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Michael Wolf (r.) spielt in der Slowakei bereits seine fünfte Weltmeisterschaft © imago

Kapitän Michael Wolf feiert beim letzten Gruppenspiel gegen Slowenien ein Jubiläum. Krupp adelt ihn als besten deutschen Spieler.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Michael Wolf blickte verlegen in die Runde. Das alles ist neu für ihn.

Eine Pressekonferenz im Medien Center der Orange Arena von Bratislava.

Neben dem 1,98-Meter-Riesen Uwe Krupp sitzend wirkt der 20 Zentimeter kleinere Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft auf dem Podium nicht unbedingt wie ein Eishockeyspieler.

Zumal neben ihm auch noch sein 191-Zentimeter messender, bulliger Teamkollege John Tripp sitzt.

Doch Wolf gehört definitiv zu den Größen im deutschen Eishockey.

"Ohne ihn hätten wir ein Problem"

Als "besten deutschen Spieler" hatte ihn Bundestrainer Krupp rund 15 Stunden zuvor nach Deutschlands zweitem Sensationssieg bei der WM über die Slowakei (393356DIASHOW: Deutschland - Slowakei) geadelt.

"Ich kann ihm gar nicht genug Lob aussprechen. Er ist ein Spieler, auf den ganz Deutschland stolz sein kann", sagt Krupp über seinen Führungsspieler, der erstmals bei einer WM das "C" auf der Brust trägt.

"Ohne ihn hätten wir ein Problem."

Wolf, ein Vorbild für alle

Trotz des Lobes bleibt Stürmer der Iserlohn Roosters bescheiden. Er ist kein Sprücheklopfer, das überlässt er anderen. "Ich bin keiner, der in der Kabine viel redet", beschreibt Wolf sich selbst.

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"Er ist ein Führungsspieler mit besonderen Qualitäten", sagt der Bundestrainer. "Leading by example" nennt es Krupp - mit gutem Beispiel vorangehen.

Jubiläum für Wolf vorerst unwichtig

Im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien (Di., ab 16.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER), in dem es für beide Mannschaft um nichts mehr geht - Deutschland steht als Gruppensieger fest, die Slowenen müssen den Gang in die Abstiegsrunde antreten -, feiert Wolf Jubiläum. (VIDEO: Die Reaktionen)

Zum 100. Mal trägt er das Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust.

"Während der WM mache ich mir darüber keine großen Gedanken", sagt der 30-Jährige im kleinen Kreis. Dort fühlt er sich sichtlich wohler.

"Im Nachhinein ist es dann vielleicht etwas Besonderes. Jetzt ist es ein Spiel wie jedes andere", präzisiert Wolf.

[kaltura id="0_9wn8vh4j" class="full_size" title="Wolf: der unverzichtbare Kapitän "]

Als Team zusammen gewachsen

Für den Torschützenkönig der abgelaufenen DEL-Saison steht die Mannschaft an erster Stelle. Wolf spricht selten über sich selbst, zumeist rückt er das Team in die Mitte.

"Uns ist es egal, wer die Tore schießt oder sie verhindert. Wir freuen uns zusammen", führt er aus.

Die Mannschaft ist eine Einheit geworden. "Wir haben zusammen Erfolge gefeiert und nicht so große Erfolge erlebt. Das schweißt zusammen."

Vermeintlicher Abstieg war "eine Lehre"

Mit "nicht so große Erfolge" meint Wolf den sportlichen Abstieg 2009 bei der WM in Bern, der nur dadurch verhindert wurde, dass Deutschland im Jahr danach als Ausrichter automatisch qualifiziert war.

"Das war natürlich eine Lehre. Für jeden Spieler, der dabei war", sagt er und ist davon überzeugt, dass diese Erfahrung Anteil an seinem bisher größten Triumph mit der DEB-Auswahl war: "Das war der 4. Platz letztes Jahr bei der Heim-WM."

"Was wollt ihr hören?"

Darauf angesprochen, ob es denn ein besonderes Tor bei seinen 35 Treffern in der Nationalmannschaftskarriere gibt, lacht er verschmitzt.

"Was wollt ihr jetzt hören? Das Tor auf Schalke?", fragt Wolf in die Runde. "Es war sicherlich ein Tor mit der Nationalmannschaft, an das ich mich immer erinnern werde", sagt er und seine Augen glänzen dabei. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Nebenjob im Schuhladen

Trotz seiner Torjägerqualitäten, die Wolf für die größeren Klubs interessant macht, ist er seinem DEL-Klub Iserlohn treu geblieben.

"Mir gefällt es in Iserlohn. Ich spiele da seit sechs Jahren, bekomme meine Eiszeit und trotzdem kann ich mich noch weiterentwickeln. Das Umfeld ist einfach extrem wichtig. Es passt einfach alles", begründet der Flügelstürmer seinen Verbleib im Sauerland.

Vereinstreue und Familiensinn - Wolf ist auf dem Boden geblieben. Im Sommer, wenn die Eishockey-Saison pausiert, zieht es ihn zu den Eltern ins Allgäu nach Füssen.

Und dann arbeitet er sogar im Schuhladen Wolf, dem Geschäft seines Vaters: "Das ist in der Fußgängerzone, da verkaufe ich Schuhe."

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