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Uwe Krupp steht in der Slowakei zum sechten Mal bei einer WM als Trainer hinter der Bande © imago

Nach der WM in der Slowakei endet Uwe Krupps sechsjährige Amtszeit. Die grandiose Heim-WM 2010 macht die letzte Aufgabe schwierig.

München - Die WM rückt näher, und die Erinnerungen kehren zurück.

"Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke", sagt Nationaltorwart Dennis Endras, "wir sprechen oft darüber."

Kurz vor dem Auftakt am Freitag in Bratislava gegen Russland (ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) ist die grandiose Heim-WM aus dem Vorjahr wieder allgegenwärtig.

Auch für Uwe Krupp, der auf seiner letzten Dienstreise als Bundestrainer immer wieder auf den historischen Halbfinaleinzug angesprochen wird.

"Für jeden war es eine Riesenerfahrung. Das ist nicht so einfach aus deinem Kopf rauszukriegen", sagt der 45-Jährige: "Aber das war natürlich letztes Jahr."

Erwartungen sind gestiegen

So schön die Erinnerung an jene 17 Tage im Mai ist (Die DVD zur Heim-WM im SPORT1-Shop), als Deutschland seine Eishockey-Spieler lieben lernte - so schwierig macht sie die letzte Aufgabe des Bundestrainers.

Wie hoch die Erwartungen sind, durfte der ehemalige NHL-Profi schon auf der Vorbereitungstour durch Deutschland feststellen.

"Letztes Jahr waren wir Vierter. Was holen wir aus Bratislava?", fragte ein Fan nach dem 4:2 gegen Finnland (Die Zusammenfassung im Video) im überzeugendsten WM-Test und hatte dabei unzweideutig eine Medaille im Sinn.

Krupp kennt derartige Aussagen und weiß damit zu leben.

"Charlie Chaplin hat in Las Vegas an einem Charlie-Chaplin-Doppelgänger-Wettbewerb teilgenommen und ist Dritter geworden", sagt er und übersetzt selbst: "Du kannst den Erwartungen, die die anderen Leute haben, sowieso nicht gerecht werden."

Höhen und Tiefen erlebt

Wichtig ist ihm, dass die Spieler sich von derartigen Träumereien nicht anstecken lassen. Schon einmal führte der Blick nach oben geradewegs in den tiefsten Keller.

Bei der WM 2009 in der Schweiz, als auch der Cheftrainer erstmals seine Vorsicht aufgab und das Viertelfinale als offizielles Ziel definierte, stürzte sein Team auf den vorletzten Platz ab.

"Es ist kein Spieler dabei, der nicht in der Junioren-Nationalmannschaft gespielt hat. Sie haben alle schon im Fahrstuhl gesessen", sagt Krupp: "Ein Teil war in Bern dabei, als wir sportlich abgestiegen sind. Sie wissen alle, wie heikel unsere Position ist. Da ist kein Platz für eine falsche Einstellung."

[kaltura id="0_mla01b9r" class="full_size" title="Krupp bei SPORT1 Der erwartet schwere Gegner "]

Krupp kann viel verlieren

Deshalb gibt es auch bei seiner letzten WM nur ein einziges Ziel: "Zwischenrunde. Das war sie letztes Jahr, das war sie schon die ganze Zeit."

Krupp weiß, dass er nach fast sechs Jahren im Amt auf seiner letzten Dienstreise noch viel verlieren kann.

Erreicht die Mannschaft das Viertelfinale, wird der Erfolg durch den Vergleich zum Vorjahr relativiert. Läuft es schief und sie muss in die Abstiegsrunde, ist der Glanz der Heim-WM endgültig verblasst.

Ziele erreicht

Vor dem ersten Bully in Bratislava zieht Krupp eine positive Bilanz seiner Arbeit: "Wir haben alle Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreicht - zum Teil überschossen." (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Damit meint er nicht nur den sofortigen Wiederaufstieg kurz nach seinem Amtsantritt, die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver und eben den sensationellen Platz vier im vergangenen Jahr, sondern auch den Generationswechsel im Nationalteam.

"Noch wichtiger ist das Heranführen unserer besten, talentiertesten Spieler an das internationale Niveau. Das haben wir geschafft."

Verändertes Gesicht

Krupp hat der DEB-Auswahl ein neues Gesicht gegeben: Die Mannschaft 2011 ist jung, schnell, athletisch.

In Daniel Kreutzer (31), Thomas Greilinger (29), Alexander Barta (28) und Christoph Ullmann (27) sind nur noch vier Spieler aus der Vor-Krupp-Zeit dabei.

Keine Zeit zum Reflektieren

Wehmut will der scheidende Bundestrainer in der Slowakei nicht aufkommen lassen. "Die Aufgabe ist einfach zu wichtig, um sentimental zu werden", sagt Krupp.

Die Gedanken über das Ende einer Ära verschiebt er um zwei Wochen: "Sechs Jahre als Trainer sind eine lange Zeit. Da schließt sich ein Kapitel. Es schadet nicht, wenn man ein bisschen reflektiert. Dafür habe ich jetzt aber noch keine Zeit."

Auch wenn die Idee, nach seinem Wechsel zu den Kölner Haien in Doppelfunktion als Bundestrainer weiterzuarbeiten, von der DEB-Spitze abgeschmettert wurde - ein künftiges Engagement beim Verband schließt er nicht aus: "Man sollte sich keine Türen verschließen."

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