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Bundestrainer Jakob Kölliker setzte in seiner Amtszeit 51 Spieler ein © imago

Beim Belarus-Cup in Minsk fehlt den sieg- und torlosen DEB-Cracks die WM-Reife. Der Bundestrainer bastelt nun am perfekten Kader.

Minsk - Zwei Niederlagen, kein einziges Tor.

Zwölf Wochen vor der Weltmeisterschaft sah der neue Bundestrainer Jakob Kölliker beim WM-Test in Weißrussland vieles, was ihm überhaupt nicht gefiel.

"Wenn man kein Tor schießt, schmerzt das natürlich", sagte der Schweizer nach dem letzten Platz beim Belarus-Cup in Minsk und bilanzierte:

"Wir hatten viel Aufwand, aber wenig Ertrag. Das ganze Mannschaftsgefüge hat nicht nach Wunsch harmoniert."

Kölliker verteilt schlechte Noten

Bei seinem dritten WM-Casting seit der Amtsübernahme von Vorgänger Uwe Krupp gab es erstmals vorwiegend schlechte Noten.

Nach Platz zwei beim Deutschland Cup im November und zwei Siegen mit einem Perspektivteam gegen Russland im Dezember offenbarten die WM-Kandidaten beim 0:4 gegen Weißrussland und beim 0:1 gegen die Schweiz viele Schwächen (BERICHT: DEB-Team unterliegt auch der Schweiz).

"Wir haben die elementaren Sachen nicht gemacht", sagte Kölliker, "nicht jeder hat sein Potenzial abgerufen. "

Lichtblick Endras

Wer durchgefallen ist, wollte der Schweizer nicht verraten.

"Ich habe noch nicht die finale WM-Mannschaft im Kopf", sagte der 58-Jährige, "aber natürlich so ein Dream Team."

Dazu dürfte nach den Leistungen von Minsk auf jeden Fall Torhüter Dennis Endras gehören.

Der WM-Held von 2010, von seinem NHL-Klub Minnesota Wild an den finnischen Erstligisten IFK Helsinki ausgeliehen, gab gegen die Schweiz ein starkes Comeback und wehrte 35 von 36 Schüssen ab. "Er war ein sicherer Rückhalt und hat sich gut positioniert", lobte Kölliker.

[kaltura id="0_i0wb4vwl" class="full_size" title="Weißrussland stellt DEB-Team bloß"]

"Vielleicht gibt es Überraschungen"

Insgesamt 51 Spieler hat der Schweizer in den ersten sieben Länderspielen unter seiner Ägide gesichtet.

Aus diesem Kreis wird er das Team für die WM in Finnland und Schweden (4. bis 20. Mai) zusammenstellen.

"Vielleicht gibt es noch die eine oder andere Überraschung, aber im Großen und Ganzen sind das die, die infrage kommen", sagte Kölliker.

Ehrhoff-Teilnahme wahrscheinlich

Einen Blick wirft der Schweizer auch noch auf die NHL: "Wir müssen schauen, wer zur Verfügung steht."

Am wahrscheinlichsten ist die WM-Teilnahme von Verteidiger Christian Ehrhoff, der mit den Buffalo Sabres weit hinter den Play-off-Plätzen zurückliegt.

Sein Klubkollege Jochen Hecht hat den Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, die anderen fünf deutschen NHL-Profis sind auf Play-off-Kurs.

System läuft nicht

In der Minsk-Arena, dem WM-Stadion von 2014, wurde auch deutlich, dass die Auswahl des DEB das "System Köbi" noch nicht ganz verstanden hat.

Die im Vergleich zu seinem Vorgänger Krupp offensivere Ausrichtung mit zwei Forecheckern funktionierte gegen Weißrussland überhaupt nicht.

Wie schon beim 3:6 im November gegen die Slowakei bot das DEB-Team dem schnellen und technisch starken Gegner viel Raum für Konter, das Ergebnis hätte durchaus höher als 0:4 ausfallen können.

"Haben an Erfahrung gewonnen"

"Wir haben alle an Erfahrung gewonnen", sagte Kölliker, "auch ich als Trainer. Ich habe gewisse Sachen gesehen, die uns im Prozess helfen können."

Knapp zwei Monate hat der Schweizer Zeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Am 7. April beginnt in Freiburg gegen Russland die unmittelbare WM-Vorbereitung mit insgesamt acht Spielen, ehe am 4. Mai gegen Italien in Stockholm der Ernstfall folgt.

Bei seiner ersten Weltmeisterschaft als Bundestrainer steht Kölliker selbst auf dem Prüfstand: Wohl nur, wenn er das Viertelfinale und damit die Olympia-Qualifikation erreicht, dürfte er die Chance auf eine Vertragsverlängerung haben.

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