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Holzer spielte 2005 bei der U-18-WM zum ersten Mal für eine DEB-Auswahl © imago

Korbinian Holzer erst 23 Jahre alt, aber bei der WM in der Slowakei aus dem DEB-Team nicht wegzudenken. Uwe Krupp baut auf ihn.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Es waren Fragen, mit denen er sich sonst nicht auseinandersetzen muss.

Kein "Woran lag es, dass die Mannschaft sich im ersten Drittel so schwer getan hat?", kein "Was zeichnet die Arbeit des Trainers aus?", kein "Wie müssen Sie auftreten, um gegen den kommenden Gegner zu bestehen?"

Vielmehr einfache Fragen.

Fragen wie "Was tragt Ihr unter dem Trikot?", aber auch welches Gefühl er hatte, als er beim 4:3 gegen die Slowakei "gegen den zukünftigen Weltmeister" gewann, beschäftigten Korbinian Holzer und sechs weitere Nationalspieler, die die deutsche Schule in Bratislava besuchten.

Geradlinig und direkt

Doch auch darauf wusste Holzer immer eine Antwort.

Der Verteidiger der deutschen Nationalmannschaft antwortete ohne Umschweife - wie sein Spiel ist: direkt (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Das ist etwas, was der 23-Jährige in seinem ersten Jahr in Nordamerika gelernt hat. "Mein Spiel ist geradliniger geworden, schneller", sagt Holzer bei SPORT1.

Lob von Goldmann

"Er hat in Kanada viel gelernt", pflichtet auch SPORT1-Experte Rick Goldmann bei. "Er ist mit 23 Jahren bereits ein wichtiger Bestandteil im Team. Er ist sehr beweglich, das braucht man dort drüben. Er bringt seinen Körper sehr gut ein. Er spielt direkt."

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Und Kommentator Marc Hindelang meint: "Er spielt klar strukturiert."

Geradlinig? "Ja, das ist genau das richtige Wort, das ihn beschreibt", sagt Goldmann (Die WM - LIVE im TV auf SPORT1).

Holzer hat Uwe Krupp überzeugt

Mit dieser Art hat Holzer Bundestrainer Uwe Krupp überzeugt. Mit durchschnittlich 20:31 Minuten Eiszeit und 93 Wechseln bringt es der 1,90-Meter- und 94-Kilo-Brocken auf die Topwerte im deutschen Team.

"Es ist schön zu wissen, dass der Trainer auf mich setzt", sagt Holzer. "Es hilft ungemein, das Vertrauen des Trainers zu spüren."

Team setzt auf Selbstvertrauen

Zumal das Selbstvertrauen in einem Turnier "eine große Rolle" spielt.

Die deutschen Spieler werden nicht müde, es nach jedem Spiel, jedem Training zu erwähnen.

[kaltura id="0_u1pkrs3o" class="full_size" title="Holzer im SPORT1 Interview"]

Holzer ist mit großem Selbstbewusstsein zur Nationalmannschaft gestoßen. Mit der ersten Saison bei den Toronto Marlies, dem Farmteam des NHL-Klubs Maple Leafs war er sehr zufrieden.

"Ich hatte ein gutes Jahr drüben, habe viel gelernt und mich gut weiterentwickelt", sagt Holzer.

Trainer sind zufrieden

Diese Erfahrungen versucht der ehemalige Düsseldorfer einzubringen.

"Wenn es mal nicht so läuft, einen Check anzusetzen, mehr Emotionen reinzubringen", erklärt Holzer. "Die aggressive Spielweise, dem Gegner zu zeigen, dass es hier nichts zu holen gibt. Drüben ist das gang und gäbe."

Drüben, in Toronto, sind die Trainer zufrieden mit dem gebürtigen Bad Tölzer. Einsätze in Unter- und Überzahl für die Marlies.

"Ich habe drüben alle Spiele bestritten, habe viel Eiszeit bekommen. Die Trainer sagten mir, dass ich mich gut entwickelt habe. Und dass ich nah dran bin."

"Sprung nach oben" steht an

Gleich in seiner Premierensaison in Nordamerika kam Holzer in der NHL zum Einsatz, zu zwei Spielen. "Das hatte ich nie gedacht, da war ich schon sehr überrascht."

Zwei Strafminuten, ein Schuss auf das gegnerische Tor und eine Plus-Minus-Bilanz von -1 bei durchschnittlichen 13 Minuten Eiszeit waren die Ausbeute.

In der folgenden Spielzeit steht nun "der Sprung nach oben an". Die Konkurrenz ist allerdings groß. "Wir haben schon jetzt sieben Ein-Weg-Verträge", sagt er. "Und mit mir sind es vier oder fünf, die nah dran sind."

"Trainer darf keine Angst haben, wenn du auf dem Eis stehst"

Was muss Holzer denn machen, damit es zum Sprung nach oben, wie er es bezeichnet, reicht?

"Wichtig ist, den Trainern zu zeigen, dass sie dir Vertrauen können, egal gegen wen sie einen aufs Eis schicken. Du musst dem Trainer zeigt, dass du defensiv auf dem Level spielen kannst."

Einfacher ausgedrückt: "Der Trainer darf keine Angst haben, dass ein Tor fällt, wenn du auf dem Eis stehst."

Diesen Punkt dürfte Holzer erfüllt haben. Russlands Superstar Ilya Kovalchuk blieb gegen die deutsche Mannschaft blass, war abgemeldet und auch am Ausschalten des Slowaken Marian Hossa, mit 7,9-Millionen-Dollar im Jahr Topverdiener des Turniers, spielte Holzer eine große Rolle.

Holzer wird zur Holzuhr

"Die offensive Komponente sollte dann noch dazukommen", führt Holzer weiter aus. Hierbei blieb ihm ein Punkt bisher verwehrt, allerdings feuerte er bereits fünfmal auf den gegnerischen Kasten.

Nur Robert Dietrich, mit dem Holzer das Verteidigerpaar im Powerplay bildet, schoss häufiger (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Sein großes Ziel für die kommende Spielzeit ist einfach: "Mehr Spiele oben machen und meine Leistung bestätigen. Dann kommt der Rest von ganz alleine", sagt Holzer, dessen Name im Programmheft lautschriftlich als "HOHL-zuhr", also Holzuhr, angegeben ist.

"Alles etwas größer"

Weiß er davon? "Bis grad eben noch nicht. Aber stimmt. Bis jetzt hat es auch aus der Mannschaft noch keiner gemerkt, den Spitznamen habe ich noch nicht weg"?, sagt Holzer und lacht.

Seine Augen glänzen und er gerät ins Schwärmen, als er von Toronto spricht: "Das ist eine super Stadt, eine Eishockeyverrückte Stadt. Alles ist etwas größer als bei mir zu Hause auf dem Land", sagt Holzer.

Langweilig wird ihm in der kanadischen Metropole nie. Denn mit Marcel Müller steht ein zweiter deutscher Spieler in Toronto unter Vertrag.

"Wir haben viel zusammen unternommen. Man ist schon froh, wenn man jemanden hat, der die eigene Sprache spricht", beschreibt Holzer die Zeit. "Der Maller ist ein lustiger Typ. Wir haben viel Spaß."

Holzer: Wir werden Weltmeister

Und was war jetzt eigentlich die Antwort auf die Frage, welches Gefühl er hatte, als er beim 4:3 gegen die Slowakei "gegen den zukünftigen Weltmeister" gewann?

"Da hat der zukünftige Vizeweltmeister gegen den zukünftigen Weltmeister verloren."

Einfach, geradlinig, selbstbewusst - so wie auch Holzer ist.

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