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DEB-Präsident Harnos (l.) und Ex-Sportdirektor Reindl haben derzeit alle Hände voll zu tun © getty

Stillstand beim DEB: Die Suche nach einem Sportdirektor geht weiter. Die Kooperation mit der DEL ist noch nicht perfekt.

Köln - Bundestrainer Jakob Kölliker bastelt im eisigen Weißrussland mit Feuereifer an seinem WM-Team, hinter den Kulissen bewegt sich dagegen wenig.

Einen Sportdirektor als Nachfolger für den entmachteten Franz Reindl hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) noch immer nicht gefunden, unter dem ausgehandelten Kooperationsvertrag mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fehlen auch nach sieben Monaten die Unterschriften, und die Liga hat ihre Zahlungen eingefroren.

"Wir sind dabei, den Vertrag zu finalisieren", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos, "die Klärung juristischer und steuerrechtlicher Fragen war langwieriger als erwartet."

Zwar läuft der Spielbetrieb der DEL und der Nationalmannschaft, die am Wochenende beim Belarus-Cup in Minsk antritt, aufgrund der Einigung im vergangenen Juli quasi per mündlicher Absprache, doch Konsequenzen hat der vertragslose Zustand dennoch.

DEL dreht den Geldhahn zu

Von Seiten der DEL herrscht bei der Sportdirektor-Suche Funkstille, die Überweisungen an den DEB in Höhe von jährlich 700.000 Euro, die vor allem den Nachwuchsbereich betreffen, sind gestoppt.

"Bis dato musste nichts gekürzt werden", erklärte DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl, gab aber auch zu: "Der Verband ist nicht auf Rosen gebettet. Wir müssen schauen, wie wir sparen können."

Es hakte vor allem bei steuerrechtlichen Fragen. Ursprünglich sollten Spielbetrieb und Vermarktung der Nationalmannschaft in einem Joint-Venture von Liga und Verband ausgegliedert werden.

Kompetenzzentrum Sport ist handlungsunfähig

Das ließ sich nicht umsetzen, nun sollen einzig die Marketing- und Fernsehrechte in einer gemeinsamen Gesellschaft vermarktet werden.

Dass die Umsetzung so lange dauert, stößt in der DEL auf Unverständnis, denn so ist auch das neue Kompetenzzentrum Sport, das sich um die Nationalmannschaft kümmern soll, noch nicht handlungsfähig.

"Wir warten jetzt erst mal, bis der Kooperationsvertrag fertig ist", sagte Peter John Lee vom deutschen Meister Eisbären Berlin, der dem Gremium angehören soll.

Der Eisbären-Manager war im November zusammen mit seinem Wolfsburger Kollegen Karl-Heinz Fliegauf vorgeprescht und hatte Ex-Nationalspieler Bernd Truntschka als Sportdirektor vorgeschlagen.

Kühnhackl sondiert Kandidaten

Prompt gab es von Harnos eine Absage. "Wir haben ein bisschen dumm ausgeschaut", sagte Lee, "jetzt warten wir erstmal ab, was sie vorschlagen."

Truntschka hatte anschließend verzichtet, "ein von der DEL vorgeschlagener Sportdirektor liegt offensichtlich nicht im Interesse des DEB", Veränderungen seien nicht gewünscht.

Nun schaut DEB-Vize Kühnhackl die "eingegangenen Bewerbungen" durch und führt Gespräche mit den Kandidaten.

"Dann muss das Präsidium eine Entscheidung treffen", sagte er, "wir schauen, dass wir in den nächsten ein, zwei Monaten jemanden haben." Danach werde man mit der DEL "darüber reden".

Namen wollte Kühnhackl nicht nennen. "Wer selbst gespielt hat, Trainer und Manager war, hat einen gewissen Vorteil", sagte der Ex-Nationalspieler.

Personalentscheidung stark im Verzug

Spätestens zu Beginn der nächsten Saison soll ein neuer Sportdirektor im Amt sein. Harnos hatte beim Deutschland-Cup im November noch angekündigt, dass man im Januar oder Februar diese Personalentscheidung treffen wolle.

Reindl, der dieses Amt fast 20 Jahre ausgeübt hatte, war im vergangenen Jahr entmachtet worden.

Er ist seitdem nur noch DEB-Generalsekretär und für die internationalen Belange des Verbandes zuständig. Seine Hauptaufgabe ist derzeit die gemeinsame Bewerbung mit Frankreich um die WM 2017.

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