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Moritz Müller (r.) verpatzte den Auftakt mit den Kölner Haien © getty

Der Haie-Coach kann nach der Auftaktpleite gegen die Eisbären Berlin keine Ablenkung gebrauchen. Marco Sturm spricht trotzdem.

Köln/München - Schmallippig verließen die Spieler der Kölner Haie die Stätte der Niederlage.

"Wir haben Interviewverbot", sagte Stürmer Felix Schütz. "Wir dürfen nichts sagen", schob sein Kollege Philip Gogulla nach.

Nach dem 2:4 im ersten Playoff-Finale(Bericht) gegen den Titelverteidiger Eisbären Berlin war bei den Kölnern kollektives Schweigen angesagt - auf Geheiß von Trainer Uwe Krupp.

Nur Marco Sturm ließ sich keinen Maulkorb anlegen. "Wir haben ein bisschen gebraucht, bis wir ins Spiel gefunden haben", sagte der deutsche NHL-Rekordspieler, der mit den Haien den ersten Meistertitel in 18 Profijahren gewinnen will, "für die meisten Spieler war ein Finale etwas ganz Neues, das hat man gesehen."

Nerven geflattert

Nach dem großen Ballyhoo vor dem vermeintlichen Traumfinale hatten vielen Kölnern die Nerven einen Streich gespielt. Krupp, als Spieler schon zweimal Deutscher Meister und Stanley-Cup-Sieger, verordnete daher nach dem Fehlstart in die Endspielserie "Best of five": keine Ablenkung, Konzentration auf das Wesentliche.

Die schwierige Aufgabe: Im zweiten Spiel am Dienstag (20.30 Uhr LIVESCORES) in Berlin spielentscheidende Fehler vermeiden und auf 1:1 ausgleichen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir hatten viel Hype, auch die Spieler setzen sich enorm unter Druck", sagte der ehemalige Bundestrainer und gab zu: "Uns haben am Anfang die Nerven geflattert."

Krupp-Sohn macht den Fehler

Als alle die Nervosität in den Griff bekommen hatten, machte ausgerechnet Trainersohn Björn Krupp den entscheidenden Fehler: Der 22-Jährige verlor hinter dem eigenen Tor den Puck, T.J. Mulock sagte "danke" und erzielte mitten in die Kölner Druckphase hinein das Berliner 2:1 (39.).

"Ah ja, dem Krupp sein Sohn", kommentierte Eisbär Florian Busch die entscheidende Szene süffisant.

Krupp senior verteidigte trotz dieses und des einen oder anderen weiteren schlimmen Fehlers seine Defensive: "Insgesamt ist unsere Abwehr seit Wochen sehr stabil. Wir haben erstmals seit langem vier Gegentore bekommen."

Traum vom neunten Titel

Dass der Traum vom neunten Meistertitel der Haie bei dieser Fehlerquote ganz schnell platzen kann, weiß auch der Coach. "Wir haben nur 40 Minuten gut gespielt. Um Berlin zu schlagen, musst du 60 Minuten gut spielen. Das werden wir am Dienstag korrigieren", sagte Krupp.

Auch wenn DEL-Rekordmeister Berlin nach dem Auftaktsieg die besseren Karten hat - von einer Vorentscheidung wollte niemand etwas wissen.

"Es gibt keinen Grund, übermäßig euphorisch zu sein", sagte Nationalspieler Andre Rankel: "Es war nur ein Spiel."

Geballte Erfahrung

Zwei Siege fehlen den Eisbären noch zum siebten Titelgewinn in neun Jahren. Die geballte Erfahrung aus 70 Siegen in 92 Playoff-Spielen seit 2005 half den Berlinern auch vor 18.366 Zuschauern in Köln.

"Wir wissen in jeder Situation genau, was wir tun müssen. Jeder vertraut dem anderen", sagte Rankel, einer von vier Eisbären, die schon beim ersten Titelgewinn vor acht Jahren dabei gewesen waren.

Rankel hat Glück im Unglück

Rankel war auch an der kuriosen Szene 29 Sekunden vor Schluss beteiligt, die die Kölner Fans auf die Barrikaden brachte.

Haie-Torwart Danny aus den Birken hatte das Eis zugunsten eines sechsten Feldspielers verlassen, als der Berliner Stürmer mit dem Puck auf das leere Tor zulief, aber nur den Pfosten traf.

Der Kölner Verteidiger Daniel Tjärnqvist hatte ihm allerdings von hinten einen Stockschlag verpasst, deshalb entschieden die Schiedsrichter auf "technisches Tor". Bierbecher, Feuerzeuge und Münzen flogen auf das Eis, doch die Entscheidung war gefallen - und Berlin im Finale im Vorteil.

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