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Jedes der sechs Saisonduelle zwischen Haien und Eisbären verlor das Heimteam © imago

Auch das sechste Saisonduell zwischen Eisbären und Haien geht ans Auswärtsteam. Ein erstarkter Sturm macht Sieger Köln Hoffnung.

Berlin - Das hitzige zweite Finalspiel ging mit einer Rudelbildung in die Verlängerung.

Unmittelbar nach der Schlusssirene standen sich plötzlich die Spieler der Kölner Haie und der Eisbären Berlin mit finsteren Mienen auf dem Eis gegenüber. Ein bisschen Gerangel hier, ein bisschen Trash-Talk da.

"Playoff-Eishockey eben", sagte Haie-Trainer Uwe Krupp und nahm die Schuld für die hochgekochten Emotionen auf seine Kappe: "Vielleicht haben wir die Türen zu früh aufgemacht, aber das war keine Absicht. Unsere Spieler wollten nur aufs Eis und feiern." (DATENCENTER: DEL-Playoffs)

Es war das einzige Mal an diesem Dienstagabend, dass der ehemalige Bundestrainer das Wort "feiern" in den Mund nahm.

Kein Heimsieg in sechs Duellen

Dabei hatten die starken Kölner dank des verdienten 3:1-Sieges beim Titelverteidiger immerhin zum 1:1 in der best-of-five-Serie ausgeglichen und ihre Chancen auf den neunten Meistertitel der Klubgeschichte gewahrt (BERICHT: AUSGLEICH! Haie stürmen Eisbären-Festung).

Doch Krupp warnte vor dem dritten Duell am kommenden Freitag (20.30 Uhr LIVESCORES) : "Es beginnt alles wieder bei Null. Wir sind froh, dass wir zurückschlagen konnten. Aber zu Hause müssen wir jetzt besser spielen als zum Auftakt." (STENOGRAMME: Das Finale)

Ein Heimsieg scheint im Duell der Haie gegen die Eisbären aber ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Auch das sechste Kräftemessen in dieser Saison gewann das jeweilige Auswärtsteam.

Sturm unermüdlich

Kölns Angreifer Marco Sturm will dem unerklärlichen Heimfluch unbedingt ein Ende setzen: "Wenn wir Meister werden wollen, müssen wir mindestens einmal zu Hause gewinnen."

Spielt Sturm so stark wie am Dienstag vor 14.200 Zuschauern in der ausverkauften Berliner Arena, stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

Der deutsche NHL-Rekordspieler (1006 Partien) glänzte als unermüdlicher Antreiber, beim 1:0-Führungstreffer nach gerade einmal 61 Sekunden bewies er zudem seine ganze Schlitzohrigkeit: Am kurzen Pfosten schoss er Eisbären-Torhüter Rob Zepp an die Schoner, danach zappelte der Puck im Netz.

"Die Situation hat sich so ergeben, irgendwie ging er rein", sagte der 54-malige Nationalspieler.

Kein Sonderlob von Krupp

Für Sturm persönlich war der Treffer im ersten Finale seiner Karriere eine Genugtuung. Bei der 2:4-Auftaktniederlage am vergangenen Sonntag war der Angreifer noch der Pechvogel gewesen, weil er selbst ein "Eigentor" fabriziert und weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hatte.

Haie-Trainer Krupp wollte seinem Starspieler aber kein Sonderlob aussprechen, vielmehr stellte der frühere Stanley-Cup-Gewinner das starke Überzahlspiel und die hohe Konzentration als Schlüssel zum Sieg heraus:

"Wir hatten nicht diese Nervosität und Angespanntheit wie beim letzten Mal. Dadurch konnten wir das Eishockey spielen, das uns stark macht."

Eisbären lecken Wunden

Die Eisbären hielten nur im ersten Drittel mit und leckten hinterher ihre Wunden.

"Es haben Kleinigkeiten entschieden", sagte Berlins Kapitän Andre Rankel, der weiterhin gute Chancen auf den siebten Meistertitel in neun Jahren für den DEL-Rekordchampion sieht: "Alles ist offen."

Die Statistik spricht jedoch für die Kölner. 83 Prozent aller Mannschaften, die im DEL-Finale das zweite Spiel gewinnen, wurden am Ende auch Meister.

Krupps Antwort auf diesen Fakt: "Und jeder fünfte Mensch ist ein Chinese."

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