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Jakob Kölliker wurde 2007 in die IIHF-Hockey Hall of Fame aufgenommen © dapd

Bundestrainer Kölliker erklärt SPORT1, warum er nicht mit Amerika-Legionären plant und wer in der Kapitäns-Rotation vorn ist.

Von Raphael Weber

München - Fünf Monate ist Jakob Kölliker nun schon Bundestrainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.

Beim Deutschland Cup in der Münchner Olympiahalle ( LIVE im TV auf SPORT1) feiert der Schweizer seine Premiere hinter der Bande - und das gleich gegen seine Landsleute. (BERICHT: Kölliker neuer Bundestrainer)

"Das ist die Sahne auf der Nachspeise", beschreibt der 213-fache ehemalige Nationalspieler bei SPORT1 seine Gemütslage vor dem Duell mit den Eidgenossen. "Aber Nervosität oder ein besonderer Druck, weil es jetzt gegen die Schweiz geht, spüre ich nicht."

Im Interview der Woche von SPORT1 spricht "Köbi" Kölliker über Vorgänger Uwe Krupp, die Absagen dreier Fix-Größen in der DEB-Auswahl, die Gegner Schweiz, Slowakei (Sa., ab 14.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und USA (So., ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) sowie die Gründe für die Kapitäns-Rotation.

SPORT1: Herr Kölliker, Sie sind bereits seit Sommer Bundestrainer, aber erst fünf Monate später steht das erste Spiel an. Wie froh sind Sie, dass es endlich los geht?

Jakob Kölliker: Sehr. Das ist die Sahne auf der Nachspeise, wie man sagt. Ich freue mich, dass ich mit den Spielern dieses Turnier bestreiten darf. Das macht Spaß.

SPORT1: Wie ist denn ihr erster Eindruck vom Team?

Kölliker: Die Jungs legen sich sehr gut ins Zeug. Die Leistungen im Training stimmen. Alles läuft rund. (Deutschland Cup: WM-Selektion und zweite Chance)

SPORT1: Wie sehr treffen Sie die Absagen von Christoph Ullmann, Alexander Barta und Constantin Braun, die unter Krupp Fixgrößen in der DEB-Auswahl waren?

Kölliker: Solche Ausfälle schmerzen immer. Wenn man Spieler nominiert, hat man eine gewisse Absicht und strukturiert danach das Team. Aber das ist das Leben eines Trainers. Auch die Absage von Evan Kaufmann schmerzt. Er wäre ein Neuling gewesen, aber er ist ein interessanter Mann und ich hätte ihn gerne auf diesem Niveau getestet. Das ist schade für den gesamten Prozess. Gleichzeitig ist es aber auch eine Chance für die Anderen, die nachrutschen.

SPORT1: Wie sehr dient denn ? auch vor diesem Hintergrund ? der Deutschland Cup als Standortbestimmung?

Kölliker: Natürlich ist das Resultat das, was zählt und was bleibt. Aber für mich zählt sicher auch die Art und Weise, wie wir auftreten. Es ist ein Prozess bis zur WM, und der Deutschland Cup ist die erste Maßnahme. Jeder Spieler hinterlässt hier Eindrücke. Die gilt es weiter zu verfolgen, damit das Bild bis zur WM steht.

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SPORT1: Ihr Debüt geben Sie ausgerechnet gegen die Schweiz. Ein besonderes Gefühl?

Kölliker: Bis jetzt noch nicht. Ich habe mich lange Zeit um das deutsche Team gekümmert und arbeite jetzt tagtäglich mit den Spielern. Mit der Schweiz habe ich mich noch nicht groß befasst. Als Trainer hat man das zwar immer im Hinterkopf, aber Nervosität oder ein besonderer Druck, weil es jetzt gegen die Schweiz geht, spüre ich nicht. Mal schauen, wie es ein paar Minuten vor Spielbeginn aussieht. Aber wie ich mich kenne, kann ich das sicher gut bewältigen.

SPORT1: Andererseits kennen Sie die Schweiz ja noch richtig gut, oder?

Kölliker: Ja, ich habe praktisch jeden Spieler schon gesehen. Aber das nützt nicht viel, denn die Spieler agieren auf dem Eis und müssen sich mit dem Gegner auseinandersetzen. Aber das eine oder andere kann ich ihnen mit auf den Weg geben.

SPORT1: Wie schätzen Sie Ihre Gegner denn ein?

Kölliker: Die Schweiz hat eine junge, hungrige Truppe, in der sich jeder einen Stammplatz erkämpfen will. Da sind sehr schnelle, technisch versierte Leute dabei. Die drei Topscorer der Liga spielen hier beim Deutschland Cup. Die Schweizer sind sehr ausgeglichen und haben eine gewisse Spielstärke.

