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Die Nürnberg Ice Tigers sind als Gründungsmitglied seit 1994 in der DEL © getty

Eine Investorengruppe rettet die Ice Tigers rechtzeitig vor der Insolvenz. Die Zukunft gestaltet sich allerdings schwierig.

Nürnberg/Berlin - Erst pleite, dann gerettet, plötzlich gestorben und jetzt von den Toten auferstanden: Nach Wochen des Zitterns um die Existenz haben die Nürnberg Ice Tigers das Aus in der Deutschen Eishockey Liga in letzter Minute doch noch abgewendet.

Mit Hilfe einer vierköpfigen Investorengruppe sowie einer neuen sportlichen Führung plant das DEL-Gründungsmitglied einen Neuanfang.

Doch angesichts des zurückliegenden Chaos und vieler offener Fragen bleibt ein fader Beigeschmack.

Zweifel an der Wende

"Wir freuen uns über die gute Nachricht, dass Nürnberg gerettet ist. Aber das ganze Hin und Her war für die Liga und die Fans ärgerlich", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. (DEL-Boss will schnelles Nürnberger Ende)

Und einige Nürnberger Profis hatten sogar leise Zweifel ob der überraschenden Wende. "Wirklich glauben kann ich das eigentlich noch nicht, dafür war die letzte Zeit zu wild", sagte Stürmer Björn Barta den "Nürnberger Nachrichten".

Doch die Rettung ist nahe: Sofern der zweimalige Vizemeister wie für die nächsten Tage angekündigt den am 25. November vergangenen Jahres gestellten Insolvenzantrag beim Amtsgericht Nürnberg zurückzieht, "nehmen sie wie alle anderen Klubs am Lizenzverfahren teil", erklärte Tripcke. (Nürnberg Ice Tigers doch noch gerettet)

Vergrößerung der Investorengruppe

Die Unterlagen müssen bis zum 30. April bei der DEL eingereicht werden.

Noch bis Donnerstag schien das Profi-Eishockey in Nürnberg keine Zukunft mehr zu haben. Die Wende kam offenbar mit der Zusage eines Mineralölkonzerns, der angeblich in Deutschland erst noch ein Tankstellennetz übernehmen oder aufbauen will.

Durch die Vergrößerung der Investorengruppe konnte die durch den unerwarteten Rückzug des Namenssponsors Sinupret aufgetretene Finanzlücke geschlossen und die Option zur Übernahme der GmbH gezogen werden. (Endzeit bei den Ice Tigers)

Investoren bleiben inkognito

Über die Namen der Retter und die genauen Hintergründe hüllt sich der Klub in Schweigen. Das wirtschaftliche Konzept soll erst Anfang Mai öffentlich gemacht werden. Klar ist aber, dass der frühere Alleingesellschafter Günter Hertel dabei keine Rolle spielt.

Fest steht auch, dass Schmuckhändler Thomas Sabo, der nicht wie ursprünglich gedacht als Gesellschafter einsteigt, als Vermittler und Wegbereiter großen Anteil an der Rettung hat.

Es gehe nun darum, die Nürnberger Eishockey-Fans "unter ein Dach zu bringen" sowie "mittelfristig eine Mannschaft aufzustellen, die ihre Fans begeistern kann", sagte der Unternehmer, der als Sponsor erhalten bleibt.

Brockmann bleibt

Dafür wurden auf personeller Ebene wichtige Entscheidungen getroffen. Neuer Geschäftsführer der GmbH wird Rechtsanwalt Norbert Schmitt, die sportliche Leitung übernimmt der frühere Nationalspieler Lorenz Funk junior.

Sportdirektor Otto Sykora, der bei den Hamburg Freezers gehandelt wird, hat nach 18 Jahren als Spieler und Verantwortlicher in Nürnberg keine Zukunft mehr.

Dafür bekam Trainer Andreas Brockmann die Zusage für die kommenden zwei Spielzeiten.

Zukunft gesichert, wenn auch nur eingeschränkt

"Mein Engagement ist auf maximal ein Jahr befristet. Wenn der Klub dann wieder auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, kann gerne ein anderer das Ruder übernehmen", sagte der neue Geschäftsführer Schmitt.

Die kommende Saison sei finanziell abgesichert, erklärte der Steuerberater: "Das war meine Bedingung."

Allerdings ist durch das Chaos der vergangenen Wochen viel Zeit verstrichen, die meisten Spieler verhandeln mit anderen Klubs oder haben bereits anderswo unterschrieben.

"Die Spieler-Etat wird enorm nach unten geschraubt. Wir brauchen also nicht davon zu träumen, oben mitzuspielen", betonte Coach Brockmann.

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