgespielt und gehören meinen Vorlagengebern", sagte der 35-Jährige Briere.
Auch sein neun Jahre jüngerer Sturmpartner Giroux hat seit dem Wechsel des Traum-Duos vor einer Woche noch keinerlei Starallüren angedeutet.
Direkt nach dem Spiel beim EHC wechselte der drittbeste NHL-Scorer der vergangenen Saison die Schlittschuhe gegen Turnschuhe und machte sich auf zum Auslaufen um den Wolfsburger Allersee.
Ende des Rauschs
Die beiden begnadeten Spieler machen wahr, was sie bei ihrer Ankunft in Berlin versprochen haben: "Wir sind hier, um erfolgreich zu sein und uns zu verbessern."
Fast schon zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich hat die Sache einen Haken: Keiner weiß, wie lange der Tarifstreit in der nordamerikanischen Profiliga und damit das Gastspiel der NHL-Stars in der DEL noch dauert.
Am Dienstag soll es zwischen der Spielergewerkschaft NHLPA und den Klubbesitzern wieder Gespräche geben.
Sollte der Rausch um Giroux und Briere abrupt zu Ende gehen, könnte der Kater am Ende groß sein.
Von Fans beeindruckt
Natürlich hoffen die beiden Kanadier auf ein Ende des Lockouts in der NHL, aber sie betonen auch immer wieder, wie glücklich sie über die Entscheidung sind, nach Berlin gekommen zu sein.
"Es läuft sehr gut für uns", sagte Briere, den vor allem die Leidenschaft auf den Zuschauerrängen beeindruckt: "Die Unterstützung durch die Fans ist einfach unglaublich."