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"Köbi" Koelliker (3.v.r.) war lange Zeit Rekordnationalspieler der Schweiz © getty

Der neue Coach verpasst der DEB-Auswahl eine neue taktische Ausrichtung. Er muss sich auch mit dem Vorgänger auseinandersetzen.

Vom Deutschland Cup berichtetRainer Nachtwey

München - Jakob Kölliker hat es sich nicht leicht.

Der Schweizer muss die Lücke im deutschen Eishockey füllen, die Uwe Krupp hinterlassen hat. Krupp hatte der deutschen Nationalmannschaft lange Zeit ein Gesicht gegeben.

Nicht um sonst bezeichnete der Schweizer selbst die Fußstapfen als "sehr groß", in die er als Nachfolger tritt. Denn Kölliker muss es auch schaffen, Krupp aus den Köpfen der Fans zu drängen.

Wenig förderlich war dann, dass beim Deutschland Cup in jeder Drittelpause Krupps Gesicht über die Leinwand flimmerte, wie er über die Heim-WM 2010 spricht, wie er mit dem sensationellen 4. Platz Geschichte schrieb.

Name Krueger geistert umher

Zum anderen geistert auch nach dem Deutschland Cup, den die deutsche Mannschaft als Zweiter beendete, weiterhin der Name Ralph Krueger um die Nationalmannschaft und damit Kölliker. (DATENCENTER: Spielplan Deutschland Cup)

Köllikers einstiger Chefcoach beim Schweizer Verband, unter dem er als Assistenztrainer zehn Jahre arbeitete, war der Wunschkandidat DEB-Präsident Uwe Harnos, sollte Krupp nachfolgen. Doch der Deutsch-Kanadier steht noch als zweiter Trainer in Edmonton unter Vertrag, die Zusammenarbeit endet erst nach Ablauf der Saison.

Daher hält sich das Gerücht, Kölliker wäre nur eine Übergangslösung bis Krueger übernimmt und der Schweizer den vakanten Posten des Sportdirektors ausfüllt.

DEB in Kontakt mit Krueger

Und Harnos bringt die Glut auch noch zum Lodern, indem er bei der Abschlusspressekonferenz des Deutschland Cups bestätigte, dass "weiterhin Kontakt zu Krueger bestehe".

"Wir müssen sehen, wie es sportlich läuft", sagte Harnos und lässt damit viel Raum für Spekulationen.

Umstellung der Taktik

Ungeachtet der Störfeuer, versucht Kölliker, der Mannschaft ein neues System zu verpassen, es taktisch neu auszurichten.

Das Forechecking der DEB-Auswahl ist offensiver ausgerichtet als unter Vorgänger Krupp und in der Defensive hat er von Zonen- Verteidigung auf Mann-Mann umgestellt.

Gegen die Schweiz zeigte das frühere und mit zwei Mann Druckausüben auf den Gegner seine Wirkung. Bereits im gegnerischen Drittel eroberte die Mannschaft die Scheibe und kam dadurch zu zahlreichen Chancen. (BERICHT: Gelungene Premiere - Auftaktsieg für Kölliker)

Erinnerungen an Abstiegs-Eishockey

Gegen die Slowakei bekamen die Spieler und Kölliker dann die Kehrseite des frühen Angreifens vorgeführt.

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"Da waren wir zu forsch, sind zu weit nach vorne gerückt", sagte Simon Danner. Und Marcus Kink meinte: "Wir waren wohl noch zu euphorisch vom Schweiz-Spiel, sind den Slowaken ins offene Messer gelaufen." (BERICHT: Naive DEB-Auswahl macht Kölliker wütend)

Es rief schon Erinnerungen an das Hurra-Eishockey von Krupps Vorgänger Greg Poss ins Gedächtnis, unter dem die DEB-Auswahl 2005 in die B-Gruppe abgestiegen war.

Kölliker erkannte "zahlreiche individuelle Fehler", sprach von Disziplinlosigkeiten. Und Assistenztrainer Harold Kreis, der sich während des Spiels um die Verteidiger kümmert, sagte: "Da wurde von den Verteidigern zu oft die falsche Entscheidung getroffen."

Lerneffekt durch Niederlage

Dennoch schien Kölliker - auch wenn er beteuerte wütend zu sein - die Niederlage in der Art und Weise nicht ungelegen zu kommen. Denn der Lerneffekt war enorm.

Gegen die USA griff die DEB-Auswahl weit verhaltener an, die Verteidiger rückten nicht so weit auf, und in 2-auf-1-Situationen der Gegner fanden sich die deutschen Verteidiger kaum noch wieder. (BERICHT: Versöhnlicher Abschluss für Kölliker-Truppe)

"Wir haben in der Defensive einige Korrekturen vorgenommen", erklärte Kölliker. "Er hat uns genau erklärt, was wir falsch gemacht haben", sagte Kink. "Aber er hat uns beim Forechecking weiter die Freiheiten gelassen", führte der Mannheimer Stürmer aus.

Nach der Steigerung gegen die USA zog Kölliker schließlich ein positives Fazit. "Mit wenigen Ausnahmen kann ich sehr zufrieden sein", sagte der Schweizer.

[kaltura id="0_zepwchru" class="full_size" title="Vers hnlicher Abschluss f r K bi Truppe"]

Die Chemie stimmt

Und auch zwischen der Mannschaft und Kölliker scheint es zu passen. Das hat auch Harnos erkannt. "Mein Gefühl ist, dass die Chemie zwischen der Mannschaft und Trainer stimmt", sagte der Präsident.

"Er ist sehr ruhig, bringt alles auf den Punkt", führte Kink aus. "Er bringt das Teamgefühl sehr gut rüber, und damit gibt er uns viel Selbstvertrauen."

Und Kölliker zeigt sich ebenfalls begeistert: "Es macht mir sehr viel Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten."

Dabei profitiert Kölliker aber auch von seinem Vorgänger. "Uwe hat eine Mannschaft hinterlassen, die funktioniert", sagte Felix Petermann.

Fischer profitiert von Kölliker

Allerdings baut Kölliker auch Spieler auf, die unter Krupp gelitten haben, wie Christopher Fischer. Der Wolfsburger Offensivverteidiger war von Krupp bei den letzten beiden Weltmeisterschaften vor Ort noch aus dem Kader gestrichen worden.

"Der Coach hat ein langes Einzelgespräch mit mir geführt", sagte Fischer. "Er hat mir gesagt, dass er auf mich setzt, hat mir viel Eiszeit gegeben und im Powerplay das Vertrauen geschenkt."

Weitere Tests mit weiteren Spielern

Dass die Mannschaft in dieser Formation wieder zusammenfindet, ist jedoch unwahrscheinlich. Kölliker will weitere Spieler testen.

Bei den Spielen von "Team Sotschi" gegen Russland in Essen und Duisburg erwartet Kölliker, sich einen Blick über die Tiefe des Kaders verschaffen zu können.

Beim Belarus Cup im Februar erhalten dann Spieler eine Chance, die in München verletzt gefehlt oder nicht in den endgültigen Kader berufen wurden.

Für Kölliker wird daher die Zeit knapp, sein Konzept der Mannschaft einzutrichtern. Denn auch in der WM-Vorbereitung im April werden ihm zahlreiche Spieler wegen der DEL-Playoffs fehlen.

Es wird also nicht leichter.

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