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Deutschland landete bei der WM 2010 auf dem vierten Platz © imago

Die DEB-Auswahl dreht gegen Slowenien nach einem Zwei-Tore-Rückstand auf. Die Verteidiger nehmen dem Bundestrainer die Arbeit ab.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Korbinian Holzer blies die Backen auf, atmete tief durch.

Dann sagte er mit einem gequälten Gesichtsausdruck zu SPORT1: "Es ist schwierig, die Emotionen reinzubringen. Aber wir haben einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen." Und schon war das Lachen wieder zurück auf dem Gesicht des Verteidigers.

Trotz zu Beginn großer Probleme im Spielaufbau reichte es für die deutsche Nationalmannschaft im letzten Vorrundenspiel gegen Aufsteiger Slowenien zu einem 3:2 nach Penaltyschießen (Spielbericht).

"Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte Bundestrainer Uwe Krupp und bestätigte Holzer: "Es ist nicht die ganze Zeit möglich, emotional auf dieses Level zu kommen."

Probleme im Spielaufbau

Dies machte sich insbesondere zu Beginn des ersten Drittels deutlich. Die Mannschaft hatte große Probleme im Spielaufbau und das frühe Gegentor durch Ziga Jeglic (5.) spielte den Slowenen in die Karten (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Gegen Russland und die Slowakei kannst du nur über Konter kommen. Uns ist es schwer gefallen, in die Rolle reinzukommen", sagte Constantin Braun bei SPORT1.

Mit Rolle meinte der Berliner Verteidiger, selbst das Spiel zu machen (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Schwacher Beginn

"Wir waren im ersten Drittel nicht so geradlinig wie in den ersten beiden Spielen", stellte Holzer fest. Erst im zweiten Durchgang entfachte sein Team mehr Druck auf den Kasten von Sloweniens Keeper Robert Kristan.

"Ich denke die 60 Schüsse sprechen eine eindeutige Sprache, dass wir alles versucht haben, das Spiel in 60 Minuten zu beenden, und mit dem nötigen Druck aufs Tor gespielt haben", fuhr Holzer fort.

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Lob für Endras

Allerdings leistete sich die DEB-Auswahl weiterhin zu viele Fehler, einen davon bestrafte Rok Ticar (29.), als er einen Patzer Brauns nutzte und aus kurzer Distanz den chancenlosen Dennis Endras überwand.

"Dennis musste nicht viel halten, aber was er auf den Kasten bekam, waren sehr gute Chancen der Slowenen", sagte Krupp und stellte seinem Keeper nach dessen Pause gegen die Slowakei wieder ein gutes Zeugnis aus.

"Ich war überrascht"

Dass es am Ende doch noch zum dritten Sieg im dritten WM-Spiel und dem damit besten Start in ein Turnier seit 81 Jahren langte, lag an Michael Wolf, der in seinem 100. Ländespiel sein 36. Tor im Nationaltrikot erzielte, Felix Schütz und Frank Hördler.

Der Verteidiger entschied mit dem 16. Penalty die Begegnung 395253(DIASHOW: Bilder des Spiels).

[kaltura id="0_qe3xosdr" class="full_size" title="Gruppensieg statt Klassenerhalt"]

"Ich war überrascht. Ich habe noch nie einen Penalty geschossen. Aber sie haben mich einfach aufs Eis geschickt", sagte der 26 Jahre alte Berliner.

Verteidiger wollen ran

Nachdem von den Stürmern lediglich Patrick Reimer einen der vorangegangenen sieben verwandelt hatte, "meldeten sich die Verteidiger zu Wort", wie Krupp verriet.

"Sie wollten dass einer von ihnen eine Chance erhält. Die haben von hinten gerufen 'Lass den Frankie ran.' Es war keine Abstimmung, die hatten das schon entschieden", beschrieb der Bundestrainer die Entscheidung für Hördler.

Zu viele Fehler

"Wir haben Charakter, und der wird uns unheimlich helfen in den nächsten Runden. Die Euphorie treibt uns immer weiter nach vorne", blickte der Matchwinner auf die kommenden Spiele.

Als erster Zwischenrundengegner steht für das DEB-Team am Freitag (ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Finnland auf dem Programm.

Holzer warnt

Fest steht, der nächste Gegner wird auf jeden Fall ein härterer Prüfstein werden als die Slowenen.

Deshalb warnt Holzer: "Die Slowenen haben ein paar gute Chancen gehabt, wenn wir Fehler gemacht haben. Wir müssen schauen, dass wir das in den nächsten Spielen wieder abstellen. Es darf nicht sein, dass die Gegner schnell nach vorne spielen können oder Turnover in gefährlichen Zonen bekommen. Das ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel."

Über das fehlende Scheibenglück, das Krupp festgestellt hatte, wollte sich auch keiner beschweren. Braun sagte mit verschmitztem Lachen: "Wenn es uns heute gefehlt hat, ist es in der Zwischenrunde wieder da."

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