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Deutschland feierte im 38. WM-Spiel gegen Rekordweltmeister Russland den ersten Sieg © getty

Deutschland startet furios in die WM: Gegen Russland erzielt Greilinger die Führung, Reimer sorgt für die Entscheidung.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Mit viel Einsatzwillen, ein wenig Glück und einem schwachen gegnerischen Keeper hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft beim Auftakt der 75. WM in der Slowakei für eine Sensation gesorgt.

Die Auswahl von Bundestrainer Uwe Krupp gewann gegen Vizeweltmeister Russland mit 2:0 (0:0, 1:0, 1:0). 388232(DIASHOW: Der WM-Kader)

Zugleich war es ein historischer Erfolg für den DEB. Erstmals in der Geschichte von Weltmeisterschaften bezwang eine deutsche Mannschaft Russland.

Die 37 WM-Vergleiche zuvor hatte sie alle verloren. Thomas Greilinger (25.) und Patrick Reimer (58.) erzielten die beiden Tore vor 9049 Zuschauern.

"Unser Ziel ist die Zwischenrunde"

Trotz des geschichtsträchtigen Sieges brach Bundestrainer Uwe Krupp nicht in Euphorie aus.

"Auch nach dem guten Start im letzten Jahr in Gelsenkirchen waren wir noch nicht durch. Unser Ziel ist weiterhin die Zwischenrunde. Wir haben einen großen Schritt dahin gemacht, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns", mahnte Krupp bei SPORT1: "Es ist immer gut, mit einem Sieg zu starten. Um weiter zu kommen, brauchst du Punkte, und die Punkte hat sich die Mannschaft heute verdient."

Endras lobt dem Teamgeist

So sah es auch Dennis Endras, der von einem völlig verdienten Erfolg sprach.

"Wir haben brutale erste zwei Drittel gespielt. Wir waren 40 Miuten lang die bessere Mannschaft. Im letzten Viertel wurde es natürlich nochmal eng - wir mussten bis zum Schluss hellwach sein", sagte der Goalie, für den der überragende Teamgeist der Schlüssel zum Sieg war: "Wir sind seit letztem Jahr ein richtiger Haufen. Das ist Spaß pur - und das spiegelt sich auf dem Eis wieder."

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Obwohl schon am Sonntag das nächste Spiel gegen WM-Gastgeber Slowakei anstehe, werde die Mannschaft den Erfolg gebührend würdigen: "Wir haben 37 Spiele in Folge gegen Russland verloren, deshalb dürfen wir heute ein bisschen lachen und feiern."

Aggressives Forechecking

Vom Bully weg Druck ausüben, hatte sich die Mannschaft vorgenommen. Und dies setzte sie um, betrieb aggressives Forechecking und ließ die Russen gar nicht erst zur Entfaltung kommen.

Im Gegenteil: Die ersten Chancen der Partie waren auf deutscher Seite. Die beste vergab Rankel (10.), als er zweimal im Nachschuss an dem unsicher wirkenden russischen Keeper Jewgeni Nabokow scheiterte. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Eine Minute später traf Christoph Ullmann aus spitzem Winkel nur das Außennetz.

Stark in Unterzahl

Aber auch DEB-Keeper Endras, dem Krupp den Vorzug vor Dimitri Pätzold gegeben hatte, bekam Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

[kaltura id="0_jcl8b95e" class="full_size" title="Historischer Erfolg gegen Russland"]

Gegen Danis Zaripow vereitelte er die russische Führung, als der freistehend am deutschen Goalie scheiterte (12.).

Auch in Unterzahl präsentierte sich die deutsche Mannschaft stark. Wegen Hakens an Konstantin Gorowikow musste Nikolai Goc zwei Minuten hinters Plexiglas (13.).

Der Sbornaja fehlte es im Powerplay an Kreativität, und so war es dem DEB-Team ein Leichtes, Chancen zu vereiteln.

Greilinger mit der Führung

Aber auch der deutschen Mannschaft fehlte zu Beginn des zweiten Viertels in Überzahl die Genauigkeit.

Die zeigte dann Greilinger. Mit gütiger Mithilfe von Nabokow brachte er die deutsche Mannschaft in Führung (25.). Nach Pass von Constantin Braun zog er vom linken Flügel in die Mitte und schlenzte auf den Kasten. (VORSCHAU: Mit Großbaustelle auf zwei Mt. Everests)

Dem russischen Keeper, der seit Ende Dezember kein Liga-Spiel mehr bestritten hatte, rutschte die Scheibe zwischen Oberkörper und linkem Arm durch.

Auf Endras ist Verlass

Nur kurze Zeit später tauchte Patrick Reimer am rechten Flügel frei auf, seinen Schlagschuss parierte Nabokow aber.

Anschließend drückte die Sbornaja, aber auf Endras war Verlass.

Russlands Jungstar Wladimir Tarasenko scheiterte zweimal am Augsburger Keeper (30./33.), anschließend bewahrte er in Unterzahl nach einem Handgelenksschlenzer von Kapitän Alexei Morosow (38.) und nach einem Solo von Maxim Afinogenow (41.) die deutsche Führung.

Hospelt an den Pfosten

Die deutschen Entlastungsangriffe wurden weniger.

Bei einem der wenigen verpasste Kai Hospelt das 2:0 nur knapp, als er bei einer 2-auf-1-Situation nur den Pfosten traf (44.). 388833(DIASHOW: Die Higlights der WM 2010)

Daniel Kreutzer ließ eine 3-auf-1-Situation (50.) ungenutzt.

Reimer mit der Entscheidung

Anschließend stand wieder Endras im Mittelpunkt, vor allem als Reimer sechs Minuten vor Schluss wegen Beinstellens auf die Strafbank musste.

Aber auch diese Unterzahlsituation überstand die deutsche Auswahl mit Geschick.

127 Sekunden vor Schluss sorgte dann Reimer für die Entscheidung.

Nach einem Abstimmungsfehler der russischen Verteidiger an der blauen Linie schnappte sich der Düsseldorfer die Scheibe und machte den ersten WM-Sieg über Russland perfekt.

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