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Gegen Finnland kassiert die deutsche Nationalmannschaft die erste Niederlage dieser WM © getty

Lang liegt das DEB-Team auf Siegkurs, doch Finnland schafft es in die Verlängerung - und behält im Penalty-Schießen die Nerven.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Die Erfolgsserie der deutschen Mannschaft bei der Eishockey-WM in der Slowakei ist beendet, die Viertelfinal-Teilnahme hat sich die deutsche Mannschaft dennoch gesichert.

Gegen Ex-Weltmeister Finnland unterlag die Auswahl von Bundestrainer Uwe Krupp zwar mit 4:5 (1:1, 3:2, 0:1, 0:0, 0:1) nach Penaltyschießen.

Durch den Punktgewinn verbunden mit der 2:3-Niederlage der Slowakei gegen Weltmeister Tschechien ist dem DEB-Team der vierte Platz in der Zwischenrundengruppe E und damit der Einzug in die Runde der letzten Acht nicht mehr zu nehmen.

Andre Rankel (15.), Felix Schütz (27.), Kai Hoselt (28.) und Patrick Reimer (40.) waren für Deutschland erfolgreich, Tuomo Ruutu (1./55.), Janne Pesonen (32.) und Jarkko Immonen (39.) trafen für die Finnen, den entscheidenden Penalty versenkte Mikko Koivu.

"Wollten die Hymne hören"

"Das war unheimlich schwer heute. Die Finnen haben ums Überleben gekämpft. Wir haben uns trotzdem sehr gut geschlagen und verdient einen Punkt geholt", sagte Krupp SPORT1.

Der nachnominierte Marcus Kink zeigte sich ebenso stolz: "Das war wieder ein Riesen-Spiel, wir sind als Mannschaft aufgetreten und das macht es unseren Gegnern so schwer."

"Wir waren nach der Nachspielzeit erleichtert über den einen Punkt, aber wir wollten unbedingt den zweiten und die Hymne hören", sagte Kink SPORT1.

Kein Veto der Schiedsrichter

Dabei deutete in den ersten Minuten nichts auf einen Punktgewinn hin (DATENCENTER: Der WM-Spielplan) .

Die Begegnung hatte noch gar nicht richtig begonnen, da fand sich die deutsche Mannschaft schon im Hintertreffen wieder.

Nach dem Bully brachte Ruutu den Puck vor das Tor von Dennis Endras und von Robert Dietrichs Schlittschuh prallte die Scheibe des stürzenden Verteidigers an Endras vorbei ins Tor.

Der Mannheimer war von Finnlands Kapitän Mikko Koivu bedrängt worden, bevor er zu Boden ging. Dietrich beschwerte sich daraufhin beim Schiedsrichter, die russich-schweizerische Referee-Kombo Konstantin Olenin und Brent Reiber blieb jedoch bei ihrer Entscheidung.

Endras wieder in Topform

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Der Gegentreffer wirkte wie ein Schock. Die Finnen schnürten die DEB-Auswahl im eigenen Drittel ein, Gegenangriffe blieben vorerst Fehlanzeige. Seine Vorderleute konnten sich bei Endras bedanken, der mehrmals die deutsche Mannschaft vor dem zweiten Gegentreffer bewahrte.

Seine beste Aktion hatte der Augsburger Keeper, als er in der 12. Minute Mikael Granlunds Alleingang mit dem rechten Schoner abwehrte.

Ein spektakulärer Check von Korbinian Holzer gegen Finnlands Kapitän Koivu schien die Mannschaft zu wecken.

In der 13. Minute kam die Krupp-Truppe erstmals gefährlich vors Tor. Bezeichnend war, dass dies nur unter finnischer Mithilfe gelang. Frank Mauer passte von hinter der Torlinie vors Tor und von Lasse Kukkonens Schlittschuh sprang der Puck am langen Pfosten vorbei.

Schmeichelhaftes Remis

Zwei Minuten später war die DEB-Auswahl zielsicherer. Nach Michael Wolfs Schuss ließ Finnlands Keeper Teemu Lassila den Puck nach vorne abprallen und im Fallen verwandelte Rankel den Rebound zum Ausgleich (15.).

