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Ralph Krueger trainierte bis 2010 die Schweizer Nationalmannschaft © imago

Der Favorit auf die Krupp-Nachfolge rät dem Bundestrainer von der Doppelbelastung ab - aufgrund seiner eigenen Erfahrungen.

Bratislava - Der Wunschkandidat ist schon da. Ralph Krueger sitzt bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft in der Onrej Nepela Arena in Bratislava. Ganz oben, in der VIP-Loge.

Der Weg hinunter an die Bande ist lang und voller Hindernisse.

"Ich habe einen Vertrag bei den Edmonton Oilers in der NHL. Und bevor der nicht abgelaufen ist, kann ich nicht über die Zukunft sprechen", sagte der Deutsch-Kanadier.

Der 51-Jährige weiß, dass er auf der Kandidatenliste für die Nachfolge von Bundestrainer Uwe Krupp ganz oben steht.

Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), hat ihn deshalb schon in Edmonton besucht, hat versucht, ihn von seinem Job als Co-Trainer bei den Oilers loszueisen. Ohne Erfolg.

Krueger begeistert

"Ich bin nach Edmonton gegangen um mich weiterzubilden und meinen Horizont zu öffnen und ich werde diese Geschichte zu 100 Prozent zu Ende bringen", sagt der ehemalige Nationalspieler bei SPORT1.

Noch ein Jahr läuft sein Vertrag bei dem ehemaligen Klub von Wayne Gretzky, dann könne man weiter sprechen. Die Aufgabe beim DEB interessiert ihn zweifellos: "Es wäre eine große Ehre. Und dass das eine Möglichkeit in der Zukunft ist, ist sehr, sehr klar."

Denn das, was er aus der VIP-Loge sieht, begeistert ihn (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Da spielt die stärkste deutsche Mannschaft, die ich je gesehen habe", schwärmt er und denkt dabei sicher nicht nur an seinen Sohn Justin, der seine zweite WM in der DEB-Auswahl bestreitet.

Kontakt über den Sohn

Über den Filius kam im vergangenen Jahr bei der grandiosen Heim-WM auch der erste Kontakt mit Harnos zustande. Krupp überlegte lange, ob er als Bundestrainer weitermachen wollte.

Der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger entschied sich dann doch für die Nationalmannschaft, Krueger nutzte die Chance in Edmonton und unterschrieb einen Zweijahresvertrag (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

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Keine Doppelfunktion

Jetzt ist das Thema wieder aktuell, weil Krupp nach der WM in der Slowakei als Teammanager zu den Kölner Haien wechselt. Ein Bundestrainer in Doppelfunktion komme definitiv nicht infrage, entschied Harnos schon vor Monaten.

Eine Entscheidung, die Krueger durchaus befürwortet: "Ich habe in der Schweiz in Doppelfunktion gearbeitet und ich muss sagen, am Ende war ich wirklich kaputt."

Doch weil der Wunschkandidat Krueger unabkömmlich ist, sucht der Präsident jetzt verzweifelt nach einer Lösung für ein Jahr - in der Hoffnung, dann seinen Wunschkandidaten zu bekommen.

Harnos in Erklärungsnot

Mit Jakob Kölliker, lange Jahre Kruegers Assistent in dessen Zeit als Schweizer Nationaltrainer, gab es Gespräche.

Auch der Name Peter John Lee, ebenfalls Kruegers Vertrauter und langjähriger Co-Trainer neben seinem Hauptjob als Manager der Eisbären Berlin, fiel mehrmals.

Doch nun entwickelt die WM in Bratislava eine Eigendynamik. Der beeindruckende Auftritt der Nationalmannschaft mit Siegen gegen Rekordweltmeister Russland (Bericht) und Gastgeber Slowakei (Bericht) bringt Harnos in Erklärungsnot.

Warum sollte Krupp nicht übergangsweise weitermachen, bis Krueger zur Verfügung steht?

Lob für Krupp

Die Zahl der prominenten Befürworter dieser Lösung wächst von Tag zu Tag, und es gibt erste Signale aus dem DEB-Präsidium, dass Harnos doch noch umfällt.

Die Entscheidung, so heißt es, soll am 16. Mai, einen Tag nach der WM, fallen.

Krueger jedenfalls lobt Krupp, mit dem er "bestens befreundet" ist, in den höchsten Tönen.

"Er leistet ausgezeichnete Arbeit. Er hat eine Linie reingebracht, die unbedingt beibehalten werden muss", sagt er, "Uwe legt Wert auf den Charakter der Spieler, ihre Teamfähigkeit. Er ist der Beweis, dass Kontinuität im Sport funktionieren kann."

Von der Doppelfunktion rät er ihm dennoch ab: "Ich habe es erlebt und es ist nicht das Ideale", erklärte Krueger am Rande des Spiels gegen Tschechien (Spielbericht) bei SPORT1.

"Die Basis ist schon groß"

Beeindruckt ist der ehemalige Torjäger der Düsseldorfer EG vor allem von den ungewohnten Offensivqualitäten der deutschen Mannschaft.

"Zum ersten Mal in einer ganzen Generation ist Toreschießen kein Problem, das war in der Vergangenheit immer eine Schwierigkeit", sagt er: "Diese frechen, jungen Spieler trauen sich was zu in der Offensive."

Es ist nicht schwer herauszuhören, dass Krueger mit dieser Mannschaft gerne arbeiten würde. "Man darf ja nicht vergessen, dass noch alle deutschen NHL-Spieler fehlen", merkt er an, "die Basis ist schon groß."

Der Weg aus der VIP-Loge hinunter an die Bande aber auch lang.

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