Rücktritt unter Tränen: Rekordspieler Felski macht Schluss
Berlin - Rücktritt unter Tränen: Am Ende seiner langen und beeindruckenden Karriere wurde Eishockey-Idol Sven Felski von seinen Gefühlen übermannt.
"Das ist der schwerste Tag in meiner Karriere als Sportler", sagte der Rekordspieler des Deutschen Meisters Eisbären Berlin mit tränerstickter Stimme.
Nach 20 Jahren Profisport, exakt 1000 Spielen und sechs nationalen Titel beendete der "Bürgermeister", wie Felski wegen seiner Vereinstreue genannt wird, verletzungsbedingt seine Karriere ( DATENCENTER: Die Saison 2012/13).
"Auf ärztliches Anraten muss ich meinen Rücktritt bekannt geben. 20 Jahre waren eine lange Zeit, aber ich muss auch an meine Gesundheit denken", sagte der 37 Jahre alte Ur-Eisbär, der seit Monaten an einer Knieverletzung laboriert.
Ursache dafür war ein 2003 bei der WM in Helsinki erlittener Kreuzbandriss.
Nummer 11 wird nicht mehr vergeben
188 Tage nach seinem Jubiläumsspiel, bei dem er zum sechsten Mal die Deutsche Meisterschaft gewann, ist die Ära Felski auch offiziell beendet.
Der Berliner Publikumsliebling, der seit 1992 nur für den Klub aus dem Ostteil der Hauptstadt auf dem Eis stand, soll zukünftig bei den Eisbären eine berufliche Laufbahn einschlagen.
"Felle ist ein Vorbild. Kein Spieler hat für seinen Klub in der Stadt Berlin mehr geleistet als er", sagte Eisbären-Geschäftsführer Billy Flynn.
Wie der Klub zudem bekannt gab, soll Felskis Rückennummer 11 nicht mehr vergeben werden und bei einem noch nicht terminierten Abschiedsspiel unter die Hallendecke gezogen werden.
"Sein Rücktritt ist für das ganze deutsche Eishockey traurig. Er war nicht nur einer der prägenden Spieler der letzten Jahre sondern auch ein Typ", sagte Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB).
Reindl und Tripcke bedauern Rücktritt
"Sven ist einer der herausragenden deutschen Eishockeyspieler gewesen. Er war einer der Leistungsträger, die uns nach oben gebracht haben", sagte Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): "Leute wie ihn müssen wir auf alle Fälle im Eishockey behalten."
Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke bedauerte den Rücktritt: "Sven Felski war ein super Spieler und ein Original, das auch über die Grenzen von Berlin hinaus bekannt ist. Er war auch vor allem durch seine Bodenständigkeit ein Vorbild."
Kaputtes Knie besiegelt Karriereende
Schon in den letzten Wochen waren immer wieder Spekulationen über ein mögliches Karriereende des Stürmers aufgekommen.
"Felle", der nach der Heim-WM 2010 und 159 Länderspielen sowie zwei Olympischen Spielen und zehn Weltmeisterschaften seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte, hatte immer wieder betont, auf den Rat der Ärzte hören zu wollen.
Diese stellten nun eine Instabilität im Knie fest, bei einer Fortsetzung der Karriere hätten Felski schwere Folgeschäden gedroht.
Vom Eiskunstläufer zum Puckjäger
Am 13. November 1992 absolvierte der Stürmer sein erstes Spiel für den Eisbären-Vorgänger SC Dynamo Berlin, bei dem er auch seine Karriere auf dem Eis begonnen hatte.
Im Alter von vier Jahren - als Eiskunstläufer.
"Sprünge waren kein Thema, aber die künstlerische Ader war bei mir nur sehr begrenzt vorhanden", sagte Felski über seine ersten Kontakte mit dem Eis.
So tauschte er als Elfjähriger die Arbeitskleidung und ging fortan auf Torejagd.
Felski als Zeitzeuge
Feslki war in der schnelllebigen Sportwelt immer eine Konstante.
19 Trainer sah er Kommen und Gehen, die Liga wurde zur DEL umstrukturiert, sein Klub nannte sich in Eisbären um und zog vom legendären Wellblechpalast in die neue Multi-Funktions-Arena am Ostbahnhof - nur Felskis Nummer 11 auf dem Trikot blieb.
Der Begriff "Kultstatus" ist für sein Ansehen bei den Eisbären-Anhänger viel zu schwach.
Sechster Titel als krönender Abschluss
"Anfangs waren wir Fischfutter", erinnerte er sich an seine Anfangszeit als Profi, im vergangenen April wurde er zum sechsten Mal Deutscher Meister.
Und erlebte in den Finalspielen noch einmal ein Highlight: 2:5 lagen die Berliner im vierten Endspiel bereits zurück, siegten noch 6:5 und erkämpften sich mit unbändigem Willen das fünfte Finale gegen die Adler Mannheim - und der Ur-Eisbär Felski holte in seiner 1000. Begegnung noch einmal die Meisterschaft.
Es wird sein letztes Pflichtspiel bleiben.