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Nach dem Ausscheiden: Marcus Kink (2.v.l.) umarmt Goalie Dennis Endras © getty

Nach dem Aus gegen Schweden blicken die Spieler nach vorne. Doch das Chaos im Verband überlagert den Erfolg der Mannschaft.

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Das Spiel ist keine 30 Minuten beendet, da rückt das sportliche Geschehen schon wieder in den Hintergrund.

Nicht das erfolgreiche Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in der Slowakei mit der Viertelfinalteilnahme und dem Aus in der Runde der letzten Acht durch das 2:5 gegen Schweden (Bericht) ist das Thema 400166(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Im Pressezentrum, kurz nach dem Ausgang aus der Mixed Zone, in der sich die Spieler den Fragen der Journalisten stellen, steht DEB-Präsident Uwe Harnos, gemeinsam mit Marketingchef Manuel Hüttl.

Er scheint nicht nur da zu stehen, mehr zu warten (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

DEB-Boss in der Medientraube

Es bildet sich eine kleine Traube an Medienvertretern um den DEB-Präsidenten.

Bei den ersten Fragen hält sich Harnos noch zurück, je länger das Gespräch dauert, antwortet er ausführlicher, zur Kontroverse zwischen DEB und DEL, zum Kooperationsvertrag und zur Diskussion um die Nachfolge von Bundestrainer Uwe Krupp.

Wirklich Stellung bezieht er nicht.

Das Abschneiden und die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft erwähnt er nur kurz.

Krupp würdigt "ein erfolgreiches Turnier"

Dies übernimmt wenige Minuten später Uwe Krupp.

Auf der Pressekonferenz lobt er seine Mannschaft für "ein erfolgreiches Turnier, eine starke Leistung". Auch wenn die Partie um den Halbfinaleinzug verloren ging, stellt Krupp die Vorzüge der Mannschaft in den Vordergrund.

"Sie hat gekämpft, hat sich nach dem erneut frühen Rückschlag nie aufgegeben", sagt der Bundestrainer.

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Wieder ein frühes Gegentor

"Schon wieder so ein Tor, schon wieder in der ersten Minute. Da denkst du dir auch: 'Das kann nicht wahr sein'", meint Korbinian Holzer zur Führung der Schweden nach 27 Sekunden, als Robert Dietrich einen Schuss von Martin Thörnberg ins eigene Tor ablenkte.

Es ist nach drei kuriosen Toren im Finnland-Spiel - zwei Eigentore und ein Helmtor eines Finnen - und zwei von deutschen Spielern ins eigene Tor abgefälschten Schüssen gegen Tschechien erneut ein skurriler Gegentreffer (STATISTIK: Goalgetter und Hexer).

Zumal es so früh fällt. Wie schon gegen Finnland, wie schon gegen Tschechien.

"In den letzten vier Spielen hatten wir das Glück nicht auf unserer Seite", sagt Holzer. "Wir haben einfach kein Glück gehabt. Wir haben vier Mal an den Pfosten geschossen", pflichtet ihm Dennis Endras bei.

[kaltura id="0_ugkwaro2" class="full_size" title="Krupp Alle Erwartungen bertroffen "]

Chancenauswertung als Problem

"Wir haben gut mitgespielt. Dann sind wir beim zweiten und beim dritten Tor in Konter reingelaufen. Das hat uns das Spiel gekostet", führt der Augsburger Keeper weiter aus.

Und vor allem die Chancenauswertung.

Dies unterscheidet die deutsche Mannschaft noch von den Spitzennationen wie Tschechien oder Schweden.

"Die hatten nicht so viele hochkarätige", sagt Endras, "aber in den entscheidenden Phasen haben sie ihre Chancen genutzt".

"Können stolz sein"

Trotz der vier Niederlagen zum Ende des Turniers nach drei Siegen zum Auftakt überwiegen bei der deutschen Mannschaft die positiven Eindrücke. "Das Viertelfinale ist ein großer Erfolg fürs deutsche Eishockey. Das war eine Bestätigung der Leistung vom letzten Jahr", meint Endras.

Und Holzer fügt hinzu: "Wir haben in zwei von sieben Spielen nicht gepunktet. Wenn uns jemand vor dem Turnier gesagt hätte, dass wir nach vier Spielen das Viertelfinale erreichen, wäre jeder hochzufrieden gewesen."

Zumal mit dem historischen Sieg über Russland und dem Triumph über die Slowakei zwei große Nationen in ein und demselben Turnier besiegt wurden.

"Wenn man in ein paar Tagen alles noch mal Revue passieren lässt, das wir Russland geschlagen haben, das wir die Slowakei vor 10.000 Zuschauern besiegt haben, dass wir mit allen großen Nationen mitspielen konnten, dann können wir stolz sein", hält Holzer fest.

Etablieren unter den besten Acht

Stellen sich nun die Fragen, welche Schlüsse die Spieler aus dem Turnier ziehen und was von der deutschen Mannschaft in den kommenden Jahren zu erwarten ist?

"Wir sind näher herangekommen an die Top-Teams und wenn wir den Weg weitergehen, können wir uns im nächsten Jahr unter den ersten Acht etablieren", gibt Holzer das Ziel vor. Dennoch relativiert der Verteidiger des NHL-Klubs Toronto Maple Leafs zunächst noch.

"Unser Hauptaugenmerk wird bleiben, dass wir die Zwischenrunde erreichen", sagt er instinktiv, ehe er seinen Fehler bemerkt. "Halt, nächstes Jahr gibt es ja keine Zwischenrunde mehr. Klar wir wollen den Abstieg vermeiden, aber mit dem neuen Modus muss ja dann das Ziel Viertelfinale heißen."

Schließlich habe man gezeigt, dass man sich vor "keinem verstecken braucht".

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Nächster Schritt: "Füße hochlegen"

Zwei etwas andere Wünsche hatten die Spieler nach dem erfolgreichen Abschneiden dann noch.

"Ausspannen und dann freu ich mich auf daheim und ein richtiges bayrisches Essen", sagt Holzer und Endras meint: "Die Füße hochlegen. Jetzt haben wir uns eine Pause verdient."

Im Gegensatz zum DEB.

Denn während die Mannschaft ihre Aufgaben mit Bravour gemeistert hat und sich zurücklehnen kann, stehen für den Verband entscheidende Tage an.

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