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Die deutsche Nationalmannschaft wurde bei der WM 2011 Siebter © dapd

Die DEB-Auswahl startet im ersten Spiel unter dem neuen Bundestrainer mit einem Sieg in den Deutschland Cup. Ein Tor ist kurios.

Vom Deutschland Cup berichtet Rainer Nachtwey

München - Ein kurzer Jubelsturm drang aus der Kabine, dann wurde es ruhig, ehe die Spieler freudestrahlend sich der Presse stellten.

"Der Coach hat kurz ein paar Worte gesagt", erklärte Kapitän Michael Wolf nach der gelungenen Premiere des neuen Bundestrainer Jakob Kölliker mit dem 4:2 (0:1, 2:0, 2:1)-Sieg beim Auftakt der DEB-Auswahl des Deutschland Cups.

"Er hat uns gesagt, dass er größtenteils zufrieden mit uns war", führte der Stüßrmer aus Iserlohn aus, dessen Sturmformation die frühe Schweizer Führung durch Kevin Romy (6.) durch Andre Rankel (31.) ausgeglichen hatte.

Philip Gogulla mit einem richtigen (39.) und einem technischen Tor (60.) sowie Nikolai Goc (41.) hatten die weiteren deutschen Tore erzielt, Julien Sprunger (46.) den zwischenzeitlichen Anschluss für die Schweiz markiert.

"Ich bin der Köbi"

Dennoch herrschte für einen Augenblick Ungewissheit bei den Spielern. "Wie ich ihn anspreche? Das weiß ich gar nicht", meinte der doppelte Torschütze Philip Gogulla.

"Die Situation hat sich noch nicht ergeben", führte der Kölner Stürmer schmunzelnd aus. "Ich werde es auch nicht ausprobieren. Ich schicke irgendeinen anderen vor. Dann sehe ich ja, wie es geht."

Licht ins Dunkel brachte dann Kölliker. "Ich bin der Köbi oder der Jakob. Herr Bundestrainer nennt mich keiner. Im Eishockey ist man per du."

Anderes Forechecking unter Kölliker

Der "Köbi" hatte der deutschen Mannschaft aber nicht nur das Du angeboten, er hatte ihr auch ein neues taktisches Konzept verpasst. Sie begann sehr aggressiv und offensiver ausgerichtet wie unter Köllikers Vorgänger Uwe Krupp.

"Wir spielen ein anderes Forechecking", sagte Verteidiger Christopher Fischer. "Die Stürmer entfachen etwas mehr Druck."

Erste Chance nach Puckverlust

Dies machte sich früh bemerkbar und daraus resultierte auch die erste deutsche Chance, als Thomas Greilinger nach einem Puckverlust der Schweizer im eigenen Drittel nach 44 Sekunden einen Schuss aus dem Handgelenk auf den von Leonardo Genoni gehüteten Schweizer Kasten abgab.

"Ich bin stolz und froh für die Mannschaft. Sie hat sich zerrissen", lobte der Bundestrainer seine Auswahl: "Offensiv war das schon sehr stark, aber im defensiven Bereich hatten wir einige Lücken."

Und der DEB-Auswahl bot sich früh die nächste Chance, als sich die Eidgenossen nach einer Bankstrafe in Unterzahl wiederfanden.

Kaum Torgefahr

Doch nicht die deutsche Mannschaft schlug daraus Kapital, sondern die Schweizer. Nach einem Rückpass an die blaue Linie versprang Frank Hördler der Puck, Romy lief allein auf Dimitri Pätzold, der den Vorzug vor Jochen Reimer erhielt, zu und schob die Scheibe dem Keeper mit der Rückhand durch die Beine (6.).

Der bis dato noch nicht geprüfte Keeper aus Hannover musste gleich beim ersten Torschuss hinter sich greifen. Nach dem Gegentor verlor die Kölliker-Truppe den Faden und leistete sich zahlreiche Strafzeiten. Tormöglichkeiten blieben Mangelware.

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Ausgleich durch Rankel

"Im 1. Drittel haben wir den Schweizern die Chancen geschenkt", führte Fischer aus.

"Die Ansprache in der Pause war sehr ruhig. Die ersten zehn Minuten waren sehr gut", sagte Kölliker: "Aber ich kann auch emotional werden, wenn es mal 0:4 oder 0:% steht."