Ein zu dem Zeitpunkt sehr schmeichelhaftes Unentschieden, schließlich waren es erst die Torschüsse 5 und 6, während die Finnen am Ende des Drittels auf 19 kamen.

[kaltura id="0_u1pkrs3o" class="full_size" title="Wolf Sind mit einem Punkt zufrieden"]

DEB-Team schaltet schnell um

Die optische Überlegenheit der Finnen setzte sich auch in den zweiten 20 Minuten fort, doch die deutsche Mannschaft agierte clever, hatte in Endras einen schier unüberwindbaren Rückhalt und war ungemein effektiv.

Den elften deutschen Torschuss von Gogulla fälschte Schütz durch die Schoner von Lassila zur Führung ab (27.), und während die Finnen noch grübelten, schlug die deutsche Mannschaft erneut zu.

Finnland immer druckvoller

Hospelt brachte den Puck vom linken Flügel Richtung Kasten, von zwei finnischen Schlägern abgefälscht, schlug der Puck hinter Lassila in den Winkel ein (28.). Der Keeper sah dabei alles andere als gut aus. Es war der 13. Torschuss. Finnlands Druck nahm erneut zu.

An Endras war jedoch vorerst kein Vorbeikommen. Erst parierte er gegen Immonen aus kurzer Distanz (29.). anschließend scheiterte Juhamatti Aaltonen (31.).

Kopf-Tor von Personen

Ein kurioser Abpraller war für die Finnen von Nöten, um zum Anschluss zu kommen. Nach Granlunds Pass von hinterm Tor, sprang der Puck von Endras? Schläger gegen das Visier Pesonens und von dort ins Tor.

Und Finnland drückte weiter. Niskala spazierte durch die neutrale Zone, zog ab, aber Endras war mit der Fanghand da (33.), mit dem Schoner gegen Aaltonen (36.) und erneut mit der Fanghand gegen Kukkonen (38.).

"Es war eben einer dieser tage, an dem bei den Finnen einfach alles zusammen gelaufen ist. Da muss man als Torhüter durch", so Endras nach der Partie. "Aber der eine Punkt fühlt sich wie ein Sieg an."

Torhüter-Wechsel bei Finnland

Knapp zwei Minuten vor Ende des zweiten Durchgangs musste er dann doch ein drittes Mal hinter sich greifen. Bei angedeuteter Überzahl passte Pesonen auf den freien mitgelaufenen Immonen, der nur noch einschieben musste (39.).

Keine 60 Sekunden später fanden sich die Finnen erneut im Rückstand wieder. Reimer nahm sich im deutschen Drittel spazierte in die Angriffszone und zog aus dem Handgelenk ab - 4:3.

Für Finnalnds Keeper Lassila bedeutete der vierte Gegentreffer beim 15. Torschuss das Spielende. Jalonen ersetzte ihn durch Petri Vehanen.

Keine großen Chancen für Finnland

Viel zu tun im Schlussabschnitt bekam der finnische Keeper nicht. Vielmehr sah er seine Vorderleute immer wieder an Endras verzweifeln. Ruutu (43.), Aaltonen (45.) blieb erneut das Nachsehen. (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Aber Vehanen hatte auch Glück, als ein Rückhandschuss von Frank Mauer vom Pfosten zurück ins Feld prallte (49.).

Die Finnen hatten weiterhin mehr vom Spiel, zu echten Chancen kam der Weltmeister von 1995 jedoch nicht.

Reimer wird zum Pechvogel

So musste erneut ein kurioser Treffer herhalten, anders war der deutsche Keeper nicht zu überwinden. Ein abgefälschter Schuss von Ruutu sprang vom Pfosten gegen Endras Rücken und von dort ins Tor (55.).

In der Schlussminute war er dann aber wieder zur Stelle, verhinderte erst Immonens Versuch, anschließend scheiterte Pasi Puistola.

Nach torloser Verlängerung musste der Shootout die Entscheidung bringen.

Nachdem beide Teams zwei Penaltys verwandelt hatten, scheiterte Reimer bei seinem zweiten Versuch an Vehanen, Koivu versenkte seinen zweiten zur Entscheidung.

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