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Riesenjubel nach dem vorzeitigen Zwischenrunden-Einzug: Das deutsche Team © imago

Das DEB-Team toppt beim Slowakei-Sieg alle Erwartungen. Die Verbandsspitze ist begeistert - und altert. Doch Krupp bleibt kühl.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn:

Das Wort Wahnsinn beschreibt es sehr gut, was sich auch beim zweiten Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft bei der 75. Eishockey-Weltmeisterschaft in Slowakei zugetragen hat.

DEB-Präsident Uwe Harnos schaffte es nach dem 4:3-Sieg der Auswahl von Bundestrainer Uwe Krupp über die favorisierten Slowaken (Spielbericht) sogar, den eigentlich eine Geisteskrankheit beschreibenden Begriff fünfmal in einem Satz unterzubringen.

"Wahnsinn! Das Auftaktspiel letztes Jahr auf Schalke war Wahnsinn, das Halbfinale gegen die Russen war Wahnsinn, aber das war noch wahnsinniger. Einfach nur Wahnsinn", stammelte der Verbandschef.

Schon jetzt in der Zwischenrunde

Und auch die Spieler stimmten in die Euphorie ein: "Das ist unglaublich", meinte Alex Barta. (393356DIASHOW: Deutschland - Slowakei)

Höchst ungewöhnlich ist auch, dass die DEB-Auswahl nach zwei Spielen gegen Russland und die Slowakei bereits vor dem letzten Gruppenspiel als Zwischenrundenteilnehmer und Tabellenführer feststeht.

"Vorher heißt es: Das Spiel der Spiele ist am Dienstag gegen die Slowenen, aber jetzt...", meinte Harnos und wusste den Satz gar nicht zu Ende zu führen. "Das ist ein ganz neues Gefühl." (VIDEO: Die Reaktionen)

Erinnerungen an Zach und 2003

Letztmals 2003 war die deutsche Mannschaft mit zwei Siegen in eine WM gestartet.

In Finnland schlug die damals von Hans Zach trainierte Truppe die Japaner und die Ukraine zum Auftakt - zwei Nationen, die der Pressesprecher des Weltverbandes IIHF als "eine nicht so große Herausforderung wie Russland and die Slowakei" bezeichnete.

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"Aber dass wir schon einmal als Gruppensieger nach zwei Spielen feststanden, daran kann ich mich nicht erinnern", führte auch Reindl aus. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Tschechien, Finnland, Lettland und Dänemark drohen

Als Sieger der Vorrundengruppe A startet die deutsche Nationalmannschaft nun am Freitag (16.15 Uhr/Sport1) gegen den Zweiten der Gruppe D in die Zwischenrunde.

Die weiteren Spiele sind am Samstag (16.15 Uhr/Sport1) gegen den Dritten und am Montag (20.15 Uhr/Sport1) gegen die Nummer eins der Gruppe D.

Titelverteidiger Tschechien, Ex-Weltmeister Finnland, Lettland und Dänemark ermitteln die drei deutschen Gegner.

Reindl fühlt sich gealtert

Trotz des Glücksgefühls waren die deutschen Verbandsoberen mitgenommen.

"Meine Nerven, das letzte Drittel war brutal", sagte Harnos. Und Reindl ergänzte: "Das hat den Alterungsprozess beschleunigt."

Nach einer 4:0-Führung durch Tore von Marcel Müller (24.), John Tripp (34.), Frank Hördler (37.) und Felix Schütz (45.) und einem furiosen zweiten Spielabschnitt hatte die deutsche Mannschaft noch bis zur letzten Sekunde zittern müssen.

Slowakische Aufholjagd

Denn die Slowaken kamen binnen sieben Minuten durch Ladislav Nagy (46.), Josef Stümpel (48.) und Pavol Demitra (53.) noch auf 3:4 heran.

[kaltura id="0_7csefvu8" class="full_size" title="Deutscher Sieg auch gegen die Slowakei"]

"Wie sich die Mannschaft dann aber präsentiert hat bei dieser hitzigen Atmosphäre, das verdient größte Anerkennung", lobte Reindl die Mannschaft. "Das war wie am Freitag gegen die Russen eine geschlossene Mannschaftsleistung", sagte Barta. (Spielbericht).

