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Andre Rankel ist mit 11 Punkten in den Playoffs fünftbester Scorer © imago

Die Playoffs sind wie gemacht für die Berliner - weiß auch der Finalgegner aus Köln. Doch die Titelgier hat einen hohen Preis.

Berlin - Mit eindringlichen Worten schwor Trainer Don Jackson sein Team an der Taktiktafel ein, danach schlugen die Spieler mit den Stöcken aufs Eis und machten sich mit lautstarken Anfeuerungsrufen zum Training auf.

Keine Frage: Die Eisbären Berlin fiebern dem Finale in der DEL gegen die Kölner Haie entgegen. Die Krisenstimmung aus der Hauptrunde ist längst vergessen, die Playoffs haben wieder einmal bewiesen: Wenn es ernst wird, ist auf die Eisbären Verlass.

"Wir sind sehr, sehr heiß. Dass wir sechs Meistertitel gewonnen haben, ist egal. Das ist Vergangenheit. Wir wollen jetzt den nächsten holen", sagte Nationalstürmer Andre Rankel vor dem Finalauftakt am Sonntag in Köln.

Eisbären "wissen, wie man Meisterschaften gewinnt"

Diese Berliner Gier nach Erfolg ist die größte Sorge der Haie. "Sie sind kampferprobt, playoff-erprobt, sie wissen, wie man Meisterschaften gewinnt", warnte Kölns Trainer Uwe Krupp am Mittwoch.

Fakt ist: Keine andere Mannschaft der Liga verfügt über so viel Erfahrung im Titelkampf wie der DEL-Rekordchampion, der in den vergangenen acht Jahren sechs Meistertitel gewann.

Knappe Siege ein Beleg für Nervenstärke

Spieler wie Rankel, Constantin Braun oder Florian Busch haben in etlichen K.o. -Spielen schon fast alle erdenklichen Situationen erlebt - und meistens erfolgreich gemeistert. Beleg für die Berliner Nervenstärke ist, dass das Team auf dem Weg zum diesjährigen Finale sechs seiner insgesamt sieben Siege mit nur einem Tor Vorsprung holte (STENOGRAMME: Die Halbfinals).

Für Krupp haben die Eisbären sogar Vorbildcharakter. "Sie haben dem deutschen Eishockey in den letzten zehn Jahren wie keine andere Mannschaft den Stempel aufgedrückt", lobte der ehemalige Bundestrainer den Vorrundenvierten: "Berlin ist Vorbild für das gesamte deutsche Eishockey."

Krupp schaut bei den Eisbären ab

Auch er selbst habe sich bei den Eisbären etwas abgeguckt: "Wenn du wie wir einen Neuaufbau machst, schaust du natürlich nach Berlin."

Für Coach Jackson ist der Grund für die Abgeklärtheit relativ einfach: "Wenn der Puck fällt, spielen wir Eishockey. Das ist alles, worauf wir uns konzentrieren." Die richtigen Antworten zu finden, gerade wenn es nicht perfekt laufe, "das zeichnet einen wahren Champion aus", so Jackson.

Besondere Video-Vorbereitung

Vielleicht half in diesem Jahr auch ein Video-Trick des Trainers. Vor dem Playoff-Start schauten sich die Spieler einen Zusammenschnitt der besten Aktionen der Hauptrunde an.

Das Video enthielt auch Grußbotschaften von Fußballern der Hertha und von Union, von Alba-Basketballprofis und von Handballern der Füchse Berlin. "Das war ein Extra-Ansporn", sagte Rankel.

Fanboykott hinterlässt Spuren

Dass die Nervenstärke der Eisbären aber auch ihre Grenzen hat, zeigte sich beim Fan-Boykott im Viertelfinale gegen "Bruder-Klub" Hamburg Freezers.

Ohne die Unterstützung der Anhänger, die gegen die geplante Erhöhung der Eintrittspreise mit einem stillen Protest demonstrierten, tat sich der amtierende Champion sehr schwer. "Das ging nicht spurlos an uns vorbei", gab Rankel zu.

Der Ticket-Streit ist inzwischen beigelegt, die Preiserhöhung zur neuen Saison fällt deutlich moderater aus als zunächst geplant.

Finanzelle Probleme beim Branchenprimus

In den vergangenen Geschäftsjahren hatten die Eisbären jährlich ein Minus von etwa zwei Millionen Euro verzeichnet. Die roten Zahlen beweisen, dass selbst der Branchenprimus der Liga finanziell nicht auf Rosen gebettet ist.

Vor allem die Gier nach Titeln hat ihren Preis. "Wir waren sechsmal deutscher Meister. Das hat sportlich Sinn gemacht, wirtschaftlich aber nicht", sagte Eisbären-Geschäftsführer Billy Flynn.

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