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Franz Reindl ist seit 1992 Sportdirektor beim Deutschen Eishockey-Bund © imago

Der Sportdirektor räumt seinen Posten. Der Wunsch-Nachfolger ist noch nicht zu haben. Reindl selbst widmet sich anderen Aufgaben.

Köln - Als die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag zur WM (Fr., ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1in Bratislava aufbrach, hatten Uwe Krupp und Franz Reindl zum letzten Mal das Kommando.

Die sportliche Führung des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) tritt nach der Weltmeisterschaft ab - Krupp als Bundestrainer, Reindl als Sportdirektor (News).

"Die Nähe zur Nationalmannschaft wird mir sehr fehlen. Das war mehr Emotion und Leidenschaft als nur Beruf", sagte Reindl, der künftig nur noch Generalsekretär sein darf, mit Wehmut.

Die Entmachtung des 56-Jährigen macht beim DEB den Weg frei für einen neuen starken Mann.

Doppeljob für Krüger?

Fast alles deutet daraufhin, dass der ehemalige Schweizer Nationaltrainer Ralph Krueger die sportliche Leitung übernehmen wird.

"Vielleicht suchen wir ja einen Bundestrainer und Sportdirektor in Personalunion", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos, als er nach dem 2:3 bei der WM-Generalprobe in Köln gegen Weißrussland nach einem Nachfolger für Reindl gefragt wurde. (SPIELBERICHT: Generalprobe missglückt)

Erst 2012 frei

Nach SID-Informationen ist der 51-jährige Krueger, der neun Jahre in der Bundesliga spielte und 45 Länderspiele für den DEB absolvierte, nicht nur sehr interessiert am Job des Bundestrainers - er soll auch genau diese Doppelfunktion anstreben.

Das Problem ist allerdings: Krueger steht noch ein Jahr beim NHL-Klub Edmonton Oilers als Co-Trainer unter Vertrag. "Im Moment kann ich keine Konstellation sehen, in der ich nicht bis zum Ende meines Vertrags hier bleibe", sagte der Deutsch-Kanadier zuletzt. (Bericht: Krüger bleibt in Edmonton)

Übergangslösung gesucht

Somit muss der DEB wohl eine Übergangslösung bis 2012 finden. "Wir geben keine Wasserstandsmeldungen ab", sagte Harnos lediglich.

Die Idee, Krupp trotz seines Wechsels zu den Kölner Haien noch ein Jahr quasi im Nebenjob als Bundestrainer weiter arbeiten zu lassen, hatte der DEB-Präsident abgeschmettert.

Und Harold Kreis, der als Krupps Assistent wesentlich zum sensationellen Halbfinal-Einzug bei der Heim-WM 2010 beitrug, ist als Coach der Mannheimer Adler ebenfalls unabkömmlich.

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Zustimmung aus der Liga

Für Krueger gibt es auch viel Zustimmung aus der DEL, die über ihre Sportmanager in die Bundestrainersuche eingebunden ist.

Am vermutlich höheren Gehalt des Deutsch-Kanadiers könnte sich die Liga beteiligen, hieß es.

Dafür müssten sich DEL und DEB allerdings zunächst einmal auf einen neuen Kooperationsvertrag einigen. Der alte läuft während der WM, am 30. April, aus. Ein neuer ist noch nicht in Sicht. (Hintergrund: Juristische Sorgen im Gepäck)

WM auf rechtsfreiem Raum?

Zuletzt herrschte eisiges Schweigen. Auf den Vertragsentwurf der DEL, der seit Februar vorliegt, will der DEB nun mit einem Gegenvorschlag antworten.

"Wir haben den Entwurf so abgeändert, wie wir uns das vorstellen", sagte Harnos. Dass die Nationalspieler sich bei der WM juristisch auf dünnem Eis bewegen, sieht der Präsident nicht. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Ich glaube nicht, dass wir uns in einem rechtsfreien Raum bewegen. Sollten Spieler nicht durch ihre Klubs versichert sein, werden wir sie natürlich selbst versichern", stellte Harnos klar.

WM 2017 als neues Reindl-Projekt

Weder an der Bundestrainer-Suche noch an den Verhandlungen mit der DEL wird Reindl, der einen Vertrag als DEB-Generalsekretär bis 2014 erhält, noch maßgeblich beteiligt sein.

Der Bronzemedaillengewinner von 1976 soll sich in erster Linie um die Bewerbung für die WM 2017 oder 2019 kümmern.

"Bis Mai 2012 müssen wir ein fertiges Konzept haben", sagte der Garmischer, der seit 1992 beim DEB im Amt ist und bereits die Weltmeisterschaften 2001 und 2010 nach Deutschland holte.

Olympia in Garmisch im Hinterkopf

Offen ließ Reindl noch, ob er bei einem Zuschlag für die Olympischen Spiele 2018 in München einen Posten in seiner Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen übernehmen wird.

"Das ist hypothetisch. Wenn wir Olympia nach Deutschland bekommen, dann können wir darüber nachdenken", sagte er.

Seine Arbeit als Sportdirektor rückte Reindl noch einmal ins rechte Licht. "Mit unserem Programm haben wir es geschafft, eine richtig starke Nationalmannschaft aufzustellen. Die jungen Spieler sind ja nicht vom Baum gefallen", betonte er und bilanzierte: "Ich gebe diese Funktion auf einem guten Niveau ab. Jetzt sehen wir mal, ob es andere besser machen."

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