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Jeff Tomlinson beerbte vor der Saison Don Jackson als Eisbären-Coach © imago

Der Serienmeister hat das Siegen verlernt. Der neue Coach spürt ersten Gegenwind - und setzt auf den Ketchup-Effekt.

Berlin - Sie sind der Serienmeister des deutschen Eishockeys. Sie sind erfolgsverwöhnt wie kein anderes DEL-Team.

Derzeit allerdings haben die Eisbären Berlin das Siegen verlernt (BERICHT: Nürnberg oben - Eisbären in der Krise).

Ein halbes Jahr nach dem umjubelten siebten Meistertitel sucht der Rekordchampion in der neuen Saison bislang vergeblich nach seiner Form.

Das 1:3 am vergangenen Sonntag gegen Vizemeister Kölner Haie war bereits die vierte Niederlage in Folge - und schon werden erste Zweifel am neuen Trainer Jeff Tomlinson laut.

"Wie bei diesen Ketchup-Flaschen"

Der Deutsch-Kanadier beantwortet solche Zweifel mit demonstrativer Zuversicht, dass schon bald alles besser werde.

"Das ist wie bei diesen Ketchup-Flaschen. Wenn es kommt, dann richtig", sagte Tomlinson nach dem Sturz auf den zwölften Tabellenplatz beschwichtigend (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sollte es aber auch am Mittwoch (19.30 Uhr LIVESCORES) im Auswärtsspiel beim noch sieglosen Schlusslicht Düsseldorfer EG nicht "blubb" machen, dürfte der Nachfolger des viermaligen Meistercoachs Don Jackson in der Hauptstadt bereits kräftigen Gegenwind zu spüren bekommen.

Entschlossenheit fehlt

Tomlinson macht zumindest nicht den Fehler, die Talfahrt nur auf das fehlende Glück zu schieben.

Dem Titelverteidiger, dessen Meisterkader nahezu komplett geblieben ist, fehlt momentan die letzte Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor.

13 Treffer in sechs Spielen sind für Berliner Verhältnisse eine Katastrophe, nur die Offensivreihen der Adler Mannheim (12) und der DEG (6) sind in der Liga noch harmloser.

Fokus auf der Defensive

"Es ist nicht normal, wenn unsere Spieler einen halben Meter vorbeischießen, wenn sie frei vor dem Tor stehen", kritisierte Tomlinson.

Statt aber den Hebel im Offensivspiel anzusetzen, legt der frühere DEG-Coach bei seiner Rückkehr nach Düsseldorf das Augenmerk auf die Defensive:

"Wenn wir nur ein oder zwei Tore schießen, müssen wir defensiver stehen, um ein Spiel auch mal 1:0 gewinnen zu können. Das Puckglück müssen wir uns erkämpfen."

Der Wille ist da

Mangelnden Einsatzwillen kann man den Spielern nicht vorwerfen.

Verteidiger Frank Hördler spielte gegen Köln sogar mit einer mit neun Stichen genähten Verletzung an der Nasenwurzel.

Auch Hördlers Mitspieler stemmten sich vor allem im letzten Drittel vehement gegen die erneute Niederlage, was Hördler positiv stimmte: "Wir dürfen jetzt auf keinen Fall in Panik verfallen. Irgendwann kommt die Zeit, in der die Dinger auch wieder reingehen."

Pfiffe aus den Fanreihen

Ein Teil der 13.100 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof schickte die Eisbären dennoch mit Pfiffen vom Eis.

Das Berliner Publikum erwartet nach sieben Titeln in neun Jahren Erfolge, auch wenn Tomlinson schon vor dem Saisonstart gewarnt hatte: "Wir müssen aufpassen, dass wir Bescheidenheit und Demut nicht verlieren."

Für Kölns Trainer Uwe Krupp ist die fehlende Dominanz des Titelverteidigers keine große Überraschung. "Die vergangene Meisterschaft ist vorbei, auch die Eisbären haben kein Polster mehr", sagte der ehemalige Bundestrainer.

Dass es den von Tomlinson erhofften "Ketchup-Effekt" durchaus gibt, erfuhr am Sontag Chris Minard.

Der Torjäger hatte bis zum Spiel der Berliner Ladehemmung, in Berlin traf er dann gleich doppelt. Für Köln.

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