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Florian Busch (r.) bestritt 2002/03 seine ersten DEL-Spiele für die Eisbären © getty

Der Berliner darf aufatmen: Er kann trotz verweigerter Dopingkontrolle nicht gesperrt werden. Der Grund liegt beim DEB.

München - Nationalspieler Florian Busch kann neun Monate nach seiner verweigerten Dopingkontrolle endlich aufatmen.

Der Stürmer von Meister Eisbären Berlin wird nach einem langen juristischen Hickhack nicht gesperrt.

Das Adhoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wies am Mittwoch den Einspruch der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gegen das milde Urteil des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ab.

Die WADA hatte eine zweijährige Sperre gefordert.

Eigentlich zwei Jahre Sperre zwingend

"Natürlich bin ich froh über die Entscheidung des Schiedsgerichts, und ich hoffe, dass die ganze Sache damit vorbei ist. Der Fehler, das will ich nochmals sagen, lag bei mir und war eine bittere Lehre für mich. Ich möchte mich jetzt wieder voll und ganz aufs Eishockey konzentrieren", sagte Busch.

Weil der 23-Jährige keine Athletenvereinbarung unterschrieben und der DEB zum damaligen Zeitpunkt den Code der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) noch nicht in seine Statuten aufgenommen hatte, fehlte die Rechtsgrundlage für eine Sperre, hieß es in der Urteilsbegründung.

Eigentlich, so der Zürcher Sportrechtler Stephan Netzle als Vorsitzender, hätte nach dem NADA-Code die Verweigerung mit einer zweijährigen Sperre sanktioniert werden müssen. Das Urteil ist endgültig.

Versäumnisse beim DEB

"Es ist gut, dass es zu Ende ist", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos: "Aber drüber freuen kann man sich nicht. Es ist nicht so, dass wir gewonnen hätten. Es ist viel Schaden entstanden."

Der Verbandschef räumte Versäumnisse ein: "Wir tragen die Verantwortung dafür, dass die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben war."

Mittlerweile haben alle Nationalspieler unterschrieben, dass sie den NADA-Code anerkennen. Busch soll das demnächst nachholen.

Comeback nach zwei Monaten

Auch der Verband hat das Anti-Doping-Regelwerk mittlerweile in seine Statuten aufgenommen. "Wir haben Vorkehrungen getroffen, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederholen wird", sagte Harnos.

Der DEB hatte Busch nach einer zunächst verweigerten und später nachgeholten Kontrolle am 6. März nur mit einer öffentlichen Verwarnung, einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit belegt.

Bereits am vergangenen Wochenende hatte der Angreifer sein Comeback in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nach zweimonatiger Verletzungspause gegeben.

Annäherung zwischen NADA und DEB

Nach dem umstrittenen DEB-Urteil, das die NADA heftig kritisiert hatte, war Busch im April mit den Berlinern deutscher Meister geworden und hatte mit der Nationalmannschaft im Mai an der WM in Kanada teilgenommen.

Die NADA kündigte daraufhin den Vertrag mit dem DEB über Trainingskontrollen, und das Bundesinnenministerium fror die Fördergelder zunächst ein.

Inzwischen näherten sich NADA und DEB wieder an und unterschrieben einen neuen Vertrag.

Zweiter Fall Busch nicht möglich

Eine Wiederholung des Falls Busch ist ab dem 1. Januar 2009 ausgeschlossen.

An diesem Datum tritt der neue NADA-Code in Kraft, der ein sogenanntes "Verfahrenserzwingungsrecht" beinhaltet.

"Wenn ein Verband eine zu milde Strafe beantragt, dann können wir in Zukunft dagegen vorgehen", erläuterte NADA-Chef Göttrik Wewer im Sportausschuss des Bundestages.

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