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Franz Reindl gewann 1976 mit der DEB-Auswahl Olympia-Bronze in Innsbruck © imago

Der Verband hat den Sportdirektor-Posten nach Reindls Absetzung nicht besetzt. Ein Kandidat entwirft das Profil selbst.

München - Der 22. Deutschland Cup (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) ist für Franz Reindl kein Eishockey-Turnier wie jedes andere.

Erstmals seit fast 20 Jahren begleitet der Garmischer die Nationalmannschaft nicht mehr als Sportdirektor, sondern nimmt als Zuschauer in der Münchner Olympiahalle Platz.

"Wehmut ist vielleicht das falsche Wort", sagt der 56-Jährige, seit Juni nur noch Generalsekretär des Deutschen Eishockey Bundes (DEB), "es ist ein komisches Gefühl. Ich habe sie so viele Jahre begleitet, jetzt begleite ich sie im Geiste weiter."

Der Bronzemedaillengewinner von 1976 war im Frühjahr vom DEB-Präsidium entmachtet worden und soll sich nur noch um die internationalen Kontakte kümmern.

Einen Nachfolger gibt es aber noch nicht. "Ich denke, dass man im Januar, Februar eine Entscheidung treffen muss, damit der Neue zum 1. Juni beginnen kann", erklärt DEB-Präsident Uwe Harnos.

Trutschkla als Topkandidat

Als Topkandidat galt zuletzt Ex-Nationalspieler Bernd Truntschka. Vor allem Peter John Lee, Manager des deutschen Meisters Eisbären Berlin, hält viel von dem 46-Jährigen. "Er steht ganz weit vorne", bestätigt Lee.

Allerdings gibt es durchaus Zweifel, ob Truntschka, derzeit Geschäftsführer beim Zweitligisten Landshut Cannibals, das Anforderungsprofil erfüllt.

Gesucht wird eigentlich jemand, der Erfahrung als Manager in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vorzuweisen hat. (Bundestrainer Kölliker im SPORT1-Interview)

Verhandlungen während des Deutschland Cups

Kurios: Truntschka saß als DEB-Vertreter selbst im sogenannten Kompetenzzentrum Sport, das Anforderungen und Aufgaben des künftigen Sportdirektors formulierte. Zu diesem Gremium gehören auch DEB-Vize Erich Kühnhackl sowie die DEL-Manager Lee und Karl-Heinz Fliegauf (EHC Wolfsburg).

Am Rande des Deutschland Cups am Wochenende beschäftigt sich das neue Direktorat mit je zwei Vertretern aus dem DEB-Präsidium und dem DEL-Aufsichtsrat, das alle Entscheidungen rund um die Nationalmannschaft trifft, mit dem Papier von Lee und Co.

"Der nächste Schritt ist: Welche Personen erfüllen das Profil und können die Aufgaben umsetzen", sagt Harnos, als DEB-Präsident Mitglied des Direktorats: "Dann wird mit ihnen gesprochen und ein Konzept angefordert. Danach treffen wir eine Entscheidung."

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Strukturen vereinheitlichen

Aufgabe des neuen Sportdirektors soll es vor allem sein, die Strukturen von der U16 bis zur A-Nationalmannschaft zu vereinheitlichen, eine Spielphilosophie zu entwerfen und sie mit den Trainern umzusetzen - gesucht wird quasi eine Art Matthias Sammer für das Eishockey.

Harnos kann sich indes vorstellen, dass der Sportdirektor schon gefunden wurde - und derzeit Bundestrainer ist.

Jakob Kölliker, der in München sein Debüt als Nachfolger von Uwe Krupp gibt, hat beim Schweizer Verband als langjähriger Nachwuchstrainer und Assistent von Chefcoach Ralph Krueger vergleichbare Aufgaben erfüllt. (BERICHT: Köllikers neue DEL)

"Er wurde uns ja von Ralph empfohlen, weil er die Konzepte in der Schweiz in die Tat umgesetzt hat", berichtet Harnos.

USA als Vorbild?

Ein Modell mit "einem starken Mann, der zu den einzelnen Maßnahmen Trainer aus den Klubs auswählt", wie es beispielsweise die USA praktizieren, hält der DEB-Präsident deshalb nicht für abwegig.

Derzeit füllt Kölliker bereits einen Teil der Sportdirektor-Aufgaben aus - zusammen mit Teammanager Klaus Merk.

Reindl als Gesicht des deutschen Eishockeys

Vor dem Deutschland Cup schmückte sich der DEB aber noch einmal mit Reindl, seinem bekanntesten Gesicht. Als es darum ging, Werbung für das alljährliche Heimturnier zu machen, saß der ehemalige Sportdirektor stets neben Kölliker auf dem Podium.

"Ich war in meiner Eigenschaft als Generalsekretär da", sagte Reindl, "und außerdem war es ja meine Aufgabe, den Vertrag mit der Olympiahalle zu verlängern."

Die hat er erfüllt, auch in den nächsten drei Jahren wird der Deutschland Cup in München ausgetragen - mit Reindl auf der Tribüne.

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