vergrößernverkleinern
Stürmer Darin Olver spielt in der DEL für die Augsburger Panther © imago

Fürs Nationalteam geht es nach dem letzten WM-Test am Montag gegen Weißrussland Richtung Slowakei - mit juristischen Sorgen.

München - Nach der Generalprobe am Ostermontag bricht die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zur WM in der Slowakei (LIVE im TV auf SPORT1) auf.

Dort spielt sie juristisch auf dünnem Eis - denn am 30. April läuft der Kooperationsvertrag zwischen dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aus, ein neuer ist noch nicht in Sicht.

"Ich glaube nicht, dass wir uns in einem rechtsfreien Raum bewegen", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos vor dem letzten WM-Test am Montag (16.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) in Köln gegen Weißrussland. "Sollten Spieler nicht durch ihre Klubs versichert sein, werden wir sie natürlich selbst versichern."

Theoretisch könnten die Klubs ihre Profis auffordern, sich für die WM unbezahlten Urlaub zu nehmen und selbst um ihre Versicherung zu kümmern. In der Praxis sind nur wenige Spieler betroffen, deren Verträge zum 30. April auslaufen.

Stillstand in den Verhandlungen

Dass ab 1. Mai, also vom zweiten WM-Spiel der DEB-Auswahl gegen Gastgeber Slowakei an, die Kooperation zwischen dem Verband und der Profiliga keine rechtliche Grundlage mehr hat, liegt am Stillstand in den Verhandlungen.

Seit Februar liegt dem DEB ein Vertragsentwurf der DEL vor - bislang ohne Antwort. "Wir haben den Entwurf so abgeändert, wie wir uns das vorstellen", sagte Harnos und kündigte neue Gespräche an: "Wir werden nächste Woche mal telefonieren."

Knackpunkt Auf- und Abstieg

Knackpunkt ist der Auf- und Abstieg. Während der Verband ein Aufstiegsrecht des Zweitliga-Meisters verankert sehen will, lehnt die DEL dies ab - vorerst.

"Wir brauchen in der zweiten Liga eine qualifizierte Mehrheit an Klubs, die so wirtschaften, damit ein DEL-Absteiger dort auch ein wettbewerbsfähiges Umfeld vorfindet", sagte DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold.

"Anders herum darf das Gefälle innerhalb der DEL auf keinen Fall größer werden, sprich die Mehrzahl der Zweitligisten muss finanziell und infrastrukturell zumindest unteres DEL-Niveau nachweisen."

Einigkeit bei Klubs erforderlich

Solange in der zweiten Liga lediglich ein oder zwei Klubs diesem Anspruch genügten, sei eine Verzahnung durch Auf- und Abstieg nicht möglich.

[kaltura id="0_jzmog4r4" class="full_size" title="Sensationssieg gegen Finnland"]

Das Problem: Die DEL-Klubs müssten einstimmig für eine solche Regelung votieren.

"Wir brauchen eine mittelfristige Lösung, wie der Abstieg allen Klubs schmackhaft gemacht werden kann", erläuterte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und betonte, dass es ohne Abstieg keinen Aufstieg geben könne: "Eine Liga mit mehr als 14 Klubs funktioniert nicht."

München profitiert

Der alte Kooperationsvertrag hatte dem Zweitliga-Meister das Recht eingeräumt, bei Erfüllung aller Lizenzkriterien, in die DEL aufgenommen zu werden. Der EHC München stieg letzten Sommer aufgrund dieser Regelung auf.

Aktuell gibt es dieses Recht nicht mehr, wie der Internationale Sportgerichtshof CAS am Donnerstag bestätigte - weil der Kooperationsvertrag ausläuft.

DEL will mehr Mitspracherecht

Weitaus weniger Konfliktpotenzial bergen andere Punkte. Bei der Nationalmannschaft will die DEL mehr Mitspracherecht bei zentralen Personalentscheidungen. Dafür sei sie auch bereit, "den einen oder anderen Tag mehr vor der jährlichen WM zur Verfügung zu stellen", so Tripcke.

Auch die jährlichen Zahlungen, bislang rund 750.000 Euro, an den Verband seien kein Hindernis, "dafür möchten wir aber mehr Transparenz über die Verwendung der Gelder". Bei der Suche nach einem Nachfolger für Bundestrainer Uwe Krupp wurden die DEL-Sportmanager bereits eingebunden.

Weitere Themen auf der Agenda

"Ich hoffe, dass wir nach Ostern in die nächsten konkreten Gespräche eintreten", sagte Tripcke, "damit zumindest die Themen rund um die Nationalmannschaft und Nachwuchsförderung geregelt werden."

Harnos, der auch noch die Entscheidungen über die Krupp-Nachfolge und die Zukunft von Sportdirektor Franz Reindl vor sich herschiebt, meinte nur: "Ob man sich vor der WM trifft, muss man mal schauen."

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel