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Im Ligaspiel am 23. Januar erzielte Constantin Braun (l.) die Führung in Mannheim © imago

Vor den Playoff-Halbfinalspielen rückt die Action auf dem Eis in den Hintergrund. Thema bleiben die finanziellen Probleme.

München - Der Kampf um die 89. deutsche Meisterschaft geht in die entscheidende Phase, doch die wirtschaftlichen Probleme überschatten wieder den Sport.

Die Nachricht vom Rückzug der Investoren bei den Nürnberg Ice Tigers (Endzeit bei den Eistigers) zwei Wochen nach dem Aus der Füchse Duisburg traf die Deutsche Eishockey Liga (DEL) kurz vor dem Halbfinal-Auftakt.

"Wir haben tolle Playoffs, da sind solche wirtschaftlichen Meldungen nicht gerade hilfreich", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, der aber "keine strukturellen Probleme der DEL" erkennen will: "Das sind eher Probleme an den Standorten."

Sehr, sehr geringe Chance für Ice Tigers

Nach dem Rückzug des Namenssponsors Bionorica AG (Sinupret) hatte die Nürnberger Investorengruppe um den Schmuckhändler Thomas Sabo ihr Engagement beendet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm erklärte, dass es nur noch eine "Restchance" für den Klub gebe, diese allerdings "`sehr, sehr gering geworden ist, alles andere ist naiv zu glauben".

Sobald das Insolvenzverfahren der Ice Tigers GmbH eröffnet wird, schließt die DEL (DEL-Ergebnisse) den Klub automatisch aus. Der Gesellschafteranteil fällt zurück an die Liga, der Lizenzvertrag wird gekündigt.

Somit wäre die Liga nach dem Duisburger Aus vor zwei Wochen (Duisburg zieht sich aus der DEL zurück) von 16 auf 14 Klubs geschrumpft. Hinzukommen könnte noch der Meister der zweiten Bundesliga, wenn er die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt.

Reduzierung wahrscheinlich

"Wir spielen dann in der nächsten Saison maximal mit 15 Teams", kündigte Tripcke an, ein weiterer Nachrücker ist nicht vorgesehen. Da aber von den Titelkandidaten im Unterhaus kaum jemand den DEL-Ansprüchen genügt, ist eine 14er-Liga die wahrscheinlichste Lösung.

Schon in der Vergangenheit hatten Klubs wie Adler Mannheim, die Düsseldorfer EG oder die Kölner Haie wiederholt eine Reduzierung des Teilnehmerfeldes gefordert.

Das sportliche Kontrastprogramm zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten bietet das DEL-Halbfinale mit zwei brisanten Paarungen. Titelverteidiger Eisbären Berlin bestreitet ab Sonntag (14.30 Uhr LIVESCORES) gegen den DEL-Rekordmeister Mannheim das vorweggenommene Endspiel. Währenddessen trifft Ex-Bundestrainer Hans Zach mit den Hannover Scorpions auf seinen Ex-Klub DEG.

Understatement aus der Hauptstadt

Topfavorit Berlin bemüht sich vor dem Duell mit dem sechsmaligen Meister Mannheim, den Gegner stark zu reden. "Das wird ganz schwer", sagte Trainer Don Jackson und verwies vor allem auf Adler-Torhüter Fred Brathwaite: "Er ist der konstanteste Goalie der Liga."

Auch Eisbären-Kapitän Steve Walker blies ins gleiche Horn: "Freddie ist der beste Torwart der Liga. Und auch sonst ist Mannheim topbesetzt und fast genauso ausgeruht wie wir."

Während die Berliner nach dem Viertelfinale acht Tage Pause hatten, bleibt der DEG kaum Zeit zum Durchatmen. Nach dem 5:0 im siebten Straßenbahn-Derby gegen die Krefeld Pinguine gab Trainer Harold Kreis zu: "Sicher sind wir ein bisschen müde." Doch das Weiterkommen gebe vor dem ersten Halbfinale (So., 18.30 Uhr LIVESCORES) einen Schub, "das Verlangen, der Hunger nach mehr ist da".

Zach lobt die DEG

Vor allem Kapitän Daniel Kreutzer hat noch viel vor: "Der Meistertitel fehlt mir noch, vielleicht klappt es dieses Jahr." Dazu muss sich Kreutzer mit seinem Team zunächst gegen seinen alten Mentor Zach durchsetzen.

Der Ex-Bundestrainer hatte am Donnerstag nach 45 Minuten genug gesehen und verließ nach dem 4:0 der DEG vorzeitig den Düsseldorfer Dome.

"Sie spielen sehr ökonomisch und sehr clever", lobte der einstige DEG-Meistermacher sein Ex-Team anschließend, vor allem das Powerplay mit vier Toren hatte ihn beeindruckt. Seine Mannschaft sei allerdings ebenfalls "gut drauf und topfit. Wir brauchen es, dass jeder Spieler mit breiter Brust reingeht."

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