SPORT1: Und die Slowakei mit neuem Trainer?

Kölliker: Die Slowakei ist in einem Umbruch und hat eine ganz neue sportliche Führung. Nach der enttäuschenden Heim-WM pochen sie auf Revanche. Ich erwarte eine spielstarke und vor allem kämpferische slowakische Mannschaft.

SPORT1: Bleiben noch die USA. (DATENCENTER: Spielplan Deutschland Cup)

Kölliker: Die Amerikaner sind allesamt gestandene Spieler, viele sind in ihren Klubs Teamleader. Viele sind als Ausländer hier in Europa in den Top-Ligen - ob KHL, Finnland, Schweden, Deutschland oder Schweiz - und spielen eine gute Rolle in ihrem Verein. Das sind alles Klasse-Spieler. Für uns kommt es darauf an, wie sie zusammengestellt werden. Als Einzelspieler sind sie alle hervorragend.

SPORT1: Sie haben von einer Kapitänsrotation gesprochen. Warum wollen Sie sich nicht auf einen festlegen?

Kölliker: Man weiß nie, ob der Kapitän bei jeder Maßnahme oder bei der WM dabei ist. Alle hoffen natürlich, das Michael Wolf, der Kapitän war, dabei bleibt. Er ist ein super Typ, guter Eishockeyspieler und Leader in unserer Mannschaft. Wir brauchen ihn bestimmt, aber niemand kann etwas garantieren. Ich möchte keinen an die Spitze setzten und wenn der dann nicht dabei ist, muss ein anderer die Aufgabe kurzfristig übernehmen.

SPORT1: Daher die Aufteilung auf mehrere Schultern?

Kölliker: Genau, ich möchte die gesamte Verantwortung breiter abstützen und mehrere Spieler in diese Rolle einbinden. Bei der WM werden wir den bestgeeigneten auswählen, um das Kapitänsamt zu übernehmen. Michi Wolf ist da sicher prädestiniert. Wir haben das besprochen und es ist intern kein Thema.

SPORT1: Sie haben im SPORT1-Interview gesagt: "Ich weiß nicht, was Krupp gemacht hat." Haben Sie denn mit ihrem Vorgänger nicht über die vergangenen Turniere gesprochen?

Kölliker: Wir haben ganz kurz über Eishockey gesprochen ? aber nicht speziell darüber, was er bei den letzten Turnieren gemacht hat. Ich habe die gesehen und war in der Slowakei vor Ort. Da habe ich mir selber ein Bild von der Mannschaft gemacht. Was Krupp gemacht hat, war hervorragend, aber jeder Trainer hat seine Eigenheiten und bringt eigene Ideen mit. Ich will das deutsche Eishockey nicht komplett umkrempeln ? das kann ich in so kurzer Zeit auch nicht.

SPORT1: Welche Rolle spielen denn die NHL-Profis in ihren Planungen

Kölliker: Wir haben diese Spieler schon im Auge. Soweit ich weiß, war auch letztes Jahr kein Profi aus Nordamerika dabei. Aber wenn einer nicht in die Playoffs kommt und verfügbar ist, werden wir ihn natürlich einladen ? speziell in der WM-Vorbereitung, wenn wir noch nicht alle Kandidaten zur Verfügung haben.

SPORT1: Welche Chance haben junge Spieler wie Tom Kühnhackl oder Tobias Rieder, die in den unteren Ligen in Nordamerika aktiv sind?

Kölliker: Wir beobachten sie natürlich, und sie kommen zur U-20-WM. Aber sie haben einfach ein Problem: Um hier spielen zu können, sollten sie die WM-Vorbereitung oder ein Turnier im Dezember oder Februar mit uns spielen. Das ist einfach nicht möglich, weil sie entweder in den Playoffs oder mit der U 20 unterwegs sind. Das macht es schwierig, einen solchen Spieler einzusetzen.

SPORT1: Sie bereiten sich aber auch jetzt schon darauf vor, im Zweifel ohne ihre Nordamerika-Profis auszukommen?

Kölliker: So ist es. Wir dürfen nicht mit diesen Spielern rechnen. Wenn aber einer frei und verfügbar ist, ist jeder willkommen, wenn alles passt. Wir wissen alle, dass die Akteure in Nordamerika ? egal ob NHL oder AHL ? hervorragende Spieler sind. Die bauen wir dann natürlich gerne ein. Aber fix mit ihnen rechnen, darf ich nicht.

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