Mit Beginn des zweiten Spielabschnitts entfachte das DHB-Team Druck auf den Schweizer Kasten. Daniel Pietta aus spitzem Winkel (23.), Rankel per Direktabnahme im Powerplay (25.), Gogulla (26.) und Frank Mauer (29.) scheiterten aber noch mit ihren Versuchen.

In der 31. Minute ließ Rankel die 4500 Fans in der Olympiahalle jubeln. Nach einem Alleingang ins gegnerische Drittel zog er aus dem Handgelenk ab, und der Puck fand den Weg an Kai Hospelt und Genoni vorbei ins Netz.

Schlägerbruch bei Kohl

Und die deutsche Mannschaft blieb am Drücker und von den Schweizern war kaum noch Offensivaktionen zu sehen. Patrick Reimer (32.) und Hospelt (37.) blieb der Führungstreffer verwehrt.

Der gelang 115 Sekunden vor Drittelende Gogulla. Bei Reimers Schlagschuss von der blauen Linie brach der Schläger, der Puck hoppelte zum Kölner Stürmer, der aus der Drehung Genoni überwand - 2:1.

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Schweiz mit dem Anschlusstreffer

Und mit dem Führungstreffer im Rücken startete die DEB-Auswahl furios in die letzten 20 Minuten. Nach 12 Sekunden zog Goc ab, und sein Hammer von der blauen Linie schlug im Winkel ein.

"Ich hatte davor schon zwei gute Schusschancen. Die gingen beide auf die Stockhand. Deshalb habe ich beim Tor es auf der Fanghand probiert. Und es hat geklappt", sagte der Torschütze.

Die Schweizer waren gefordert und drückten auf Pätzolds Kasten. Nachdem Thibaut Monnet noch an Pätzold gescheitert war (43.), gelang Sprunger nach feiner Vorarbeit von Andrei Bykov der Anschlusstreffer (46.) (DATENCENTER: Spielplan Deutschland Cup).

"Das zweite Tor der Schweizer war absolute Sahne", zollte auch Felix Petermann Respekt.

Pätzold hält den Sieg fest

Die Schweizer drückten weiter, kamen im Powerplay zu guten Möglichkeiten, die der starke Rückhalt Pätzold vereitelte.

Der DEB-Auswahl boten sich in die Drangphase der Schweizer gute Konterchancen, Pietta (54.) und Rankel (54.) scheiterten jedoch.

Zwei Minuten vor Schluss bot sich den Schweizern nach einer Strafzeit für Goc wegen übertriebener Härte die Chance zum Ausgleich, aber Pätzold hielt den siebten Sieg im 14. Vergleich mit den Eidgenossen beim Deutschland Cup fest.

Referee entscheidet auf Technisches Tor

Zwar trafen die Schweizer 68 Sekunden vor Schluss, das Tor wurde wegen Torraumabseits nicht anerkannt.

"Da hatten wir vielleicht ein bisschen Glück", meinte Petermann, "aber der Sieg war verdient."

Zehn Sekunden vor Ende konnte Gogulla auf dem Weg zum 4:2 nur unfair gestoppt werden.

Da der Schweizer Keeper aber das Tor bereits zu Gunsten eines sechsten Feldspielers verlassen hatte, erkannten die Schiedsrichter - ohne das Gogulla ins verwaiste Gehäuse traf - auf technisches Tor.

"Wir haben auch ein bisschen gerätselt", meinte Fischer, "sowas habe ich davor noch nie erlebt."

Slowakei wartet

Im zweiten Spiel am Samstag (ab 14.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESCORES) trifft die Kölliker-Truppe auf die in der ersten Partie ebenfalls siegreichen Slowakei.

Die WM-Gastgeber von 2011 waren unter dem neuen Coach Vladimir Vujtek, der nach der enttäuschenden Heim-WM Glen Hanlon als Chef hinter der Bande ersetzt hatte, mit einem 2:0 (1:0, 0:0, 1:0) über die USA ins Turnier gestartet.

Der Sieger der Begegnung hat es am Sonntag (ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und ab 13.25 Uhr im LIVESTREAM) dann selbst in der Hand, das Turnier für sich zu entscheiden.

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