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Uwe Harnos ist seit 2008 Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes © imago

Immer neue Probleme türmen sich vor dem DEB-Präsidenten auf. Die DEL fordert die Auflösung des jetzigen Verbandes.

Bratislava - Unbeschwert genießen konnte Uwe Harnos die WM-Auftritte der deutschen Nationalspieler nicht (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Wohin der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auch schaute, überall taten sich Probleme auf.

Die erfolglose Bundestrainersuche, immer neue Spekulationen über den Nachfolger von Uwe Krupp, die Entmachtung des populären Sportdirektors Franz Reindl, der erneute Krach mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) - jenseits der Bande gibt der DEB während der WM in der Slowakei ein ganz schlechtes Bild ab.

DEL geht in die Offensive

Die Schwäche des Verbandes nutzte die DEL. Sie fordert unverhohlen die Auflösung des Verbandes in der jetzigen Form.

"Wir sind für ein Zusammengehen von Liga und DEB, wenn klar ist, wer dabei die Führung hat", sagte DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold:

"Es kann jedenfalls nicht sein, dass eine professionell aufgestellte DEL indirekt von Landesverbänden, die auf den Amateursport fokussiert sind, dominiert und gesteuert wird."

"Für beide Seiten ein Fiasko"

Harnos äußerte sich im Rahmen des Spiels der Nationalmannschaft gegen Schweden (Bericht) zur Situation.

"Es fällt mir im Moment schwer, die Contenance zu bewahren. Wir können uns mit diesen Aussagen nicht anfreunden. Wenn kein Kooperationsvertrag zustande kommt, wäre das für beide Seiten ein Fiasko", sagte Harnos bei SPORT1.

"Wilde Liga"

Die Drohung von Harnos, die DEL werde zur "wilden Liga", wenn man sich nicht auf einen neuen Kooperationsvertrag einige, konterte Arnold:

"Dann müsste die Nationalmannschaft aus Nachwuchsspielern rekrutiert werden. Das würde den Marktwert des DEB-Teams ins Bodenlose fallen lassen."

Zudem würde die Liga pro "immense Leistungen in Millionenhöhe" sparen.

Diskussionen werden hitziger

Harnos selbst vertagte alle drängenden Fragen auf die Zeit nach der WM. "Am 16. Mai werden wir uns dazu äußern", sagte der DEB-Präsident immer wieder und verwies auf die anstehende Präsidiumssitzung am Tag nach dem Finale.

Derweil wurden die Diskussionen immer hitziger, alle Seiten nutzten die WM, um ihre Position darzustellen, nur Harnos nicht.

[kaltura id="0_xkq53d5v" class="full_size" title="Zuversicht vor dem Viertelfinale"]

Der Scheidungsanwalt kehrte nach dem zweiten Vorrundenspiel nach Kaufbeuren zurück, um wichtige juristische Termine wahrzunehmen.

Erst am Mittwoch, als die deutsche Mannschaft im Viertelfinale auf Schweden traf, war er wieder in Bratislava.

Kruegers Zukunft offen

Da war der Schaden schon immens. Wunschkandidat Ralph Krueger hatte längst öffentlich klargestellt, dass er zwar mit dem DEB über das Amt des Bundestrainers gesprochen, aber niemandem etwas versprochenhabe.

Im nächsten Jahr könne man sich erneut unterhalten, sagte Krueger.

Im WM-Pressezentrum plauderte Kruegers langjähriger Assistent Jakob Kölliker derweil aus, dass er vom DEB kontaktiert wurde.

"Eine Aufgabe auf diesem Niveau ist immer interessant", sagte der ehemalige Schweizer Rekordnationalspieler, er wisse aber selbst nicht, ob sein Name "in der Schublade oder auf dem Schreibtisch" liege.

Bleibt Krupp?

Im Internet unterstützten bis Mittwoch fast 5000 Fans die Facebook-Kampagne "Uwe Krupp muss bleiben".

Altinternationale und aktuelle Nationalspieler sprachen sich für einen Verbleib des künftigen Teammanagers der Kölner Haie an der deutschen Bande aus.

Plötzlich gab es erste Signale, Harnos könnte sein kategorisches Nein gegen eine Doppelfunktion Krupps doch noch einmal überdenken.

"Eigentlich eine Katastrophe"

Und Reindl, der nach der WM nur noch DEB-Generalsekretär, aber nicht mehr Sportdirektor sein wird, genoss in vollen Zügen den sportlichen Erfolg.

In dem Wissen, dass er ihn auch an seine Fahnen heften kann, denn die kontinuierliche Aufbauarbeit der vergangenen Jahre, die Heranführung der jungen Spieler über die U18 und U20 an die A-Nationalmannschaft, das sind Ergebnisse der Arbeit des Duos Reindl/Krupp (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

[image id="091506ca-647a-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Höchst bedauerlich" nannte Reindl das bevorstehende Ende dieser Ära, "eigentlich eine Katastrophe".

Kooperationsvertrag als Problem

Das größte Problem ist allerdings der am 30. April ausgelaufene Kooperationsvertrag mit der DEL. Bei der WM bewegen sich die deutschen Nationalspieler juristisch schon auf dünnem Eis.

Die Fronten sind völlig verhärtet. Erst zwei Tage vor Auslaufen der alten Vereinbarung erhielt die DEL vom DEB einen neuen Vertragsentwurf.

Der Vorschlag der Liga lag bei Harnos schon seit Februar auf dem Schreibtisch.

Tripcke fordert Mitspracherecht

Knackpunkte sind der Auf- und Abstieg: "Man kann das nicht mit Fußball vergleichen. Man muss sich genau anschauen, wieviel Profi-Eishockey Deutschland verträgt", erklärte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke bei SPORT1.

"Wir sind der Meinung, dass die sportlich Verantwortlichen in der DEL schon ein federführendes Mitspracherecht erhalten sollten", fügte er an.

Während der DEB die Zuständigkeit - zwischenzeitlichen Kompromissvorschägen zum Trotz - alleine behalten will, möchte die DEL mehr Einfluss und mehr Transparenz.

Sie will wissen, wofür die rund 750.000 Euro, die sie jährlich an den Verband überweist, verwendet werden.

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