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Greilinger (l.) und Mulock (r.) waren beim Deutschland-Cup die herausragenden Spieler © imago

Beim Deutschland Cup betreibt die deutsche Nationalmannschaft nicht nur wegen des Turniersiegs erfolgreich Vergangenheitsbewältigung.

Von Rainer Nachtwey

München - "Es war schon ärgerlich, dass wir so lange warten mussten, bis wir uns für diese enttäuschende Leistung rehabilitieren konnten", sagte Michael Wolf.

Der Stürmer der ersten deutschen Reihe war es leid, auch ein halbes Jahr nach der WM in Bern, als die deutsche Mannschaft nur Platz 15 erreichte, beim Deutschland Cup auf das Debakel angesprochen zu werden.

"Aber jetzt sieht ja alles anders aus. Wir haben ein sehr gutes Turnier gespielt, und ich hoffe, dass das enttäuschende Abschneiden in der Schweiz aus den Köpfen der Fans nun weg ist", sagte der Rechtsaußen der Iserlohn Roosters gegenüber Sport1.de.

Gegner dominiert

Wolf steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Die Führungsspitze des DEB und auch Bundestrainer Uwe Krupp sind nach dem dritten Sieg, dem ersten seit 1996, euphorisch. Und das durchaus zu Recht.

"Wir haben jedes Spiel dominiert, waren die bessere Mannschaft, hatten mehr Schüsse als die Gegner und auch die besseren Chancen herausgespielt", zeigte sich Krupp nach den drei Auftritten gegen die USA (2:3 im Penaltyschießen), die Slowakei (3:2 im Penaltyschießen) und die Schweiz (5:1) sehr angetan.

Überragende erste Sturmreihe

Zumal die Mannschaft nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch überzeugte. Auch wenn Krupps Schweizer Kollege Ralph Krueger nach dem 1:5 seiner Mannschaft bei Sport1.de feststellte: "Sie waren in den Zweikämpfen bissiger als wir. Das hat meiner Meinung nach den Unterschied ausgemacht."

Dennoch ist die neue spielerische Leichtigkeit bei der deutschen Mannschaft sichtbar - insbesondere in der ersten Sturmformation um Wolf, T.J. Mulock und Thomas Greilinger 170201(DIASHOW: Der Kader).

Mulock besticht durch Vielseitigkeit

Besonders die Leistung von Mulock war beeindruckend. Dem Deutsch-Kanadier, der letzte Saison noch in der 2. Bundesliga für Bad Tölz auflief, und seit "etlichen Jahren nicht mehr Center gespielt hatte", war die Umstellung vom Außen- zum Mittelstürmer nicht anzumerken.

"T.J. hat überragend gespielt, und er hat gezeigt, dass er mit seiner Vielseitigkeit für uns enorm wertvoll ist", stellte Krupp seiner Entdeckung ein gutes Zeugnis aus.

Gute Aussichten auf Olympische Spiele

Laut dem ehemaligen Nationalspieler und DSF-Co-Kommentator Rick Goldmann ist Mulock aus dem Kader der Nationalmannschaft "nicht mehr wegzudenken".

"Es freut mich natürlich, von allen Seiten so viel Lob zu erhalten", sagte der 24 Jahre alte Angreifer bei Sport1.de, "aber ich muss meine Leistung im Verein weiter bestätigen. Ich denke, dann habe ich gute Chancen, in Vancouver dabei zu sein."

Endlich wieder getroffen

An der Seite von Mulock blühte nicht nur Wolf auf, der froh war gegen die Schweiz ?endlich wieder getroffen zu haben?. Das letzte Mal hatte der Iserlohner im DEB-Trikot am 18. April im WM-Vorbereitungsspiel gegen Dänemark (7:2) eingenetzt.

Großen Anteil am Aufschwung hatte auch Rückkehrer Thomas Greilinger. Der Flügelstürmer des ERC Ingolstadt brachte neuen Schwung in die Mannschaft und erhielt ebenso wie Mulock großes Lob vom Bundestrainer.

Instinkt und Spielwitz

Greilinger hat etwas, was viele Spieler vermissen lassen:

"Er ist kein herausragender Schlittschuhläufer, er hat keinen besonderen Schuss, aber er hat einen Instinkt, den sonst niemand in Deutschland hat", sagte Krupp.

Und Greilinger, den nur eine Verletzung vor der Nominierung für die WM in der Schweiz stoppte, hat bewiesen, dass er nicht nur in der DEL, wo er mit 30 Punkten in 17 Spielen die Scorer-Wertung anführt, sondern auch auf internationaler Ebene mithalten kann.

Aufgabe gemeistert

Zumal Greilinger neben Wolf und Mulock auf der ungewohnten linken Seite zum Einsatz kam.

"Normalerweise mache ich das nicht, drei Rechtsschützen in eine Reihe zu stellen, aber Thomas hat gezeigt, dass er auch diese Aufgabe meistert", urteilte Krupp und stellte Greilinger gute Aussichten für die Olympischen Spiele aus: "Er hat mit jedem Spiel seine Chancen verbessert."

Komplimente vom Gegner

Nach all den Lobreden genoss es Krupp, der sich nach dem WM-Debakel scharfer Kritik ausgesetzt sah, Lob zu ernten.

Als der Schweizer Nationaltrainer Krueger ihm zu einem "großartigen Spiel" gratulierte, meinte Krupp: "Danke für das Kompliment, Ralph. Sonst bin ich es immer, der der Schweizer Mannschaft Komplimente ausspricht."

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