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Der Kanadier Bill Stewart ist seit November 2006 Chefcoach der Freezer © getty

Dem Beinahe-Rauswurf folgt das Vertrauen in den Trainer: Bill Stewart sitzt gegen Mannheim an der Bande und feiert prompt einen Sieg.

Von Liane Killmann

Mannheim - Mit einem überraschenden Auswärtssieg haben die Hamburg Freezers ihre Negativserie beendet.

Nach vier Niederlagen in Folge gewannen die Hamburger beim DEL-Rekordmeister Adler Mannheim nach Penaltyschießen mit 2:1 (0:0, 1:0, 0:1, 0:0, 1:0) und konnten damit ihrem stark in die Kritik geratenen Trainer Bill Stewart zumindest eine Verschnaufspause verschaffen.

Mit 35 Punkten liegen die Hamburger weiter auf dem elften Platz, die Mannheimer schoben sich dagegen trotz der Niederlage auf den dritten Rang vor und liegen mit 45 Zählern vier Punkte hinter dem Spitzenreiter Hannover.

Führung durch Morrison

In einem schwachen Spiel gingen die Gäste vor 9819 enttäuschten Zuschauern durch Justin Morrison (28.) in Führung, doch im letzten Drittel schafften es die Adler, auszugleichen:

Jason Jaspers traf zum 1:1 (43.). Den entscheidenden Penalty verwandelte Travis Brickley.

"Keine Probleme mit Bill"

Geschäftsführer Boris Capla und Sportdirektor Bob Leslie hatten Freezers-Coach Stewart nach zahlreichen Krisengesprächen im Vorfeld ihr Vertrauen ausgesprochen.

"Die Mannschaft hat uns glaubhaft versichert, dass es keine Probleme mit Bill gibt, und sie an den gemeinsamen Erfolg glaubt", sagte Leslie dem "Hamburger Abendblatt".

Spieler in der Pflicht

Nun seien die Spieler gefordert, dieses Versprechen auf dem Eis umzusetzen.

"Die Mannschaft muss uns allen beweisen, dass sie es ernst meint", sagt Capla und kündigt an, die Situation neu zu überdenken, wenn die Leistungen ausbleiben.

Zuletzt schien es, als könne der Verlauf der Begegnung in der SAP-Arena schon keinen Einfluss mehr auf Stewarts Zukunft nehmen.

Capla und Leslie hatten nach der 1:2-Niederlage gegen den ERC Ingolstadt (Neuer Trainer, neues Glück) zugegeben, dass der Trainer zur Disposition stehe.

Fans forderten Stewarts Kopf

Der Trainer sei, so hieß es anschließend, quasi entmachtet und so gut wie entlassen. Offen blieb dabei lediglich, wer dem Kanadier folgen könnte. Auch die Fans hatten nach acht Auswärtspleiten und der desolaten Leistung gegen den Tabellenvorletzten aus Ingolstadt Stewarts Kopf gefordert.

Geschäftsführer Capla hatte zuletzt gar zu Protokoll gegeben, dass Stewart seine Profis nicht mehr erreiche: "Wenn die Mannschaft für den Trainer spielen würde, müsste sie anders auftreten."

Nun machte die Sportliche Leitung eine Rolle rückwärts. Und auch wenn das Bekenntnis zum Trainer ein spätes war, in Mannheim stand Stewart im Spiel gegen den Tabellenvierten erneut an der Bande.

Stewart: Keine Lerneffekte

Selbst das Handtuch zu schmeißen, hatte Stewart in den letzten Tagen ausgeschlossen: "Zurücktreten wäre nur der bequeme Weg."

Aber auch er prangerte den mangelnden Einsatz einiger Führungsspieler an: "Es ist peinlich für mich, dass meine Leistungsträger nicht mit vollem Einsatz spielen. Ich kann bei der Mannschaft keine Lerneffekte erkennen."

Lustlose Freezers

Tatsächlich hatten zuletzt vor allem die hoch bezahlten Legionäre Lustlosigkeit im Spiel nach vorn erkennen lassen.

Doch nun widerspricht Kapitän Clarke Wilm: "Es ist unwahr, dass wir gegen den Trainer spielen." Auch Stürmer Francois Fortier nimmt Mannschaft und Trainer in Schutz. "Solche Tiefs gibt es immer wieder. Wir müssen endlich ein paar Auswärtsspiele gewinnen", sagte er der "Welt".

Fortier fügt hinzu: "Als Spieler will man immer gewinnen." Ein Sieg würde vor allem die Fans freuen. Und natürlich auch den Trainer Bill Stewart.

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