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Angreifer Marco Sturm absolvierte in der NHL 1006 Profispiele © SPORT1

Haie-Trainer Krupp will den ersten DEL-Titel und schmiert den Eisbären Honig ums Maul. Marco Sturm hofft auf ein Happy End.

Köln - Uwe Krupp lobt die Berliner als "Vorbild für das gesamte deutsche Eishockey", Eisbär Jens Baxmann sieht bei den Haien "sehr viel Qualität".

Doch der freundlichen Worte sind genug gewechselt. Wenn am Sonntag (ab 14.30 Uhr LIVESCORES) der Puck aufs Eis fällt, gibt es im Traumfinale der DEL keine Nettigkeiten mehr.

"Im Sport geht es auch immer um Drama", sagte Kölns Trainer Krupp vor dem Duell mit dem Serienmeister aus der Haupstadt: "Das ist großes Kino."

Krupp nimmt Eisbären zum Vorbild

Dabei will der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger, der die Haie vor anderthalb Jahren auf dem Tiefpunkt übernahm, nicht nur seinen ersten Meistertitel als Trainer gewinnen.

Der ehemalige NHL-Star will auch dem Vorbild Berlin, sechsmal Meister in den letzten acht Jahren, nacheifern.

"Stempel aufgedrückt"

"Sie haben dem deutschen Eishockey in den letzten zehn Jahren wie keine andere Mannschaft den Stempel aufgedrückt", lobte Krupp und gab zu, beim Neuaufbau seines Teams "in Berlin genau hingeschaut" zu haben.

Mit der Entwicklung seiner Haie vom Sorgenkind der Liga zum Finalisten ist der 47-Jährige denn auch "zufrieden, ich glaube, wir haben eine gute Mannschaft - auch in Zukunft".

Das letzte Teil im Meisterpuzzle soll Marco Sturm sein. Der deutsche NHL-Rekordspieler, der mitten im Karneval nach Köln kam, hat die Richtung seines neuen Klubs längst erkannt: "Köln will dahin, wo Berlin schon ist. Es ist erst der Anfang."

Hauptrunden-Krise überwunden

Noch allerdings bildet das Team aus der Hauptstadt die deutsche Eishockey-Dynastie. Zwar kriselte es beim DEL-Rekordmeister in der Hauptrunde, und viele Beobachter sahen schon das Ende einer Ära (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch als es ernst wurde, verwandelte sich der Eisbär wieder in ein Playoff-Monster.

Ihre Nervenstärke bewiesen die Berliner eindrucksvoll, als sie bei sechs ihrer sieben Siegen in der Meisterrunde mit nur einem Tor Unterschied gewannen. Und satt sind sie noch lange nicht.

"Dass wir sechs Meistertitel gewonnen haben, ist egal. Das ist Vergangenheit. Wir wollen jetzt den nächsten holen", sagte Nationalspieler Andre Rankel.

Der 27-Jährige ist einer von vier Eisbären, die schon beim ersten Titelgewinn 2005 dabei waren. Die anderen sind die Verteidiger Jens Baxmann und Frank Hördler sowie Stürmer Florian Busch.

"Kampf- und playoffeprobt"

"Sie sind kampferprobt, playofferprobt, sie wissen, wie man Meisterschaften gewinnt", warnte Krupp vor den Berlinern, die in den letzten acht Jahren 62 ihrer 82 Playoff-Spiele gewannen.

Die Haie, die im vergangenen Herbst ihr 40-jähriges Bestehen feierten, sind zwar schon zum 31. Mal in der Meisterrunde, ihr letzter Titel liegt allerdings elf Jahre zurück. Vom Meisterteam 2002 ist nur noch Ur-Hai Mirko Lüdemann übrig geblieben. Stürmer Niklas Sundblad ist mittlerweile Krupps Co-Trainer.

Nah dran waren die Kölner bereits 2008, als sie gegen Berlin im Finale verloren.

"Man denkt schon noch daran", sagte Verteidiger Moritz Müller, "aber es gibt keine offenen Rechnungen oder Ähnliches. Wir blicken nach vorne und wollen den Pott."

Haie die konstanteste Mannschaft der Saison

Für die Haie spricht, dass sie die konstanteste Mannschaft der Saison sind - sowohl in der Hauptrunde, die sie punktgleich mit dem Tabellenersten Adler Mannheim abschlossen, als auch in den Playoffs.

Sie verloren nur eins von acht Spielen, schossen ihre Gegner mit insgesamt 33:14 Toren vom Eis.

Dabei hat sich Winter-Zugang Sturm immer mehr in eine Führungsrolle gespielt. Nach zehn Monaten Pause wegen des NHL-Lockouts und Leistenproblemen nach den ersten beiden Spielen für Köln ist der 34-Jährige zum Leistungsträger geworden.

Nicht nur wegen seiner vier Tore und drei Vorlagen, sondern auch, weil er seinen Nebenmann Felix Schütz mit neun Punkten zum besten Haie-Scorer machte.

"Ich bin nach Köln gekommen, um endlich Meister zu werden", sagte Sturm. Nach 1006 NHL-Spielen und 18 Profijahren ist der erste Titel seiner großen Karriere zum Greifen nah: "Ich hoffe auf das Happy End."

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