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Uwe Krupps erste Station als Trainer war bei den Atlanta Trashers © imago

Der große Erfolg von Uwe Krupp setzt den Verbands-Präsidenten unter Druck. Für Reindl ist Krupps Abschied eine "Katastrophe".

Bratislava - In all der Euphorie und dem Moment des Jubelns kam der Präsident noch ins Grübeln:

Nach dem sensationellen WM-Start der deutschen Eishockey-Helden geriet Verbandsboss Uwe Harnos in Erklärungsnot.

"Es ist unglaublich, was sie auf dem Eis leisten", sagte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes nach dem 4:3 gegen den Gastgeber Slowakei und dem ersten Gruppensieg seit 78 Jahren (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Verantwortlich dafür ist der Bundestrainer. Und auch für Chefcoach Uwe Krupp fand Harnos nur positive Worte: "Was er begonnen hat, zahlt sich aus. Er scheint die phänomenale Gabe zu haben, den Spielern immer das Richtige zu sagen."

"Das lässt mich völlig kalt"

Genau damit tat sich der Präsident in der Stunde des Triumphes selbst aber schwer. Auf die Frage, ob der DEB denn wirklich in Zukunft auf Krupp als Bundestrainer verzichten wolle, antwortete er ausweichend: "Jetzt spielen wir das Turnier erstmal zu Ende, dann schauen wir weiter."

Der Gelobte selbst wiegelte jegliche Gedankenspiele ab. "Diese Diskussion wird über mich, nicht mit mir geführt. Das lässt mich und die Mannschaft völlig kalt", sagte der Bundestrainer bei SPORT1.

Harnos ist dagegen

Für Franz Reindl ist die Situation völlig klar.

"Höchst bedauerlich" nannte der Sportdirektor, der nach der WM seine Aufgaben rund um die Nationalmannschaft abgeben muss, das bevorstehende Ende der Kruppschen Amtszeit, "das ist eigentlich eine Katastrophe."

Alle Gedankenspiele, den Erfolgstrainer nach seinem Wechsel zu den Kölner Haien im kommenden Sommer in Doppelfunktion weiter an der Bande der Nationalmannschaft arbeiten zu lassen, hatte Harnos kategorisch abgelehnt.

Krupp "erntet nun die Früchte"

Zudem entmachtete er Reindl, der künftig nur noch Generalsekretär ist und sich vorwiegend um die WM-Bewerbung 2017 kümmern soll.

"Es gab den Wunsch, alles etwas aufzufrischen. Diesem Wunsch bin ich nachgekommen", sagte Reindl.

Einen Nachfolger für Krupp hat Harnos bislang noch nicht gefunden. Wunschkandidat Ralph Krueger, bis Februar 2010 Nationaltrainer der Schweiz, steht erst in einem Jahr zur Verfügung.

In Bratislava hielt nicht nur Reindl ein flammendes Plädoyer für Krupp. "Er ist ein Meister seines Faches", sagte der 56-Jährige.

Und Stürmer Alexander Barta fügte hinzu: "Ein paar Entscheidungen von ihm wurden in den letzten Jahren kritisiert, aber er hat das Sagen, und es hat sich als richtig herausgestellt. Dafür erntet er jetzt die Früchte."

DEB-Auswahl wie entfesselt

Vor allem, dass die Truppe als Einheit auftritt, einen großen Teamgeist entwickelt hat, spricht Barta dem Bundestrainer zu: "Er hat die Mannschaft aufgebaut. Und in der reißt sich jeder für den anderen den Arsch auf."

Auf dem Eis machten die Spieler die beste Werbung für ihren Trainer.

Phasenweise wie entfesselt entzauberten sie die slowakischen Altstars um NHL-Profi Marian Hossa, schossen einen 4:0-Vorsprung heraus und retteten sich bei der Aufholjagd der Gastgeber mit letzter Kraft ins Ziel (393356DIASHOW: Deutschland - Slowakei).

[kaltura id="0_ycatmdz7" class="full_size" title="DEB Team Das ist Wahnsinn"]

"Die Jungs sind Krieger"

"Die Jungs sind Krieger. Sie kämpfen für Deutschland", lobte Krupp seine Spieler, die mit dem ersten Gruppensieg in einer WM-Vorrunde seit 1933 schon wieder Geschichte schrieben (Spielbericht).

Dass er die Verbandsspitze mit den Erfolgen unter Druck setzt, sieht Krupp nicht. "Das ist nicht meine Absicht. Wir wollen gewinnen. Welche Nebeneffekte die Erfolge haben, kann ich nicht beeinflussen."

"Da ist kein Platz für Negativität"

Seinen eigenen Anteil am deutschen Eishockey-Märchen, das bei der grandiosen Heim-WM mit Platz vier im letzten Jahr begann, erwähnte er nur am Rande: "Wir unterstützen sie, loben sie. Da ist kein Platz für Negativität."

Über eine Verlängerung seiner Amtszeit wollte er nicht reden: "Der Verband geht sowieso seinen Weg. Da braucht man sich keine Sorgen zu machen."

Die macht sich wohl nun nur der DEB, an dessen Spitze Harnos steht.

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