Der Hamburger Stürmer hatte das Erfolgsrezept schnell ausgemacht: "Wir haben genau das umgesetzt, was Uwe (Bundestrainer Krupp, Anm. d.Red.) uns gesagt hat."

Barta lobt Krupps Tugenden

Und das wäre?

"Arsch aufreißen, kompakt spielen und immer 100 Prozent geben. Und bisher haben wir das jedes Mal sehr, sehr gut umgesetzt", so Barta.

Krupp wiederum ergänzte: "Die deutschen Tugenden: Arbeit, Fleiß, Ehrgeiz." Das kam vor allem im zweiten Drittel zum Tragen, als die Mannschaft auf alles eine Antwort zu haben schien.

Handzus als fairer Verlierer

Sobald die Slowakei, die mehr Spielanteile hatte, es aber nicht vermochte, gefährlich vor das deutsche Tor zu kommen, schlug das DEB-Ensemble selbst zu.

"Das war ein sehr starkes Spiel. Die Deutschen haben auf ihre Chancen gewartet, sind dann schnell nach vorne gestürmt. Das haben sie im zweiten Drittel sehr gut umgesetzt", erkannte auch Slowakeis NHL-Star Michal Handzus an.

Wenn selbst der Gegner das zweite Drittel so heraushebt, war es dann sogar das beste unter Bundestrainer Krupp?

"Härtestes drittes Drittel, das ich erlebt habe"

Barta jedenfalls meinte: "So kurz nach dem Spiel würde ich das sofort unterschreiben."

Der Bundestrainer selbst wollte dem nicht unbedingt zustimmen: "Das weiß ich nicht. Wir haben davor auch schon viele gute Drittel gespielt."

Und Krupp ergänzte: "Aber das war das härteste dritte Drittel, das ich jemals als Bundestrainer erlebt habe."

Aber kein Höhenflug

Nach den Erfolgen über den Vizeweltmeister und den als Turniermitfavorit gehandelten Gastgeber, womit die Zwischenrunde bereits erreicht ist, stellt sich die Frage, was nun das nächste Ziel ist. Doch Spieler und Trainer weichen der Frage aus.

"Das nächste Ziel wird Slowenien sein", sagt Krupp und weist auf das abschließende Gruppenspiel hin (Di., ab 16.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

Barta sieht es ähnlich: "Es wäre Blödsinn, jetzt irgendwelche Prognosen abzugeben. Ich weiß, es hört sich blöd an, aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Wir wissen das richtig einzuschätzen. Wir brauchen jetzt nicht größenwahnsinnig zu werden."

Nur Reindl träumt schon vom Viertelfinale

Sportdirektor Reindl allerdings geht mit der Situation etwas offensiver um: "Wenn man mit sechs Punkten in die Zwischenrunde geht, wäre es schon schade, wenn man das Viertelfinale nicht erreicht."

Einzig Torschütze Schütz gibt die Zurückhaltung auf. "Wenn du Russland und die Slowakei schlägst, kannst du jede Mannschaft schlagen."

So oder so: Dank ihren sensationellen Starts rückt die Qualifikation für die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2014 in Sotschi sowie der achte Platz in der Weltrangliste immer näher.

Olympia 2014 im Visier

Vor Turnierbeginn lag die deutsche Auswahl noch 20 Punkte, umgerechnet einen WM-Platz, hinter dem Achten Slowakei.

Für das Olympia-Turnier in Sotschi qualifizieren sich die ersten Neun der Weltrangliste direkt. Zugrunde gelegt wird das Ranking des Weltverbandes nach der WM im nächsten Jahr in Schweden und Finnland.

Zehnter ist aktuell Weißrussland mit nur fünf Punkten Rückstand auf die DEB-Auswahl. Allerdings hat der WM-Gastgeber 2014 seine ersten beiden Vorrundenspiele verloren und kaum noch Chancen, das Krupp-Team in diesem Jahr einzuholen.

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