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Dennis Endras wechselt von Augsburg zu Minnesota Wild in die NHL © getty

Der MVP der letzten Weltmeisterschaft trumpft auch in der Slowakei groß auf. Russlands Stürmer verzweifeln, die NHL darf sich freuen.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Russlands Nationaltrainer Wjatscheslaw Bykow sprach vom "Schrecken unserer Stürmer".

In der Mixed Zone geisterte nach dem Sensationssieg der deutschen Mannschaft gegen die Sbornaja (Spielbericht) wieder der Begriff "Eis-Titan" durch die Journalisten-Meute.

Die Medienvertreter aus aller Herren Länder rissen sich um den Augsburger Keeper, jeder wollte ein exklusives Statement.

Das Objekt der Begierde stand indessen lässig an das Absperrgitter gelehnt, Dennis Endras beantwortete mit einer Seelenruhe die Fragen, auf Deutsch und Englisch.

Teamplayer Endras

Über seine eigene Leistung ließ sich der Keeper nichts entlocken, immer wieder stellte er das "wir" in den Vordergrund, ein "ich" gab es für den Mannschaftssportler Endras nicht.

Nur kurz berichtete er aus der eigenen Perspektive.

"Die ersten 40 Minuten hatte ich einen ruhigen Arbeitstag", sagte Endras nach dem Russland-Spiel und verteilt damit ein Lob an die Mannschaft. 391186(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Keine Beschwerden

Dass er nach der Gala gegen die Sbornaja gegen die Slowakei nicht im Tor steht, grämt Endras zwar ("Ich bin schon enttäuscht"). Beschwerden sind ihm jedoch fremd.

"Ich will keinen Torwart, der einfach nur dabei sein will, ich will einen Torwart, der sagt: 'Trainer, wenn du das Spiel heute Abend gewinnen willst, dann stell mich in den Kasten!'", sagte Uwe Krupp einst.

Den Bundestrainer hat Endras mit seiner Einstellung jedenfalls überzeugt.

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Schonung für das lange Turnier

"Als Torhüter braucht man besondere Fähigkeiten, nicht nur sportliche. Man muss auch mentale Stärke besitzen. Das zeichnet Dennis aus", lobt Krupp seinen Erfolgsgaranten. Dennoch gönnt ihm Krupp immer wieder eine Pause, auch wenn Endras "immer spielen" will. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Für Krupp spricht, dass diese Maßnahme, den Keeper zu schonen, bei den vergangenen Titelkämpfen aufgegangen ist.

"Es ist ein langes Turnier", sagt der Bundestrainer und befördert den Augsburger gegen die Slowakei (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) erst mal auf die Bank.

"Es macht Spaß mit den Jungs"

Die Freude an der Nationalmannschaft vergeht dem ehrgeizigen Endras trotzdem nicht. "Es macht unheimlich Spaß mit diesen Jungs", sagt der 25-Jährige, "egal ob beim Essen oder auf dem Eis."

Und die Jungs haben Spaß mit Endras. "Wenn du so einen Torwart hinten drin stehen hast, fällt es dir um einiges leichter, nach vorne zu spielen", meint Michael Wolf. Und Patrick Reimer fügt hinzu: "Dennis ermöglicht es uns, ein Spiel zu gewinnen."

Für die Nummer 44 ist die Nationalmannschaft eine erfreuliche Abwechslung: "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich zum Team komme."

[kaltura id="0_jcl8b95e" class="full_size" title="Historischer Erfolg ber Russland"]

Wechsel nach Amerika

Darauf muss Endras in den kommenden Jahren möglicherweise verzichten.

Denn im Sommer geht es für ihn in die USA nach Minnesota zum NHL-Klub Wild. "Klar denke ich manchmal an den Wechsel nach Amerika", sagt Endras, im Moment will er sich nicht davon ablenken lassen. "Jetzt zählt erst einmal die WM."

Dass sich der Keeper beim Team aus St. Paul durchsetzen wird, sind seine Mitspieler überzeugt.

"Werde es auch in der NHL schaffen"

"Er hat letztes Jahr bei der WM bewiesen, dass er auf internationalem Niveau ein Topmann ist", schwärmt Vancouvers Christian Ehrhoff, mit dem Endras gemeinsam bei der Heim-WM

Und auch Endras selbst traut sich den Sprung nach Nordamerika ohne Weiteres zu.

"Ich habe es bisher überall geschafft: In der zweiten Liga, in der DEL und auch in der Nationalmannschaft. Ich werde es auch in der NHL schaffen", gibt sich der gebürtige Allgäuer optimistisch.

Kein Puck-Souvenir für Endras

Eines blieb ihm aktuell jedoch verwehrt. Das Souvenir schlechthin vom Russland-Spiel, der Puck.

Er selbst konnte sich nicht darum kümmern, schließlich erdrückten ihn seine Teamkollegen nach der Schlusssirene vor Jubel.

Auch Kapitän Michael Wolf konnte das Spielgerät nach dem Abpfiff nicht sicherstellen

Bester Spieler der Partie

Immerhin bleibt Endras die Auszeichnung als bester Spieler der Partie und damit verbunden ein Kugelschreiber. Der war zwischenzeitlich verschwunden.

Als er die Schachtel mit dem Präsent in der Mixed Zone öffnete, stellte er überrascht fest: "Da ist ja gar nichts drin."

Teammanager Klaus Merk hatte das edle Stück im Wert von 300 Euro schon in Sicherheit gebracht.

Kugelschreiber statt Uhren

Im vergangenen Jahr hatte sich Endras über die "Player-of-the-Game"-Auszeichnungen zu einem Uhrensammler entwickelt.

"Uhren habe ich ja schon genug", sagt der 25-Jährige deshalb schmunzelnd. "Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Uhren ich damals bekommen habe."

Nun hat Endras eine neue Sammelleidenschaft entdeckt: Kugelschreiber.

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