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Das DEB-Team stand nach der WM 2010 auf Rang neun der IIHF-Weltrangliste © getty

Zum großen Wurf hat es bei der WM noch nicht gereicht. Aber der Bundestrainer hinterlässt seinem Nachfolger "eine super Truppe".

Aus Bratislava berichtet Rainer Nachtwey

Bratislava - Franz Reindl legte Zeigefinger und Daumen ans Kinn, strich langsam darüber. Er musste länger überlegen, dann sagte er: "Nein, daran kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern."

Die Frage war: "Wann hat eine deutsche Mannschaft das letzte Mal das Viertelfinale nach vier Spielen erreicht?"

"Haben wir das überhaupt schon einmal geschafft?", kam die Gegenfrage.

Wenn sich Franz Reindl nicht daran erinnern kann, ist das ein gutes Zeichen, dass es sich um eine Premiere handelt.

"Wir können stolz sein"

Gegen Russland ist der deutschen Nationalmannschaft bei der 75. Eishockey-WM in Bratislava eine weitere gelungen.

Erstmals ein Sieg über die Sbornaja bei Titelkämpfen, dem großen Titelfavorit ein Bein gestellt.

"Wenn man in ein paar Tagen alles noch mal Revue passieren lässt, dass wir Russland geschlagen haben, dass wir die Slowakei vor 10.000 Zuschauern besiegt haben, dass wir mit allen großen Nationen mitspielen konnten, dann können wir stolz sein", sagte Korbinian Holzer nach dem Aus im Viertelfinale gegen Schweden (Bericht).

"Unser Ziel muss Viertelfinale heißen"

Aber ist die DEB-Auswahl schon so weit, dass sie in den kommenden Jahren mit all den Großen mitspielen kann?

"Das war eine Bestätigung der letztjährigen Leistung", sagt Keeper Dennis Endras mit Blick auf die vergangene WM 2010 in Deutschland, als die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp überraschend bis ins Halbfinale vorgestoßen war.

"Wir haben gezeigt, dass das kein Zufall war, dass wir an die Top Acht näher rangekommen sind", führt Holzer fort.

"Wir müssen uns in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Dann können wir uns bei der nächsten WM unter den ersten Acht etablieren. Wir brauchen uns vor keinem verstecken. Unser Ziel muss Viertelfinale heißen."

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Kader noch zu dünn besetzt

Bundestrainer Uwe Krupp warnt jedoch vor gestiegenen Erwartungen. "Ich wäre etwas vorsichtig mit Prognosen für die nächste Saison", sagt Krupp. "Wir haben viele Baustellen im deutschen Eishockey. Die letzten beiden Jahre waren außergewöhnlich gut. Ich bin überzeugt, dass dies nicht die Norm war."

Zur Weltspitze fehle der Mannschaft noch viel. Schon allein der Pool an Spielern, wie ihn die großen Nationen haben.

"Es gibt nicht viele Topspieler. Wir sind im Vergleich zur Weltspitze mit Tschechien, Finnland, Schweden auf verschiedenen Positionen noch dünner besetzt", meint der Bundestrainer.

Krupp dämpft die Prognosen

Aber Krupp hat auch festgestellt, dass "wir frech mitspielen, auch spielerisch zum Teil mithalten können".

Die Großen ärgern, ein Bein stellen? Ja, aber zum ganz großen Wurf reicht es nicht.

"Sich unter den Top Acht Nationen zu positionieren, geht nur über eine hervorragende Leistung. Wenn wir nur in die Zwischenrunde gekommen wären, wäre auch das sportlich gesehen ein Erfolg gewesen", dämpft Krupp die Prognosen.

[kaltura id="0_ugkwaro2" class="full_size" title=" Stolz auf meine Mannschaft "]

Nachwuchsförderung ist das Schlagwort

Aber die Mannschaft ist jung. Mit John Tripp (34), Daniel Kreutzer (31) und Kapitän Michael Wolf (30) gehören nur drei Spieler zur Ü-30-Fraktion. Im Schnitt bringt es die DEB-Auswahl auf 26 Jahre.

Bereits 2010 waren 17 Spieler dabei. Es hat sich ein fester Kern gebildet, der noch Jahre lang zusammenspielen kann. "Mit dieser Mannschaft werden wir noch viel Spaß haben", sagt Reindl, und Krupp hält fest: "Es gibt viele Spieler, die auf dem Sprung in die Nationalmannschaft sind."

Und das Wichtigste: "Die nächsten Jahre sehen recht gut aus."

Aber - und darauf legt der Bundestrainer immer wieder Wert -, diese jungen Spieler müssen gefördert werden. Krupps Engagement in der Jugendarbeit und die Einführung neuer Strukturen und Konzepte "trägt jetzt Früchte", wie Reindl es gerne ausdrückt.

Krupps Konzept ist aufgegangen

"Ich kenne die Jungs seitdem sie 16 Jahre alt sind. Das ist ein gutes Konzept, das sich bewährt hat", sagt auch Krupp. ?"Da kommen schon einige. Aber wir reden hier nicht von 30 Spielern, es gibt immer wieder ein, zwei, die nachkommen. So viele Gogullas, Gawliks oder Schützs entwickeln wir nicht."

Seitens der Spieler erhält Krupp diesbezüglich großes Lob. "Wir alle wissen, dass der Uwe gute Arbeit geleistet hat, dass sein jahrelanges Konzept aufgegangen ist."

Zumal zu diesem Konzept auch eine Handvoll Junioren-Nationalspieler wie Tom Kühnhackl oder Philipp Grubauer gehören, die ihre Entwicklung in Nordamerika vorantreiben.

"Wir kennen sie alle gut. Aber sie müssen auch erst einmal zeigen, in wieweit die sich im internationalen Spielbetrieb durchsetzen können. Man muss die Entwicklung der Spieler weiter beobachten", sagt Krupp.

"Wie es der Uwe macht"

Krupp spricht immer wieder von Baustellen im deutschen Eishockey. Eine der größten ist die des Bundestrainers. Denn der ehemalige NHL-Profi beendet seine Tätigkeit beim DEB, wechselt zu den Kölner Haien.

Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Möglicherweise er selbst, in einer Doppelfunktion als Vereinstrainer und Bundestrainer.

Die Spieler wären von einer weiteren Zusammenarbeit begeistert. "Jetzt hoffen wir, dass der richtige Mann kommt, der Uwes Konzept weiterführt, der die Nachwuchsteams mit einbezieht, wie es der Uwe macht. Aber vielleicht macht er auch in der Doppelfunktion weiter", sagt Holzer.

"Uwe hat alles bestmöglich hinterlassen"

Wenn nicht, kann sich sein Nachfolger auf "eine super Truppe" freuen.

"Der Uwe hat alles bestens hinterlassen. Er hat die deutsche Nationalmannschaft in der Breite besser gemacht. Er hat eine gute Basis hinterlassen, egal wer jetzt kommt. Der Uwe hat alles bestmöglich angerichtet."

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