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Uwe Krupp (l. mit Sturm) wurde 1986 als Spieler mit Köln Deutscher Meister © getty

NHL-Rekordspieler Marco Sturm hat seinen ersten Meistertitel im Blick. Für Trainer Uwe Krupp ist er das wichtigste Puzzleteil.

Köln - Bei Marco Sturm wuchert der Playoff-Bart, Uwe Krupp ist dagegen sauber rasiert.

"Ich habe es als Spieler nie erlebt, dass der Trainer einen Bart hatte", sagt der Coach der Kölner Haie schmunzelnd: "Ich bin auch kein Bartträger."

Die Zeiten, in denen der ehemalige NHL-Star mit voller Gesichtsbehaarung um Titel kämpfte, sind vorbei - jetzt steht er selbst an der Bande und greift nach der ersten Meisterschaft seiner zweiten Karriere.

"Als Spieler habe ich besser geschlafen als als Trainer", gibt der 47-Jährige zu, "da hast du dich nur um dich und deine Aufgaben gekümmert." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Krupp mehr denn je unter Dampf

Das gelang dem Zwei-Meter-Mann als Verteidiger so gut, dass er nicht nur mit den Haien 1984 und 1986 Deutscher Meister wurde, sondern auch als erster Deutscher 1996 den Stanley Cup gewann.

"Jetzt ist mein Aufgabengebiet viel, viel größer. Es ist nicht so ichbezogen. Ich bin als Trainer für alles verantwortlich", sagt Krupp.

Auch diese Aufgabe hat der ehemalige Bundestrainer so gut gemeistert, dass er ab Sonntag (ab 14.30 Uhr LIVESCORES) mit seinen Haien im Finale gegen den Serienmeister Eisbären Berlin steht.

Ehrhoff setzt auf Köln

Und Krupp hat großen Anteil daran, davon ist NHL-Star Christian Erhoff überzeugt. "Die Haie haben über die ganze Saison konstant Top-Leistungen gebracht, sie sind von Uwe Krupp sehr gut eingestellt. Ich sehe Köln als Favorit", legt sich Ehrhoff bei SPORT1 fest.

Zugleich warnt der Nationalverteidiger der Buffalo Sabres aber vor den erfahrenen Eisbären. "Dass sie im Finale stehen, ist keine Überraschung. Die wissen einfach genau, was wann zu tun ist", sagt Ehrhoff. "Ich glaube aber trotzdem, dass sie sich gegen die Haie schwertun werden."

Sturm als entscheidender Faktor

Ein Grund dafür ist auch NHL-Rückkehrer Marco Sturm. Der 54-malige Nationalspieler soll das letzte Stück in Krupps Meisterpuzzle sein.

Der vielleicht entscheidende Vorteil im Duell mit dem Rekordmeister der DEL, der seine sechs Titel in den letzten acht Jahren sammelte.

"Er hat einen sehr positiven Einfluss auf die Mannschaft. Mit seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit hilft er uns", lobt Krupp seinen ehemaligen Schützling in der Nationalmannschaft.

Final-Premiere mit 34

Während Krupp frisch rasiert auftritt, ist Sturms Bart schon stattlich.

Dass er ihn noch trägt, wenn um die Meisterschaft gespielt wird, ist für ihn eine neue Erfahrung, denn nach 1006 NHL-Spielen und 18 Profijahren steht der 34-Jährige zum ersten Mal in einer Endspielserie.

"Das war mein Wunsch, als ich hier unterschrieben habe", sagt der deutsche NHL-Rekordspieler, der Anfang Februar nach Köln kam, "ich bin sehr, sehr glücklich, dass es so gekommen ist."

Schwerer Start nach Leidenszeit

Sturm hat zumindest in Köln wenig Anlaufzeit benötigt.

Nach zehn Monaten Pause, zunächst wegen des NHL-Lockouts, dann, weil er nach seinem zweiten Kreuzbandriss keinen neuen Vertrag mehr in der stärksten Eishockey-Liga der Welt bekam, zwangen ihn schon nach zwei Spielen für die Haie Leistenprobleme erneut zum Zuschauen.

Doch dann brachte sich der gebürtige Dingolfinger so ein, wie es Krupp erwartet hatte: nicht nur mit Toren, sondern mit viel Ruhe und Übersicht auf dem Eis.

Wichtig fürs Team, getrennt von der Familie

"Es hat eine gewisse Zeit gebraucht. Aber mittlerweile fühlt es sich an, als wäre ich schon die ganze Saison hier", sagt Sturm.

Vier Tore und drei Vorlagen stehen in den Playoffs zu Buche, zudem hat er seinen Nebenmann Felix Schütz mit neun Punkten zum besten Scorer der Haie gemacht.

Seine Ehefrau Astrid lebt mit den Kindern Mason und Kaydie noch in Florida, mit dem Leben im Hotel hat er sich aber arrangiert: "Ich fühle mich wohl und hoffe auf einen schönen Abschluss."

Erste Priorität: Vertrag verlängern

Sturms ersten Meistertitel zum Ende des 18. Profijahres sähe auch Krupp gerne, einen "Abschluss" jedoch nicht.

Er würde "zu 100 Prozent" mit ihm auch in der nächsten Saison weiter zusammenarbeiten, sagt er: "Das ist für uns das Erste, das auf der Agenda steht."

Sturm selbst hat sich noch nicht entschieden, wie es nach dem Sommer weitergeht: "Das wird ein längerer Prozess sein. Ich muss das mit meiner Familie bereden und sehen, welche Optionen ich habe."

Comeback in der NHL?

Die Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner NHL-Karriere hat er anscheinend noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht geht ja auch beides.

"Wenn er in der nächsten Saison die ganze Vorbereitung bei uns mitmacht, kann es gut passieren, dass er im Dezember wieder in die NHL geht", mutmaßt Krupp.

Vielleicht mit dem ersten Meistertitel seiner Karriere im Gepäck.

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