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John Tripp markiert den zweiten Treffer für die DEB-Auswahl gegen die Slowakei © getty

Das Krupp-Team besiegt auch den Gastgeber und erreicht die Zwischenrunde. Den Slowaken droht ein Debakel. Am Ende wird es eng.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Der deutsche Eishockey-Wahnsinn geht weiter.

Die Nationalmannschaft hat bei der 75. Weltmeisterschaft in der Slowakei im zweiten Spiel dem zweiten Favoriten ein Bein gestellt.

Mit einer über weite Strecken souveränen und selbstsicheren Vorstellung besiegte die von Bundestrainer Uwe Krupp zusammengestellte Auswahl Gastgeber Slowakei mit 4:3 (0:0, 3:0, 1:3) und steht nach dem zweiten Sieg bereits vorzeitig als Sieger der Vorrundengruppe A fest und damit in der Zwischenrunde.

Krupp zeigte sich nach dem Sieg begeistert: "Das war noch besser als gegen Russland."

Nach einer 4:0-Führung nach Toren von Marcel Müller (24.), John Tripp (34.), Frank Hördler (37.) und Felix Schütz (45.) rettete die DEB-Auswahl den Sieg über die Zeit. Ladislav Nagy (46.), Josef Stümpel (48.) und Pavol Demitra (53.) hatten den Favoriten noch an der Verlängerung schnuppern lassen.

"Unglaublich, meine Nerven! Das letzte Drittel war einfach brutal", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos nach der Zitterpartie.

Pätzold für Endras

Es war von Beginn an das erwartet intensive Spiel mit hohem Tempo in einer giftigen Atmosphäre. Die Slowaken von den eigenen Fans nach vorne gepeitscht, drückten mit dem Auftaktbully auf das deutsche Tor (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Stümpel aus kurzer Distanz über den Kasten zielte. Und die Slowaken machten weiter Dampf. Bartecko (5.) scheiterte an Dimitri Pätzold, der den im Russland-Spiel glänzenden Dennis Endras im Kasten vertrat.

DEB übersteht Doppelte Unterzahl

In die Drangphase der Gastgeber hinein, erspielte sich die DEB-Auswahl die erste Chance. Nach Vorarbeit von Felix Schütz zog Justin Krueger von der blauen Linie ab (8.), nach Jaroslav Halaks Parade trudelte der Puck auf das Tor.

Anschließend hatte die deutsche Auswahl bange Sekunden zu Überstehen, als sie sich nach Strafen gegen Schütz und Kevin Lavallee 1:56 Minuten in 3 gegen 5-Unterzahl wiederfand.

Pätzold hält den Kasten dicht

Die Slowaken feuerten auf den Kasten von Pätzold, der Glück hatte als ein Schuss Marian Gaboriks von der Latte zurück ins Feld sprang (8.).

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In diese Szene hinein ergab sich ein Break für Patrick Reimer (9.), der von Milan Jurcina nur noch mit unfairen Mitteln gestoppt werden konnte - Penalty. Die Chance auf seinen zweiten Turniertreffer vergab der Düsseldorfer jedoch, der mit seinem Versuch Halak zu tunneln, scheiterte.

Trotz erster Überzahl (11.) ergaben sich für die DEB-Truppe kaum Chancen, und die Slowaken feuerten weiter auf den Kasten von Pätzold, der die Schüsse souverän parierte.

Müller macht das 1:0

Was dann folgte war wohl das beste zweite Drittel in der Geschichte einer deutschen Eishockey-Nationalmannschaft. Die Krupp-Truppe trat souverän und selbstsicher auf und brachte die Slowaken zur Verzweifelung.

Bei einem Break über Reimer verfehlte Daniel Kreutzer noch die Führung (24.), aber nur eine Minute später erzielte Müller das 1:0. Christoph Ullmann passte vom linken Flügel vor den Kasten, und Müller verwandelte aus kurzer Distanz.

[kaltura id="0_7csefvu8" class="full_size" title="Nächster Sieg gegen die Slowakei"]

Halak ohne Chance

Die Slowaken antworteten mit wütenden Angriffen, größtenteils endeten diese mit Verzweifelungsschüssen, die Pätzold vor keine ernsten Probleme stellten.

Allerdings hatte der Straubinger auch Glück (30.), als Michal Handzus mit einem Handgelenksschlenzer nur den rechten Pfosten traf.

Stattdessen bewies Tripp mehr Zielgenauigkeit. Der nachnominierte Frank Mauer nahm Marian Hossa in der neutralen Zone den Puck ab, passte auf Schütz, der über den rechten Flügel nach vorne stürmte, Übersicht bewies und den mitgelaufenen Tripp bediente.

Der Kölner ließ bei seiner Direktabnahme in den Winkel Halak keine Chance (34.).

Slowaken kämpferisch

Damit nicht genug. Nach überstandener Unterzahl, zog Ullmann hinten ums Tor, passte auf den aufgerückten Hördler, der mit einem Schlenzer auf 3:0 erhöhte (37.).

Und kurz vor Drittelende fiel fast noch das vierte deutsche Tor, als Philip Gogulla einen Schütz-Schuss abfälschte, und Halak nur im Nachfassen parierte.

Die Slowaken drückten zu Beginn des letzten Drittels noch auf Pätzolds Kasten, Schütz erhöhte den deutschen Vorsprung noch auf 4:0 (45.). Nach starker Vorarbeit von Tripp der um den Kasten kurvte, auf den Ingolstädter zurück legte, zog dieser direkt ab und vollendete.

Die Slowaken gaben jedoch nicht auf. Nagy und Stümpel antworteten postwendend (46./48.). Nagy überwand nach einem Solo von Lubos Bartecko im Nachschuss Pätzold, Stümpel nutzte ein Powerplay zum 2:4.

Zitterpartie zum Schluss

Danach machte sich die deutsche Mannschaft das Leben durch zahlreiche Strafen selbst schwer. In der 53. Minute gelang Pavol Demitra erneut in Überzahl der Anschlusstreffer, als er einen Abpraller mit der Rückhand über die Linie bugsierte.

Die Slowaken warfen alles nach vorne, nahmen 93 Sekunden vor Ende den Keeper vom Eis. Doch die deutsche Mannschaft überstand den Ansturm und steht damit als Sieger der Gruppe A in der Zwischenrunde.

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