vergrößernverkleinern
Florian Busch wechselte 2002 von den Jungadlern Mannheim zu den Eisbären Berlin © imago

Florian Busch zieht sich aus der Nationalmannschaft zurück. DEB-Präsident Harnos bedauert und kritisiert die Entscheidung.

Berlin - Zwei Jahre war Florian Busch wegen eines verpassten Dopingtests verbannt, jetzt hat der Eishockeyprofi selbst einen endgültigen Schlussstrich unter das Kapitel Nationalmannschaft gezogen.

"Nie wieder Nationalmannschaft. Ich bin zurückgetreten mit allem Drum und Dran", sagte der 26 Jahre alte Stürmer der Eisbären Berlin der "Bild".

Über die Gründe für seinen überraschenden Rücktritt schwieg sich Busch allerdings aus - ganz im Gegensatz zu Bundestrainer Uwe Krupp.

Krupp wusste Bescheid

"Florian Busch hat mir gegenüber nach dem Deutschland Cup (Mitte November, d. Red.) erklärt, dass er sich nicht weiter den Auflagen der NADA unterwerfen möchte und daher aus der Nationalmannschaft zurücktritt. Das tut mir natürlich leid, da er aus sportlichem Aspekt stets ein Kandidat für den Kader der Nationalmannschaft wäre", sagte Krupp.

Heftige Kritik erntete Busch für seine Entscheidung vom Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Uwe Harnos: "Bei all dem Einsatz, den der Verband in der Angelegenheit geleistet hat, fühle ich mich vor den Kopf gestoßen."

"Spekulationen über Versäumnisse des Verbandes sind nicht gerechtfertigt."

Hickhack um Doping-Probe

Anfang 2008 war Busch in die Schlagzeilen geraten, nachdem er am 6. März des gleichen Jahres zu Hause Besuch von den Kontrolleuren der Nationalen Anti-Doping-Agentur erhalten und sich seinerzeit geweigert hatte, eine Urinprobe abzugeben.

Einige Stunden später holte er sie unter Aufsicht des DEB nach, sie fiel negativ aus.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Er wurde trotzdem vom Verband verwarnt und mit 5000 Euro Geldstrafe sowie 56 Stunden gemeinnütziger Arbeit belegt.

Nach einer Klage der Welt-Anti-Doping-Agentur vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen Verstoßes gegen die Dopingrichtlinien folgte ein 14-monatiges Tauziehen, das mit der Höchststrafe endete: Im Juni 2009 wurde Busch zwei Jahre gesperrt.

Doch das juristische Hickhack ging weiter. Ende 2009 hob das Schweizer Bundesgericht die Sperre auf, weil es den CAS nicht für zuständig ansah.

Heim-WM ohne Busch

Ein Comeback Buschs verzögerte sich aber immer weiter.

Für die Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010, wo das deutsche Team mit Platz elf und null Punkten auf dem Konto enttäuschte, verzichtete der DEB auf eine Nominierung. Die dafür erforderliche Fristen des Deutschen Olympischen Sportbundes konnten nicht erfüllt werden.

Auch die Heim-WM in Deutschland im vergangenen Sommer fand ohne den hochtalentierten Stürmer statt.

Nachdem er von Bundestrainer Uwe Krupp wieder ins Team berufen worden war, verhinderte eine Brustkorbquetschung einen Einsatz.

Reindl hofft noch

Im November 2010 verzichtete Busch trotz einer Nominierung für den Deutschland Cup auf eine Teilnahme.

DEB-Sportdirektor Franz Reindl hat die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben. "Die Möglichkeit des Wiedereingliederungsverfahrens durch den NADA-Code hält aber auch die Option für eine Rückkehr in den Kreis der Nationalmannschaft offen", sagte Reindl.

Die Verbandsoberen sind sich einig: Sportlich gesehen ist der Rücktritt ein Verlust. "Florian war ein wichtiger Spieler der Nationalmannschaft und wäre es auch wieder gewesen", sagte Harnos.

Auch Peter John Lee, Manager der Eisbären, bedauerte die Entscheidung seines Spielers. "Es ist schade, aber man muss Florians Entscheidung akzeptieren."

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel