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Uwe Krupp begann seine Karriere 1982 bei den Kölner Haien © getty

Kurz vor der WM im eigenen Land plagten den deutschen Coach wegen eines privaten Schicksalsschlags Rücktrittsgedanken.

München - Ein privater Schicksalsschlag hätte wenige Wochen vor der Heim-WM (7. bis 23. Mai) beinahe zum Rücktritt von Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp geführt. Als bei seiner Frau Valerie vor vier Wochen Brustkrebs diagnostiziert wurde, wollte der ehemalige Stanley-Cup-Sieger sein Amt zur Verfügung stellen.

Doch seine kranke Frau überredete Krupp zum Weitermachen.

"Meine Frau sagte zu mir, dass ich nicht zurücktreten dürfe, was ich eigentlich vorhatte. Wenn sie mich gebeten hätte, bei ihr in Kalifornien zu bleiben, dann hätte ich aufgehört", sagte Krupp.

"Sie ist eine Kämpferin"

In der zweistündigen "WDR"-Radiosendung "MonTalk" am Montagabend sprach der Vater von zwei Söhnen erstmals öffentlich über die schwere Erkrankung seiner zweiten Ehefrau. "Sie ist eine Kämpferin, ich stehe an ihrer Seite", sagte der 44-Jährige.

Durch diese Erfahrung würden sich viele andere Dinge im Leben relativieren. Die Verantwortlichen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zollten Krupp und seiner Frau großen Respekt. "Ich weiß nicht, was ich an ihrer Stelle getan hätte. Wir hätten jede Entscheidung der Familie akzeptiert.

Dass Uwe weitermacht, ist gut für das deutsche Eishockey und gut für die WM", sagte DEB-Sportdirektor Franz Reindl . (Alles zur Eishockey-WM)

Dem kämpferisch auftretenden Krupp habe die Nachricht anfangs schwer zugesetzt, sagte Reindl: "Dieser Schicksalsschlag ging nicht spurlos an ihm vorbei. Man hat gemerkt, dass es ihn belastet."

Keine Auswirkungen auf seine Arbeit

Das war auch DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl aufgefallen: "So eine Sache kann niemand komplett wegstecken. Aber die Tatsache, dass seine ganze Familie hinter der Entscheidung steht, wird ihm Kraft und Rückhalt geben."

Der ehemalige Weltklasseverteidiger Krupp betonte, die privaten Sorgen würden seine Konzentration auf die achte WM in Deutschland nicht beeinträchtigen. "Die Arbeit in der Vorbereitung läuft ganz normal. Sie würde mir nur dann schwerfallen, wenn ich das Gefühl hätte, dass meine Frau mich mehr braucht", sagte der frühere NHL-Profi.

Vertragsverlängerung unwahrscheinlich

Allerdings deutet nun noch mehr darauf hin, dass Krupp seinen nach der WM auslaufenden Vertrag mit dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) nicht verlängern wird.

Als Nachfolger sind der ehemalige Bundestrainer Hans Zach, der die Hannover Scorpions gerade zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte geführt hat, sowie der ehemalige Schweizer Nationalcoach Ralph Krueger im Gespräch.

Bei der WM soll Krupp das DEB-Team in die Zwischenrunde führen. Dabei wird der gebürtige Kölner aller Voraussicht nach auf die beiden verletzten Berliner Florian Busch und Travis James Mulock verzichten müssen.

Busch, nach zwei Jahren der Verbannung wegen einer verweigerten Dopingprobe erst kürzlich in den Kader berufen, konnte bislang wegen einer Brustkorbquetschung nicht mit dem Team trainieren. Mulock leidet an einer Hüftverletzung.

NHL-Verstärkung

"Ein WM-Einsatz der beiden ist unwahrscheinlich", sagte Krupp. Dagegen könnten die in den NHL-Play-offs ausgeschiedenen Marcel Goc (Nashville Predators) und Philip Gogulla (Buffalo Sabres) die Mannschaft verstärken.

"Wir werden jetzt mit den Jungs Kontakt aufnehmen und herausfinden, wie stark Kopf und Körper noch sind. Die Chancen stehen gut", sagte Krupp.

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